Die reformierte Gesellschaft


Jan genießt in seinem Apartment im 24. Stock in der Stadt Brach die sich ständig verändernde Skyline. Bombastisch. Jan wohnt nun schon fast drei Jahre hier, seit
seinem Umzug von Merlindrei. Er hat hier mittlerweile viele Freunde und Bekannte. Die realen Kommunikationsmöglichkeiten, -treffpunkte und -angebote sind hervorragend organisiert. Und Jan hat erst einen Bruchteil der Orte besuchen können, die er sich bei seinem Umzug hierher vorgenommen hatte. Aber er nimmt sich die Zeit, die er braucht. Er ist nach wie vor an jüngerer Geschichte interessiert. Mit Schaudern denkt er daran,
wie die Menschen früher leben mussten. Die damaligen Umstände sind für Jan fast unfassbar. Schlimm muss es gewesen sein, bevor es diese umfangreichen Sozialreformen, von denen die meisten gut durchdacht waren und sehr gut gegangen sind, stattgefunden haben. Die wenigen Reformen, die damals schiefgegangen sind, hat man dann nachgerichtet, war gar kein Problem. Viel besser als die damals zuvor über viele Jahrzehnte durchgeführten marginalen Scheinverbesserungen und punktuellen Teilmaßnahmen, die das gesellschaftliche Komplexitätsgeflecht, das den sprichwörtlichen gordischen Knoten übertraf, und nur noch „gordischer“, gewurschtelter
machten.Jans aktuelle Arbeit, und er hat Lust zu arbeiten, macht ihm großen Spaß. Ist ja klar, wenn nicht, würde er sie nicht machen. Einfach gut heute, früher war die Arbeit ja oft Fron. Menschen waren abhängig von ihrer Arbeit, von dem Verdienst. Sklavenhaltung war dies eigentlich, denkt sich Jan.Heute gibt es Arbeit jeglicher Art und ohne Ende. Man wird immer benötigt. Teils bezahlt, teils ehrenamtlich, egal. Hauptsache es macht Spaß. Arbeit erfüllt einen, man sieht einen Sinn und eine Notwendigkeit in seiner Arbeit. Für jede Arbeit erhält man Respekt, diese Anerkennung tut einfach nur gut und ist ein Lebenselixier.Jeder wird jederzeit an vielen Orten benötigt und kann sich einbringen. Arbeit gibt es reichlich für jede erdenkliche Qualifikation. Hingegen, vor den Reformen, igitt, igitt, schrecklich! Zum Überleben in Zivilisationen benötigte man Geld. Und Geld gab es früher nur gegen Arbeit oder nach vielen entwürdigenden Gängen zu Behörden, Offenlegen von allem und jedem Besitz und Wartezeiten und Misstrauen. Nicht gut.Zudem war die Arbeitslosigkeit permanent hoch. Viele Gesellschaftsgruppen, oft
Jugendliche und Menschen über 50 Jahren, waren betroffen. Zum Leben brauchte man Geld, aber verdienen konnten viele nichts oder zu wenig. Menschen, Jobsuchende
besuchten damals sogar Kurse und Lehrgänge, um ihren Lebenslauf zu schönen, übten Bewerbungsgespräche, um potentiellen Arbeitgebern einen schönen Schein vorzugaukeln. Zeitweise wurden solche Kurse sogar von der Gesellschaft gefördert. Einzelne bekamen so das Gefühl vermittelt, sie seien so, wie sie sind, nicht gut genug.Ach wie gut, dass es heute anders ist. Jeder ist in seiner Art gut. Andererseits: Arbeitgeber, die heute Mitarbeiter suchen, sind gut beraten, wenn sie Arbeitsplätze
individuell so gestalten, dass es auch den Interessen der gesuchten Mitarbeitern entgegen kommt. Denn nur, wenn es den Mitarbeitern und dem Organisator/Chef/Arbeitgeber gerecht ist, wird es gut. Wie heute jeder weiß.Seinen Gedanken nachgehend überlegt sich Jan, wie das Zusammenspiel zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer früher, vor den Reformen, im Gegensatz zu heute, war.
Arbeitgeber hatten viele Restriktionen, wenn sie mit Mitarbeiten nicht zufrieden waren. Es war rechtlich oft schwierig, sich von Mitarbeitern zu trennen, auch sozial war es für Arbeitgeber eine Bürde. So existierte für Entlassene doch ein erhebliches Risiko, in Armut zu fallen, wenn sie keine neue bezahlte Tätigkeit mehr fanden. Ein Kreuz für beide Parteien. Existenzieller Druck für Mitarbeiter, sozialer und rechtlicher Druck für Arbeitgeber.Der Druck auf Mitarbeiter, insbesondere, wenn sie eine Familie mit Kindern hatten und sich deshalb oft in finanzieller Abhängigkeit befanden, war ausgesprochen hoch. Wie Sklavenhaltung. Innovationen wären damals, genau wie sie es heute sind, wichtig gewesen. Und real fanden sie in den damaligen erstarrten Existenz- und Statusangstgesellschaften nicht mehr statt. Nur bei den Selbstdarstellungen, und dort reichlich. Die Existenzangst zu vieler Mitarbeiter, die echte Neuerungen hätten anstoßen können, war zu groß für Veränderungsvorschläge.Also fand nur das absolut Abgesicherte mit Risikominimierung statt. Eine „Lähmgesellschaft“ mit stetiger Verkomplizierung. Größere Organisationen,  Unternehmen, Konzerne, Verbände waren Einzelnen, Individuen, zu vielfältig und
absolut überlegen. Die Komplexität der Gesellschaft, wie Gesetzeswesen, Vertragswesen, Rechtswesen, Preisgestaltung, Sicherheitsbestimmungen, diverse sogenannte Schutzbestimmungen, sei es für Gesundheit, Staat, Umwelt - um nur einige von vielen Themengebieten zu nennen - waren über Jahrzehnte, kann man sagen - so kompliziert geworden, dass Individuen sich nur noch absolut unsicher in diesem Dickicht bewegen konnten.Alles, was man vielleicht anders hätte machen können, war mit diversen Bestimmungen, Vorschriften, Genehmigungsanträgen, Prüfungen verriegelt und verkompliziert und so – für Leute ohne Kamikaze-Einstellung - fast nicht anpackbar. Nur Organisationen, die sich Spezialisten leisten konnten, konnten die vielen Aspekte überblicken und noch agieren. Viele Organisationen nutzten dies zu ihrem eigenen Wohl. Individuen, Marktteilnehmer wurden beispielsweise durch Preisgestaltungen,
Tarifsysteme, Vertragsbedingungen, die nicht zu überblicken waren, in mehr oder weniger schutzloser Abhängigkeit gehalten. Leistungen und Produkte zu vergleichen
war für Individuen in vielen Fällen kaum mehr möglich. Der Markt war ausgehebelt.

Nicht nur das. Große Organisationen und Verbände waren so mächtig, dass sie auch die Politik in ihrem Sinne beeinflussten, u.a. wurde dies als „Lobbyismus“ in seiner noch harmloseren, öffentlich bekannten Form bezeichnet. Die Abhängigkeit vieler Menschen vom Arbeitsplatz, vom Wohlwollen Anderer und von finanziellen Vorteilen waren einige der Ursachen für die schleichende, alles lähmende Reformunfähigkeit der damaligen Gesellschaft. Es fehlten gesellschaftlich befreiende Visionen und angemessene Handlungsmöglichkeiten.Obwohl die Gesellschaft damals „demokratisch“ genannt wurde, war der Korrektur- und Erneuerungsmechanismus durch die demokratischen Wahlen weitgehen neutralisiert.
Der einzelne Bürger hatte in Abständen die Wahl zwischen verschiedenen Parteien, die jedoch im Laufe der Jahrzehnte annähernd gleich geworden waren und für die meisten Wähler keine richtigen Alternativen mehr boten. Das war damals wohl auch die Ursache dafür, dass viele Wähler nicht mehr zur Wahl gingen, da sie ihre Interessen in den Parteiprogrammen nicht wiederfanden.Ein Zeichen der damaligen Dekadenz war, dass professionelle Werbeagenturen Wahlkämpfe und Kampagnen gestalteten. Ein Hohn für die vielen Bürger, die sich auch damals schon für den Gegenwert ihrer wertvollen Stimme statt entwickelter Kunstprodukte authentische Programme und Personen wünschten.Nachdem damals endlich Reformen angegangen worden waren, war es eine der vielen, dass Wähler ihre wertvolle Stimme splitten konnten. Bruchteile kann man seitdem einer Partei geben, z.B. wenn deren Wahlprogramm den eigenen Vorstellungen nahe kommt, weitere Teile auch denen seit den Reformen dann möglichen Bewegungen.
Diese Bewegungen bildeten sich zweckgebunden zur Durchsetzung spezifischer Ziele. Wenn diese erreicht waren oder als nicht mehr erreichbar oder überholt erschienen, lösten sich diese Zweckgemeinschaften wieder auf. Auch konnte man Teile seiner
Stimme einzelnen Personen geben, auch wenn diese ganz anderen Parteien oder Bewegungen angehörten. So konnte endlich jeder Wähler genau dasjenige und diejenigen wählen, die seinen Vorstellungen am nächsten kamen. Gewählte Personen und Bewegungen wussten, wofür sie gewählt worden waren. Im Rahmen ihrer politischen Macht, Möglichkeiten und Weichenstellungen arbeiteten sie klar und unabhängig an ihren Zielen, nur ihrem Gewissen verantwortet. Jedem politisch tätigen
Menschen ist heute klar und bewusst, dass er sich für im Vorfeld erkennbare Entscheidungen, die zu unethischem Verhalten und Leid in der Gesellschaft führen,
später vor Richtern individuell verantworten muss. Es wurde klar, bewusst und akzeptiert: Jeder Gewählte und so zeitweise Mächtige hat über sich sein  Damoklesschwert.Jeder politisch Tätige testete und pilotierte deshalb Neues nach bestem Wissen und Gewissen, um nach Möglichkeit eventuelle negative Folgen im Vorfeld festzustellen,
um sie zu vermeiden. Wobei auch jedem klar war, wer nichts erneuert und verändert, macht meist den größten Fehler. Reformen waren somit real zur echten Chefsache geworden und nicht wie früher eher nur in der öffentlichen Rhetorik.Vormals war das System so komplex geworden, dass auch die damaligen Parteien oft nicht über genügend Sachverstand und Spezialisten verfügten, um das Dickicht der in den Jahrzehnten davor oft schrittweise geschaffenen komplizierten Gesetzeslagen und Zusammenhänge zu durchblicken. Gewählte Regierungen waren so ihrerseits in nicht wenigen Fällen wieder von Spezialisten abhängig, die eigene Interessen in ihre Arbeitsergebnisse einfließen lassen konnten.Gemosere und Unruhen über diese vielfältigen Missstände wurden damals schleichend mehr und mehr. Schließlich begannen dann die jetzt wirkenden Reformen. Als eine der ersten Maßnahmen wurde damals das bedingungslose Bürgergeld eingeführt. Damit konnte jedermann – zugegeben, auf zunächst einfachem Niveau – gleichgültig, ob vermögend, gut verdienend oder mittellos, garantiert seinen Lebensunterhalt bestreiten.Dies gleich für jeden Bürger, von seiner Geburt bis zum Ableben. Und als die Menschen Vertrauen gefunden hatten, dass dieses Bürgergeld auch inflationsbereinigt auf Dauer gezahlt werden würde, lösten sich schon viele der Verkrampfung von vorher. Menschen, die Geld verdienten, gaben es auch wieder aus, anstatt wie vorher angstvoll
zu sparen, da sie ja nicht wussten, ob und wann sie beispielsweise arbeitslos werden würden und dann dringend auf Erspartes angewiesen wären. Die Wirtschaft blühte auf.
Nebenbei, auch Familien und Lebensgemeinschaften mit Kindern waren so finanziell sicher versorgt. Für sich selbst – Jan reflektiert sein Leben gerade – kann er sich gut vorstellen, später einmal in einer der mannigfaltig vorhandenen Wohngemeinschaften, in denen viele Betagtere gerne leben, zu wohnen. Jeder begleicht dabei seinen Obolus mit einem Teil seines Bürgergeldes.Unerträgliche Arbeitsverhältnisse konnten nun schnell gelöst werden, Mitarbeiter waren finanziell unabhängig und nicht von einem Job abhängig. Und Arbeitgeber waren an Mitarbeitern interessiert, die aus freien Stücken mitarbeiten, weil es ihnen Spaß macht. Damit wurde das Wohl der Arbeitnehmer auch das Interesse der Arbeitgeber.
Kündigungsschutz wurde so nicht mehr erforderlich. Und wenn man dieses Relikt im Nachhinein analysiert, lässt sich feststellen, dort, wo er griff, wurden zum Teil auch
Wirtschaftszweige und Staaten ruiniert, und wo er nicht griff, glaubten die Menschen auch nicht mehr daran und hielten ihn für eine der in der Gesellschaft gewachsenen
Heucheleien. Abgeschafft wurden mit Einführung des bedingungslosen Bürgergeldes – zum Teil mit angemessenen Übergangregelungen - Arbeitslosengeld, Renten, Kindergeld, und viele, viele der früher nur von darauf spezialisierten Zeitgenossen abrufbare sogenannte Förderungen.Die unzähligen Verwalter in den vielen Ämtern und Behörden, die Hilfsbedürftige, aber auch sich selbst betreuten, entfielen. Sehr, sehr viele Mittel, die vorher die Verwaltungen schluckten, waren somit eingespart. Viele, oft kleinliche detaillierte Fallregelungen entfielen ersatzlos. Ein Aufatmen ging durch die Gesellschaft. Arbeit war kein Sozialstatus mehr mit der Möglichkeit, auf Arbeitssuchende hinabzuschauen. Arbeit – bezahlt oder unbezahlt - wurde rasch ein geschätztes Mittel, sich zu entfalten und in die Gesellschaft einzubringen, was finanziell honoriert wurde oder mit Respekt und Anerkennung.Wurde früher bezahlte Arbeit von Menschen für ihr Überleben in der Gesellschaft benötigt, so wurde nach der Einführung des Bürgergeldes Vieles - nicht finanziell
Abgegoltenes - mit Freude geleistet. Tätigkeiten, die benötigt werden, für die nun aber keine finanzielle Förderung mehr vorhanden ist, werden ehrenamtlich gegen
gebührenden Respekt und Anerkennung ausgeübt. Die vielen, früher über Abgaben und Steuern finanzierten Förderungen, die oft nur den Förderern dienten, die sich so ihren Lebensunterhalt finanzierten, sind gänzlich entfallen. Wo tatsächlich benötigt, werden diese Leistungen nun ehrenamtlich geleistet. Schummelei, Verschwendung und Fehlleitung knapper Ressourcen aus früheren Zeiten ist nun vorbei.Tja, sinniert Jan weiter, was Gesetze, Verordnungen, Verträge, Tarife,  Preisgestaltungen betrifft, existieren nun nach den Reformen im Vergleich zu früher paradiesische und vergleichsweise tolle Regelungen. Jedes Gesetz, jede Verordnung, Richtlinie, Geschäftsbedingung, Vertragspassage etc. muss so verfasst werden, dass sie von einem zehnjährigen, durchschnittlich intelligenten Kind nach einfachem Durchlesen verstanden wird und sinngemäß wiedergegeben werden kann.Die Nagelprobe, ob eine neue Regel diesem Anspruch standhalten kann, wird jeweils real getestet. Nur wenn von vielen Kindern mindestens 80 % die Sache auf Anhiebt
verstehen, darf sie gültig werden. Toll ist dies heutzutage, denkt Jan. Eigentlich barbarisch früher, Menschen konnten sich oft nur mit Hilfe von teuren Beratern über ihre Rechte und Pflichte klar werden. Unsicherheit in nicht wenigen Dingen und Abhängigkeit von Verwaltern und Beratern war die Regel. Einengend und Jedermann einschränkend war das. Heute ist jedem sofort klar, was möglich und machbar ist und was nicht, alles ist einfach. Man merkte nach dieser Reform schnell, dass viele vorherige Geschäftsmodelle eigentlich nur wegen der Unsicherheit, Verwirrung und
Ahnungslosigkeit der Menschen möglich waren, viele kleine Betrügereien hatten sich so im Schutze verwirrender Verträge, Regelungen, Tarife etc. breitgemacht.Auch die Steuer wird wieder als Steuer erkannt und genutzt. Vorher wurde den Menschen wohl mit allen verwirrenden Argumenten nahegebracht, dass diese und
jene Steuer eingeführt und erhöht werden muss. Sei es z.B. wegen vermeintlicher Ungerechtigkeiten, sei es aus Umweltschutzgründen, sei es wegen Fehlentwicklungen
mal hier und mal dort, sei es für außergewöhnliche Hilfsprojekte. Alles, um diese und jene Steuer einzuführen oder zu erhöhen. Abgeschafft wurden diese Sonderabgaben
später dann so gut wie nicht mehr.Das Ganze waren damals keine Steuern im Sinne von Steuern, sondern ein einziges staatsfinanzierendes, unübersichtliches, unstillbares Moloch System, das fast
nur die Richtung „weiter und mehr und höher“ hatte. Statt wie heute mit Augenmaß zu steuern und die Abgaben so zu gestalten, dass sie zu nützlichen Richtungsweisungen
in der Gesellschaft führen und nur nebenbei den Staat finanzieren. Die Reformwelle, insbesondere zu Beginn, war begleitet von diversen Widerständen, Blockaden und Gegenargumenten, oft auch sich selbst wiedersprechender Art. Hauptsache war, dass das Bisherige bliebe. War eine aufregende Zeit damals. Nachdem aber die positiven Wirkungen der ersten Reformen nicht mehr wegzudiskutieren waren und mehr und mehr spürbar wurden, wurde man auch mutiger und reformierte nach und nach weitere längst überfällige Regelungen des Zusammenlebens.Der treibende Geist war damals, Selbstbestimmung und individuelle Freiheitsgrade wieder herzustellen und hochzuhalten. Und jedem Individuum in der Gesellschaft jeweils viele Perspektiven und Möglichkeiten zu bieten, sich gemäß seines Gustos zu entfalten. Ohne in unfreiwillige Abhängigkeit zu geraten, natürlich auch ohne Andere in Abhängigkeit zu bringen.Schon interessant, sinniert Jan, was man mit richtigem Justieren von Steuern alles erreichen kann. Beispielsweise wurde im Zuge der Reformen ein sehr wirkungsvoller
Regelkreis für Einkommensteuern implementiert. Dazu wird das durchschnittliche Einkommen der niedrigstverdienenden zehn Prozent der Bevölkerung als Maßstab genommen. Die Grundeinkommen werden dabei berücksichtigt. Das so ermittelte untere Einkommensniveau ist steuerfrei. Mit individuell darüber steigendem Einkommen wird die individuelle Einkommensteuer zunächst moderat erhöht. Falls das individuelle Einkommen jedoch das untere Einkommensniveau um den Faktor 100 übersteigt, werden weitere Steigerungen mit 99 % versteuert. Die Folge: Die Reichen und damit oft Mächtigen, die viel verdienen, können ihr normal versteuertes Einkommen um den Faktor 100 dadurch erhöhen, dass sie dafür sorgen, dass die unteren Einkommen angehoben werden. Und, es ist kein Geheimnis, dies findet in Folge dieser Regelung auch statt. Die unteren Einkommen werden seit Einführung dieser Art der
Einkommensbesteuerung stetig weiter angehoben. Dies ist seitdem breiter Konsens in der Bevölkerung. Es besteht permanenter Druck, das bedingungslose Grundeinkommen nach oben anzupassen, und die Anzahl besser bezahlter Jobs stieg.Dies ausschließlich im System aus sich heraus. Der Regelkreis funktioniert. Generell war damals die Erkenntnis gereift, dass als Ordnungssystem für die Organisation gesellschaftlichen Zusammenlebens überschaubare Regelkreise, die man mit Steuerelementen, u.a. Steuern lenken kann, wesentlich effizienter, gerechter und ausgleichender wirken wie Regelungen, welche meist eine gewisse Starre haben
und vor den Reformen in einer unüberschaubaren Anzahl vorhanden waren.Auch berücksichtigt man nun steuerlich, dass größere Organisationen über größere Einflussmöglichkeiten und weit mehr Machtmittel verfügen als kleinere Organisationen
und Individuen. Ausgleichend werden deshalb größere Organisationen nach den Reformen auch angemessen höher besteuert. Wenn große Organisationen im
Markt und Wettbewerb nun ihre Existenz wahren wollen, müssen sie nun ihr Augenmerk verstärkt auf durch kleinere Organisationen nicht zu bewältigende Produkte/ Leistungen richten. Beispielsweise auf Solche mit besonderer Komplexität, hohem Investitionsbedarf, vergleichsweise langem Forschungs- und Entwicklungsvorlauf und/ oder besonderem Durchhaltevermögen bei der Akquisition.Für politisches Lobbying, für den früher üblichen Anpassungsdruck auf Mitarbeiter, intern auch verkauft als Personalentwicklung, bleibt heute kaum Spielraum. Der Überlebensdruck gegen kleinere Organisationen und Individuen ist hoch. Große Organisationen haben mittlerweile - und dies wird allgemein als richtig angesehen – nur bei großen Aufgaben und Projekten gegenüber den nun vielfältig vorhandenen und wettbewerbsfähigen kleinen Organisationen dauerhaft Erfolgschancen.Damals mussten große Organisationen insbesondere ihre Effizienz steigern. Dies führte bei den internen Prozessen zu innovativen Neuerungen. Größenbedingte
Kostenvorteile durch geeignete prozessorientierte Strukturen wurden und werden seit dem verstärkt ausgeschöpft. Man führte damals auch überwiegend eine Auftragsbörse nach Tritt ein. Damit bereinigten sich die Firmen nachhaltig von vielem Unnötigen und wurden und blieben so bei Arbeitsorganisation und Motivation ihrer Mitarbeiter hoch effizient.Auch im öffentlichen Bereich werden die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die nun dank des Bürgergeldes auch unter finanziellen Gesichtspunkten machbar wurden,
nach dem Tritt-Modell vergeben. Tätigkeiten, die zu wenige ehrenamtliche Interessenten finden, werden mit höherer messbarer Anerkennung, z.B. Punkten, versehen. Ehrenamtliche können so ihren Honoratiorenstatus, ausgedrückt in der Höhe ihres individuell erreichten Punktekontos, rascher steigern. Dieser Status ist individuell
und kann weder verkauft, verschenkt oder vererbt werden.Seit dem werden die vielen, eher unspektakulären, aber oft dringend benötigten ehrenamtlichen Tätigkeiten – bei entsprechendem Bedarf und Personalengpass –
flexibel höher honoriert wie beispielsweise auch ein eher prestigeträchtiger - ebenso ehrenamtlich durchgeführter - Vorsitz des örtlichen Verkehrsvereins. Jan erinnert sich
dabei an einige der ihm konkret bekannten Fälle mit zeitweise besonders hoher Honorierung. Diese betrafen dabei u.a. Tätigkeiten bei der Kinder- und Senioren
Betreuung, Ordnungstätigkeiten bei Veranstaltungen, ehrenamtlicher Einsatz bei der freiwilligen Feuerwehr, auch viele Weitere mehr.Der Honoratiorenstatus ist mittlerweile auch ein nicht unwesentliches Argument bei politischen Wahlen. Aufgrund der guten Erfahrungen ist aktuell dazu in der Diskussion, ob zur Besetzung einiger öffentliche Positionen ein gewisser Honoratiorenstatus Voraussetzung sein soll.Oh je, Jan denkt mit Schrecken, dass er - so in Gedanken versunken - beinahe seinen Termin zur Netzwerkkommunikationen mit seinem globalen Freundesnetzwerk
vergessen hätte. Zeit wird‘s, sich nun mit seinen Freunden im Netz zu treffen. Bei seiner Analyse der Reformen hat Jan noch viele weitere Aspekte erkannt, die damals
reformiert wurden und die die Menschen und ihre Gesellschaft wesentlich weitergebracht haben. Bei Gelegenheit wird er sich dazu weitere Gedanken machen,
aber nun erst mal zu seinen Freunden. Ach ja, eine Sache - wo er sich doch gleich mit seinen Freunden virtuell trifft - ist auch toll. Sehr gerne lädt er seine Freunde ein, auch  hierher zu kommen, auch umzuziehen, um in seiner Region zu wohnen. Je mehr Bürger, Zuwanderer, eine Region hat, umso mehr Mittel wird ihr von der Gemeinschaft der Regionen zur Verfügung gestellt. Jeder einzelne Mitbewohner wird honoriert. So ist endlich jeder Mensch willkommen und auch finanziell wertvoll für jede Region.Eine Willkommenskultur, bei der sich Jeder an jedem Ort wohlfühlen kann und willkommen ist, hat sich so breitgemacht. Hm, da fällt Jan ein, er will als weiteren Beruf, oder besser formuliert, als interessante Beschäftigung, eins der neuen Programmiersysteme erlernen. Eins, in denen man beim Spielen nebenbei programmiert. Und, wenn man gewinnt, ist das dabei erstellte Programm auch
besonders gut geworden, eine tolle Idee, ein tolles System. Nur, dies ist noch eine Schwachstelle bei der Sache, man muss zunächst die Grundsätze dieses Programmiersystems erlernen. Aber kein Problem. Früher, vor den Reformen, hätte er sich so was nicht angetan, waren doch früher Schulen und Hochschulen weitgehend feudal, verwaltungsmäßig, langweilig, oft auch von unverständlichem Vortragsstil der Dozenten geprägt. Viele Schüler wurden damals ausgesondert und viele Studenten
brachen damals diese Zumutung ab.Heute kein Problem, im Gegenteil, Ausbildung macht total Spaß! Ausbildungseinrichtungen, Lehrer und Dozenten erhalten nur dann Bezahlung, bei ehrenamtlichen Ausbildern entsprechend Statuspunkte, wenn sie erfolgreich, d.h. nachgewiesen durch bestandene Abschlüsse der Lernenden, ausgebildet haben. Nicht etwa - wie früher - für Anwesenheit oder für nicht vorhandene oder ihre Ausbildung abgebrochene Schüler oder Studenten. Jeder Ausbilder ist heute brennend an vielen und begeisternd wieder kommenden Schülern und Studenten und an deren vollem Ausbildungserfolg interessiert. So machen das Lernen für die Schüler und Studenten und die Lehrtätigkeit für den Unterrichtenden auch tatsächlichen Spaß.Die Idee zur Systematik des gleichzeitigen Programmierens und Spielens kam einem Pfadfinder bei seinen Suchen im Netz. „Pfadfinder“ oder „Schatzsucher“ werden
diejenigen Menschen genannt, die ständig weltweit das globale Kommunikationsnetzwerk nach Innovationen, nach Neuem, nach Besserem erforschen. Eine gewaltige Fundgrube, in der man ständig Neues finden und entdecken kann. An einigen Stellen und in einigen Foren findet man ergiebige Quellen vieler bemerkenswerter, zukunftsweisender Anregungen.Für Jan wäre es nichts, als Pfadfinder zu agieren. Zu oft muss man sich dabei in fremde Gedanken und Überlegungen einfühlen. Dies ist Jan zu mühsam. Jan analysiert
lieber und entwickelt dabei eigene Gedanken und Vorstellungen. Obwohl - die Pfadfindertätigkeit ist schon wichtig für Gesellschaft und Unternehmen. Sie wird
geschätzt und hoch anerkannt. So wurden beispielsweise vor vielen, vielen Jahren frühere Überlegungen über Szenarien gesellschaftlicher Zukunft von einem gewissen
Jan gefunden. Diese gelangten zu politisch interessierten Kreisen. So haben diese Kreise dann später wohl auch zu den durchgeführten Reformen beigetragen.Text als PDF



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