Josef Discher zum 70. Geburtstag



Lieber Josef,

eigentlich wolltest du deinen 70. Geburtstag gar nicht feiern, aber da hast du keine Chancen. Wie sollten wir, deine Familie, das zulassen?

Aber, so bist du halt eben, bescheiden, nicht angeben, gerecht und sozial und mit sehr Wenigem zufrieden. Ein dickes Auto? Brauche ich nicht, ich brauche gar kein Auto, ich nehme mir eins, was gerade auf dem Hof steht. Urlaub fahren? Brauche ich nicht, wenn, dann nur Rosi zuliebe.

Du prahlst auch nicht mit dem, was du alles geschaffen hast, dabei kannst du mehr als stolz auf dich sein. Weist du, ich hatte nie Angst, dass wir einmal Not leiden müssten. Ich wusste, du würdest alles daran setzen, um deine Familie durchzubringen. Tag und Nacht arbeiten, egal welche Arbeit es auch sei.

Als du 1968 der Landwirtschaft und Schäferei den Rücken gekehrt hast, warst du in deiner Familie das schwarze Schaf. Dabei fiel dir der Wechsel vom Landmann zum Hilfsarbeiter mehr als schwer. Keiner ahnte, wie schwer dir dies fiel, aber ich wusste es. Um deine inzwischen kleine Familie durchzubringen, hast du wirklich 6 Tage in der Woche von 7.00 Uhr bis spät in die Nacht hinein an einer Drehbank gearbeitet. Die Beine taten dir vom langen Stehen auf dem Betonboden weh. Beton ist halt härter, als ein weicher Ackerboden. Du wusstest, das kann nicht alles in deinem Leben sein. Bei Krupp in Essen hast du dann als 30-jähriger, eine Ausbildung zum Schlosser gemacht. Das war unsere ärmste Zeit, richtig arme Socken waren wir.
Ich erinnere mich, wir hatten Appetit auf ein Schaschlik aus der Pommesbude. Wohl gemerkt, auf ein Schaschlik, das haben wir uns aus Kostengründen geteilt und es war sooo lecker.
Nach zwei Maschinenfabriken, bot man dir eine Stelle bei Benninghof in Mettmann an.
5 Jahre lang hast du sehr, sehr gerne mit geistig behinderten Menschen gearbeitet. Es war deine schönste Arbeitsstelle wie du immer gesagt hast.
Doch deine Erfüllung war das auch noch nicht.

Damit der Geldbeutel nicht gar so schnell leer wurde, hast du einen Nebenjob angenommen.
Zu Hause haben wir beide Armaturen in Einzelteile zerlegt und sortiert. Das ging dann soweit, dass wir eine uralte Drehbank mit unserem Notgroschen von 500,00 Mark gekauft haben und weitere 500,00 Mark mussten wir uns leihen. Tagsüber bei Benninghof, 17.00 Uhr Abendessen, dann ab in den Keller bis 24.00 Uhr werkeln. Du und ich wollten schon immer selbstständig machen – aber wie? Wir hatten ja nichts, wir hatten nur uns und unseren guten Willen. Selbstständigkeit war halt ein großer Traum.

Aber, manchmal werden Träume doch Wirklichkeit.

Uns wurde ein Kundendienst für Pflegespüler angeboten und du hast die Chance ergriffen, obwohl ich sehr skeptisch war, aber ich kannte ja meinen Josef.

Eine Begebenheit die mich lehrte Vertrauen in dein Handeln zu haben. Es war noch zu Benninghof-Zeiten da sagtest du mir eines Tages: „ich brauche 120,00 Mark um einen Schneeschieber zu kaufen. Du hast mir immer die finanzielle Regelung überlassen, aber für einen Schneeschieber mit Motor, was sollen wir denn damit? Ehrlich gesagt, ich war stinkig. Ich wusste ja nicht, dass du vor dem Kauf schon jemanden ausgeguckt hattest, der dir dieses Teil für 360,00 Mark abkaufen würde. Meine Erfahrung seither: „in dir steckt nicht nur ein guter Techniker, auch ein guter Kaufmann“.

Mit diesem Kundendienst warst du in deinem Element. Frei, selbstständig – wovon wir gemeinsam immer geträumt hatten – sich endlich verwirklichen können und das mit großem Erfolg. Tagsüber Kundendienst, anschließend bis spät in die Nacht hinein die Drehteile im Keller fertigen und ich als dein Handlanger. Als Beipack im Keller kreierte Olaf kunstvolle Emaille-Arbeiten, bis sein Bettchen zum Schlafen rief. Es wurde zu eng im Keller Breidenhofer Straße 30. Die Drehbank bekam Gesellschaft in Form einer elektrischen Säge und einer Bohrmaschine. Wollten wir sägen, musste die Bohrmaschine in den Kellerflur transportiert werden. War Bohren angesagt, musste dann die Säge in den Flur. Für eine gekaufte Handabkantpresse war nun wirklich kein Platz mehr, dafür wurde eine Garage in Mettmann angemietet. Das war alles nur halber Kram und mit Hudelei hattest du schon immer nichts am Hut.

Wir kaufen ein Gewerbegrundstück im Schallbruch und bauen eine kleine Halle – so sagte mein Mann. Und du hattest wieder einmal den richtigen Riecher. Gesagt, getan, wir hatten nun einen kleinen Betrieb in einem Gewerbegebiet. Es blieb nicht beim Kundendienst, es blieb nicht bei Dreharbeiten, du schafftest Aufträge ran, bei denen Edelstahl verarbeitet werden musste und wir schafften entsprechende Maschinen an. Nach und nach stellte sich Personal ein, denn die Auftragslage war zufriedenstellend.

Mit deinem technischen Wissen hattest du nicht nur Servicedienst geleistet, du hast für die Kunden Geräte geändert, bessere Funktionsteile eingebaut, die du zum Teil selbst gefertigt hast. Du hast Lösungen zu Problemen gefunden, die dir vom Kunden vorgetragen wurden. Unsere Kunden, die dich und deine zuverlässigen Arbeiten sehr schätzten, sind auch heute noch unsere zufriedene Kunden. Nach 13 Jahren Kundendienst und gewonnener Erfahrung im Kaufen und Verkaufen, wurden wir zu einem Entschluss getrieben, der uns ins eiskalte Wasser springen ließ. Der Lieferant der Pflegespüler – er ging wenige Jahre später „über die Wupper“ plante einen eigenen Werkskundendienst. Das bedeutete für uns das Aus im Servicebereich.

Also, das Aus im Servicebereich stand bevor, was machen wir nun? Ganz einfach: mit deinen Kenntnissen auf dem Edelstahlsektor, in der Wasserinstallation und Elektronik, haben wir eigene Steckbecken-Reinigungsautomaten entwickelt und hergestellt. Nach deinen eigenen Vorstellungen wurde entwickelt und Patente wurden angemeldet. Ein neues Zeitalter der Steckbecken-Reiniungsautomaten war durch dich angebrochen

Alteingesessenen Mitbewerber lachten über uns mit der Vorstellung „Vorübergehende Erscheinung“. Doch die kannten Josef und sein grandioses Wissen in Technik und Gespür für den Handel nicht. Die ersten Aufträge für Discher-Geräte haben wir unseren zufriedenen Kunden aus der Servicezeit zu verdanken. – Ihr Vertrauen in Discher, dass du draußen vor Ort erworben hast, war der Anfang einer neuen Ära.

Unsere Firmenphilosophie und Strategie wurde mit Auszeichnungen wie Qualitätspreis NRW, Familienfreundlicher Betrieb und dem Oskar des „Großen Preis des Mittelstandes“ belohnt. Discher Technik „vom guten Namen zur starken Marke“.

Nur dein Können, dein Geschick Chancen zu erkennen und den Mut zu haben, diese Chancen anzunehmen, haben uns vorangebracht. Die wirklich armen Zeiten liegen hinter uns. Lieber Josef, du bist einfach eine „geschäftliche, dynamische und technische Wucht!“

Für uns ist es aber auch gut zu wissen und darauf sind wir stolz, dass unserem Olaf dein Geschick für Entwicklungen und für Geschäftsführung in die Wiege gelegt wurde. Er führt mit Erfolg das weiter, für das du dein ganzes leben lang fest gearbeitet hast. Anerkennung für Olaf, der inzwischen eine dicke Schüppe Erfolg draufgelegt hat. Discher Technik ist ein absolut gesundes Unternehmen und technischer Marktführer über die Grenzen Europas hinaus und darauf sind wir stolz. Nicht ohne Grund wurde Olaf von Berlin in den „Senat der Wirtschaft“ berufen – wahrlich eine große Auszeichnung für ihn - er hat diese Chance erkannt und angenommen.

Rita, die meine Arbeiten bereits übernommen hat, identifiziert sich total mit dem Unternehmen und ist für Olaf eine Stütze, wie ich es für dich stets war. So, wie es aussieht, steht auch die dritte Generation in den Startlöchern. Enkel Miron hält sich am liebsten im Betrieb auf, die Elektroniker haben es ihm am meisten angetan, aber auch der Maschinenbau. Miron weiß heute, mit bald 14 Jahren schon genau, was sein Ziel nach der Schule sein wird. Elektrotechnik und Maschinenbau. Hört sich alles prächtig an. Wenn’s dann so werden sollte, hat sich deine und meine Arbeit, die Discher Technik zu gründen und aufzubauen, mehr als gelohnt.

Ich danke Gott dafür, dass ich dich zum Ehemann haben darf, „pflegeleicht“ in dem Sinn, dass nie gemeckert wird, wenn es nur wieder Butterbrote zum Essen gibt oder nicht so ganz nach seinem Geschmack gekocht wurde. Der niemals nach dem Preis schöner Dinge oder Klamotten fragt, die ich mal wieder gekauft habe. Nicht merkt, wenn ich die Möbel in der Wohnung umgestellt habe – wenn doch, dann erst nach ein paar Wochen. Und du warst für mich die beste Medizin, als ich Jahre lang zwischen Himmel und Erde gekämpft habe. Schön, mit dir durchs Leben zu gehen, es wurde nie langweilig mit dir und so soll es auch weiterhin bleiben.
Wir, deine Familie halten dich nicht von der Arbeit ab, auch wenn in wenigen Stunden eine 70 vor deiner Jahreszahl steht. Arbeit war und ist nun mal dein Leben und wir sind sicher, sie wird dich auch weiterhin flott halten. Die Ingenieure unserer Entwicklungsabteilung greifen immer wieder gerne auf deine Erfahrungen und Ideen zurück.

Du bist ein außergewöhnlicher Mensch, ein Genie und wie sagte unser Herr Bürgermeister bei seiner Rede im Rathaus? Josef, der Bill Gates von Haan. Lieber Herr Bürgermeister, davon gibt’s in Haan noch viel mehr, aber Sie haben Recht, was Josef geleistet hat, ist enorm und sehr, sehr beeindruckend.



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