IHK-Neujahrsempfang in Dessau-Roßlau
Präsidentin Schaar will mehr Freiraum für Lehrer und Schulen
Dessau-Roßlau, 11. Januar 2010. „Die Unternehmerschaft im Süden Sachsen-Anhalts hat sich in der Krise tapfer geschlagen. Mit Glück, Geschick und Banken mit Augenmaß statt Basel II-Rechnern wird für die meisten Unternehmer das Jahr 2010 gelingen“, so die Einschätzung der Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK), Carola Schaar, anlässlich des IHK-Neujahrsempfangs mit 800 Gästen heute in Dessau-Roßlau. Nach großer Verunsicherung vor Jahresfrist sei jetzt konjunkturelle Entspannung angesagt. Lage und Erwartungen hätten sich wieder gefangen, es herrsche „normal gedämpftes“ konjunkturelles Klima. „Ein kräftiger Aufschwung braucht einen Investitionsschub. Der ist noch nicht zu erkennen. Es bleiben auch Ungewissheiten: insbesondere die Automobilindustrie könnte nach dem Abwrackboom wieder deutlich zurückfallen. Das hätte Auswirkungen auf Zulieferer wie Kunststoffe aus der Chemie und andere direkte und indirekte Produzenten“, so die IHK-Präsidentin.
Laut Schaar bedrücke die Unternehmerschaft auch, wie viele Schulabgänger nicht Lesen, Schreiben und/oder Rechnen könnten und damit nicht ausbildungsfähig seien. Ihr Appell an alle Bildungspolitiker: „Traut den Lehrern etwas zu! Gebt ihnen und den Schulen mehr Verantwortung, eigenes Budget, Personalzuständigkeit und Lehrmethodenfreiheit. Der Staat kann und soll sich in der Schule zurücknehmen - verbindliche Lernziele nach Fächern und Klassen und externe Leistungsüberprüfungen sind ausreichend“. Schaar mahnte darüber hinaus mehr Facharbeiter für die Wirtschaft an: „Fast alle Bildungspolitiker sind sich einig: mehr Abiturienten, mehr Studenten! Ich sage: Die Wirtschaft braucht auch Facharbeiter! Da herrscht jetzt schon Mangel. Die Bildungspolitik ist drauf und dran, diesen Mangel zu verschärfen“.
Als nicht überzeugend beurteilte Schaar die Klimapolitik - die Maßnahmen zur Emissionsvermeidung seien unkoordiniert, teuer und mitunter auch kontrapro-duktiv. „Als ökonomisch vernünftig gelten allein Zertifikate und, wo diese nicht möglich sind, Umweltsteuern. Hier versagt nicht der Markt, sondern der Staat als Regelgeber“. Die Forderung der IHK-Präsidentin: Klimapolitik mit ökonomischer Vernunft statt mit einem preistreibenden Bauchladen an Klimainstrumenten. Das Geld sei besser in der Klimaforschung und in der Erforschung CO2-freier Energieerzeugung angelegt.
