Blogs / 2012 / Mai

Auf der Suche nach dem Homo Oeconomicus - Homo Oeconomicus oder doch eher Homer Simpson? Nr. 2/11


Nun, die Annahme, dass sich Menschen rational und nach den Regeln der Logik verhalten, entsprang nicht den realitätsfremden Wunschvorstellungen modellverliebter Ökonomen, sondern geht auf den griechischen Philosophen Aristoteles zurück.5 Und überhaupt, die Annahme, dass ein Mensch konkrete Vorstellungen darüber hat, ob er beispielsweise einen Betrag von EUR 1.000 für eine Urlaubsreise oder eher für eine Waschmaschine ausgibt und dass er sich beim Kauf einer Waschmaschine einen entsprechenden Überblick über das Angebot verschafft, scheint durch unsere Alltagserfahrungen bestätigt zu werden. Insgesamt basiert ein Großteil der Kritik am Modell des Homo Oeconomicus auf der falschen Interpretation, dass dieses Modell das Verhalten des einzelnen Menschen zu erklären versuche. Tatsächlich versucht das Modell zu durchschnittlichen, stabilen Aussagen über das ökonomische Verhalten von Menschen zu kommen, um aus der Summe der individuellen Entscheidungen Aussagen über makroökonomische Aggregate, wie zum Beispiel die Konsumnachfrage, ableiten zu können.

2. Der Homo Oeconomicus – ein eigenwilliger
Charakter
Die Kritik an dem Verhaltensmodell des Homo Oeconomicus ist zum großen Teil in seinen restriktiven Annahmen begründet. Diese sind:
1. Eigeninteresse
2. Rationales Handeln
3. Maximierung des eigenen Nutzens
4. Reaktion auf Restriktionen
5. Feststehende Präferenzen
6. (Vollständige) Informationen
1. Ein Egoist, der sich am nächsten istSchon Adam Smith beschrieb in seinem 1776 erschienenen Buch „Der Wohlstand der Nationen“ das Selbstinteresse des Einzelnen als einen entscheidenden Treiber für gesellschaftlichen Wohlstand. „Es ist nicht die Güte der Metzger, der Brauer oder der Bäcker, dass wir unser Abendbrot erwarten, sondern deren Verfolgung ihrer eigenen
Interessen.“ Allerdings bedeutet dies nicht, dass der Homo Oeconomicus seine Mitmenschen mit Missgunst und Neid betrachtet, er ist ihnen gegenüber eher „neutral“. Der schottische Philosoph David Hume, ein enger Freund von Adam Smith, geht in seiner Moralphilosophie von der Annahme aus, dass jeder Mensch im Innersten ein soziales Wesen ist. Dabei kann sich der Homo Oeconomicus innerhalb eines Kollektivs durchaus anders verhalten als ein Robinson Crouse. Zum einen stehen innerhalb einer Gruppe andere Handlungsmöglichkeiten offen, zum anderen kann eine Gruppe auch die Selbsteinschätzung entscheidend verändern. Evolutionsforscher sehen in dem Übergang zu gemeinschaftlichen Lebensformen einen erfolgreichen Schritt, der die Überlebenschancen der Menschen insgesamt verbessert hat.2. Rationalität – handeln nach dem ökonomischen PrinzipUnter Rationalität wird eine ökonomische Zweckrationalität verstanden. Handlungen sind rational, wenn sie dem ökonomischen Prinzip genügen, d.h., dass die Erreichung vorgegebener Ziele mit minimalen Mitteleinsatz erfolgt, bzw., dass mit gegebenen Mitteln der größtmögliche Zielerreichungsgrad angestrebt wird. Diese beiden
Ausprägungen bezeichnet man als substantielle Rationalität. Während dieses Prinzip im Bereich der Produktion von Gütern, bei der sowohl Input als Output monetär bewertet werden können, praktikabel ist, führt die fehlende objektive Messbarkeit des Nutzens bzw. der Bedürfnisbefriedigung bei der Überprüfungen individueller Rationalität
zu erheblichen Problemen. Hierbei kann eigentlich nur auf die formale Rationalität, also die Art und Weise, wie ein Akteur Entscheidungen trifft, abgestellt werden. In diesem Sinne rational handelt ein Akteur, wenn er systematisch aus den ihm zur Verfügung stehenden und bekannten Handlungsalternativen auswählt. In diesem Sinne könnte sowohl der Mönch, der auf alles verzichtet, als auch der Verbrecher, der alles an sich reißt, innerhalb seines jeweiligen Wertesystems rein formal gesehen rational handeln.

3. Nutzenmaximierung – immun gegen FalsifizierungAllerdings ist das individuelle Wertesystem nicht direkt beobachtbar. Dadurch kann faktisch von jeder individuellen Handlung behauptet werden, dass sie nutzenmaximierend ist. So argumentiert zum Beispiel der Nobelpreisträger Gary S. Becker in der Einführung zu seinem Buch „The Economic Approach to Human Behavior“ , dass ein starker Raucher, der dadurch seine Lebenserwartung verkürzt, durchaus seinen Nutzen maximiert, da der Verlust an Lebensjahren wohl die Kosten der Aufgabe des Rauchens nicht aufwiegen würde. In seiner Theorie der Heirat argumentiert Becker, dass eine Person sich dann entscheidet zu heiraten, wenn der erwartete Nutzen der Heirat den Nutzen des Junggesellenlebens oder den erwarteten
Nutzen einer weiteren Suche nach einem adäquateren Partner übersteigt. Ähnlich erklärt er die Entscheidung für Kinder auf Basis des nutzenmaximierenden Kalküls.

Das Prinzip der Nutzenmaximierung ist auch die Basis des freiwilligen produktiven Tauschs und damit der gesellschaftlichen Kooperation. Rationale Individuen werden nur dann in ein Tauschgeschäft eintreten, wenn sich beide davon einen Vorteil versprechen, d.h., wenn auf Basis der jeweiligen Präferenzen der erwartete Nutzen die Kosten des Tauschs übersteigt. Da, wie gesagt, die Präferenzen und die Nutzenfunktion nicht beobachtbar sind, ist die Hypothese der Nutzenmaximierung zumindest ansatzweise tautologisch. Bei der Erklärung menschlichen Verhaltens wird versucht, dieses Problem durch die Annahme, dass Präferenzen langfristig stabil sind, zu umgehen.Zurück zu Teil 1Vorwärts zu Teil 3



Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen