Nokia und das Ende der kostenpflichtigen Navigation

23. Februar 2010 - 0:32

App-Economy prägt die Gerätewelt

Nokia-Strategie für Navi-Software

Mit den kostenlosen Navigationsdiensten, die Nokia für Smartphones startet, werden nach Expertenmeinungen einige Geschäftsmodelle ins Wanken geraten. Mit dem Vorstoß setzt der finnische Handyhersteller nicht nur zum Großangriff auf die mit Google Maps ausgestatten Smartphone-Konkurrenz an, sondern bringt auch die Hersteller von Navigationsgeräten in Verlegenheit. „Vor zwei Jahren war Nokia ader Kauf des Kartenherstellers Navteq noch 5,1 Milliarden Euro wert. Bis gestern sollte die Nutzung der Karten Jahr für Jahr 60 Euro kosten. Jetzt sinkt der Preis auf null. Denn Nokia will sich den Markt für die mobile Navigation nicht von Google kaputtmachen lassen, einem Unternehmen, das mit seinem eigenen Handy samt Betriebssystem ohnehin kräftig im Revier von Nokia wildert", kommentiert der FAZ-Redakteur Carsten Knop. Das hervorragende Kartenmaterial und die starke Marktposition bei Handys mit GPS-Satellitenempfang seien für Nokia eine günstige Basis. „Das Ziel ist es, künftig noch mehr hochwertige, teurere Handys zu verkaufen. Als Kollateralschaden bleiben die Hersteller von Navigationsgeräten wie Tomtom oder Garmin am Wegesrand", meint Knop.

Insgesamt deckt die Nokia-Lösung Karten für 180 Länder und in 46 Sprachen ab. Für 74 Länder ist eine Auto- und Fußgängernavigation inkludiert, in ausgewählten Regionen haben Nokia-Kunden zudem kostenlosen Zugriff auf aktuelle Verkehrsinformationen. Neben 3D-Gebäudeansichten in mehr als 200 Städten werden im Fußgängermodus auch Wege und Abkürzungen durch Parks und Fußgängerzonen berücksichtigt. Schon bisher hat Nokia diese Dienste über seine Ovi-Plattform angeboten.
Nokia geht davon aus, dass sich der Navigationsmarkt nahezu verdoppeln wird. „Wir rechnen bis Jahresende mit rund 50 Millionen Kunden, die unsere Navigationslösung auf ihren Nokia-Mobiltelefonen nutzen werden", erklärt Nokia-Sprecherin Barbara Fürchtegott gegenüber pressetext. Die Entwicklung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass sich die Navigation auf dem Weg zum Massenmarkt befinde. „Indem wir unsere Navigationslösung kostenlos anbieten, schaffen wir wichtige neue Impulse für weitere spannende Innovationen und Kooperationen mit unseren Entwicklungspartnern. Die Verknüpfung von physischen Aufenthaltsorten mit sozialen Kontexten ist ein besonders spannendes Feld", sagt Fürchtegott.

Nach Ansicht des After Sales-Spezialisten Peter Weilmuenster, Vorstandschef des ITK-Dienstleisters Bitronic, werde die Gerätewelt immer mehr von der so genannten App-Economy geprägt: „Entsprechend müssen die Ingenieure umdenken. Nicht mehr die Technik steht im Vordergrund, sondern die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten über schlaue Anwenderprogramme. Selbst die reine Funktion des Navigierens erlebt Metamorphosen. So werden lokalbasierte Services immer wichtiger. Ob bei Kaufentscheidungen, Preisvergleichen, Restaurantempfehlungen oder der Ortung des Freundeskreises", prognostiziert Weilmuenster, Autor des Service-Blogs.
Die Nokia-Lösung kann vorerst auf zehn Nokia-Smartphones wie etwa dem N97 mini, 5800 XpressMusic, E72 und dem E55 genutzt werden, soll ab März 2010 aber standardmäßig auf den neuen GPS-fähigen Smartphones mit ausgeliefert werden.

Wie Applikationen die Gerätewelt verändern ist auch Thema eines dreiteiligen Interviews.

No service the best service? Bitronic über Nexus One und den Kundenservice im Mobilfunk, Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=LFykZpUNPkg

No service the best service? Bitronic über Nexus One und den Kundenservice im Mobilfunk, Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=7xk7wOg35D0

No service the best service? Bitronic über Nexus One und den Kundenservice im Mobilfunk, Teil 3 http://www.youtube.com/watch?v=rf-bld2aU1o

 
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