Karl Popper und die Medien


Karl Raimund Popper schließt seinen Beitrag "Bemerkungen zur Theorie und Praxis des demokratischen Staates" von 1988 mit einem Absatz, den sich alle hinter die Ohren schreiben sollten, die sich für "Mainstream" und für Meinungsbildner halten.:Die Welt "stellt uns Aufgaben. Wir können zufrieden in ihr sein und glücklich. Aber das muß man auch aussprechen! Ich höre es fast nie. Statt dessen hört man täglich Gejammer und Geraunze über die angeblich so schlechte Welt, in der wir zu leben verdammt sind.Ich halte die Verbreitung dieser Lügen für das größte Verbrechen unserer Zeit, denn es bedroht die Jugend und versucht, sie ihres Rechtes auf Hoffnung und Optimismus zu berauben. Es führt in einzelnen Fällen zu Selbstmord oder zu Drogen oder zum Terrorismus. ...Glücklicherweise ist die Wahrheit leicht nachzuprüfen: die Wahrheit, daß wir im Westen in der besten Welt leben, die es je gegeben hat. Wir dürfen diese Wahrheit nicht länger unterdrücken lassen. Die Medien, die in dieser Hinsicht die größten Sünder sind, müssen überzeugt werden, daß sie schweres Unheil anrichten. Sie müssen zur Mitarbeit überredet werden.Wir müssen die Medien dazu bringen, die Wahrheit zu sehen und zu sagen. Und wir müssen sie auch dazu bringen, ihre eigenen Gefahren zu sehen und, wie alle gesunden Institutionen, Selbstkritik zu entwickeln und sich selbst zu warnen. Es ist eine neue Aufgabe für sie. Der Schaden, den sie gegenwärtig anrichten, ist groß. Ohne ihre Mitarbeit ist es fast unmöglich, ein Optimist zu bleiben."_______________________________________________________________________Karl Raimund Popper (1902 - 1994) war ein österreichisch-britischer Philosoph, der mit seinen Arbeiten zu Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, zur Sozial- und Geschichtsphilosophie sowie zur politischen Philosophie den kritischen Rationalismus begründete. Er favorisiert eine gänzlich gegensätzliche Denktradition zur Frankfurter Schule von Adorno und Habermas, die sich in der Tradition von Hegel und Marx sehen. Popper wurde 1965 von der englischen Queen zum Ritter geschlagen und war mit Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt befreundet.Er schrieb: „Aus meiner sozialistischen Jugendzeit habe ich viele Ideen und Ideale ins Alter gerettet. Insbesondere: Jeder Intellektuelle hat eine ganz besondere Verantwortung. Er hatte das Privileg und die Gelegenheit, zu studieren; dafür schuldet er es seinen Mitmenschen (oder „der Gesellschaft“), die Ergebnisse seiner Studien in der einfachsten und klarsten und verständlichsten Form darzustellen. Das Schlimmste – die Sünde gegen den heiligen Geist – ist, wenn die Intellektuellen versuchen, sich ihren Mitmenschen gegenüber als große Propheten aufzuspielen und sie mit orakelnden Philosophien zu beeindrucken. Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann. […]Was ich oben (Punkt 1) die Sünde gegen den heiligen Geist genannt habe – die Anmaßung des dreiviertel Gebildeten –, das ist das Phrasendreschen, das Vorgeben einer Weisheit, die wir nicht besitzen. Das Kochrezept ist: Tautologien und Trivialitäten gewürzt mit paradoxem Unsinn. Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so ‚tiefen‘ Buch Gedanken zu finden, die er selbst schon mal gedacht hat.“
 
Jede Theorie und jede wissenschaftliche Position sollte Poppers Ansicht nach so formuliert werden, dass eine Kritik so leicht wie möglich ist. Die Art und Weise, wie heute zum Erdklima, zur Demokratie, zu Weltwirtschaftskrisen und zu Europa diskutiert wird, das Tabuisieren und Ausgrenzen von Meinungen, die gerade nicht passen, die nicht "political correct" sind, würde Popper nie tolerieren.Poppers bekanntestes Werk ist „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ von 1945. Darin rechnet er, ähnlich seinem Freund Firdrich von Hayek in dessen Buch "Der Weg zur Knechtschaft", detailliert mit den Gedankensystemen von Platon, Hegel und Marx ab, die totalitäre Systeme theoretisch begründen und praktisch befördern. Als positives Gegenbild zu diesen „geschlossenen Gesellschaften“ entwirft er eine „Offene Gesellschaft“, die nicht am staatlich-ideologischen Reißbrett geplant und gegen das Volk durchgesetzt wird, sondern sich pluralistisch in einem fortwährenden Prozess von Verbesserungsversuchen und Irrtumskorrekturen evolutionär fortentwickelt. Der Begriff Offene Gesellschaft ist in die politische Sprache eingegangen.Die spätere sog. nachpositivistischen analytisch-angelsächsische Philosophie hat eine Auseinandersetzung mit Popper überwiegend durch Totschweigen oder aber durch versteckte Übernahme seiner Positionen als angeblich eigene Ideen umgangen. Ooppers Einfluss und Ansehen sind daher heute v. a. in den Natur- und Wirtschaftswissenschaften erheblich größer als in der Fachphilosophie.



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