3 x 3 = 10 oder „Wie gehen Sie mit Meinungsverschiedenheiten um?“


Jeder weiß, dass dreimal Drei Neun ergibt. Was fachlich richtig muss psychologisch noch lange nicht richtig sein! Das kennen Sie sicher aus Seminaren. So können wir immer wieder einmal beobachten, dass manche unserer Mitarbeiter auf ihren alten Privilegien, Methoden und Erfolgsmodellen beharren. Das kann einem schon ganz schön zu schaffen machen. Wie gehe ich am besten damit um? Ein Beispiel.An einem Dienstag war ich bei einem Hersteller von Kartonagen. Er erzählte mir von seinen großen Erfolgen und auch von den Sorgen mit seinen beiden besten Führungskräften. A war Zeitlang Abteilungsleiter. Er ist ein guter Freund dieses Inhabers. Sie haben jahrelang gemeinsam das Wachstum der Firma bestimmt. Nun besitzt A nicht mehr genügend Kenntnisse im komplexer gewordenen IT-Umfeld. Deshalb wurde über einen Personalberater eine fachlich kompetentere Führungskraft, Herr B, gesucht und eingestellt. Er ist jetzt dem ehemaligen Abteilungsleiter und jetzigen Teamleiter A vorgesetzt.Beide seien sehr tüchtig. Doch der Inhaber beobachtet mit Unbehagen, dass der neue, jüngere Abteilungsleiter B mit geringerer Führungserfahrung (man muss heute am Markt Kompromisse eingehen!) und zugleich hoher Fachkompetenz dem Team von A durch Anordnungen, Unverständnis und Kritik begegnet. In anderen Teams der Abteilung scheint die Arbeitsweise des neuen Abteilungsleiters Früchte zu tragen und den Erwartungen zu entsprechen. Im Team von A eben nicht.Der Inhaber bat mich, dass ich mit dem neuen Abteilungsleiter einmal sprechen und die Lage sondieren sollte. B willigte gerne in einen Gedankenaustausch ein und wir diskutierten seine Bemühungen, das Team A und A selbst besser einzubinden.Es stellte sich heraus, dass B die Direktheit liebt. Er ist es gewöhnt, Klarheit und Konsequenz zu zeigen, Dinge rasch und unvermittelt zum Nutzen der Sache anzusprechen. Diplomatie sei nicht seine Sache wie es A praktiziere. Mir fiel spontan ein, ihn mit einer Klassikerfrage zu konfrontieren: „Lieber Herr B, was sagen Sie zu einem Mitarbeiter, der Ihnen auf die Frage wie viel 3 mal 3 ist mit ‚Zehn’ antwortet?“ Kaum hatte ich die Frage ausgesprochen entgegnete er voller Selbstsicherheit: „Das ist doch völlig logisch: Neun ist die einzig richtige Antwort. Punkt.“Meine Frage, ob er bei 3 mal 3 = 10 offen für eine neue Antwortstrategie seinerseits wäre, zögerte B. Schließlich wollte er von mir einen Vorschlag. Ich bot ihm zwei Varianten zur Auseinandersetzung mit dem Mitarbeiter an: 1. „Erklär mir bitte, wie Du auf 10 kommst.“ und 2. „Du bist für 10, ich für 9. Lass uns gemeinsam diskutieren, wie wir eine gemeinsame Lösung finden.“ Er wurde nachdenklich. Schließlich willigte er ein, diese neue Antwort auszuprobieren.Nach wenigen Wochen begegneten wir uns bei einem Meeting im Unternehmen wieder und er meinte, dass er sich zu einem Seminar der Konfliktlösung angemeldet habe. Er denke immer noch über meine Varianten nach und probiere sie ab und an aus. Es klappt manchmal schon recht gut.Haben Sie Fragen, wollen Sie Ihren Eindruck, Ihre Meinung schildern? Dann schreiben Sie mir.Eine gute Woche, Ihr Dr. Klaus-Dieter Matz



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