Blogs / 2012 / Mai

Bedenken wir den Segen und den Fortschritt im letzten Jahrhundert - Plädoyer für eine freie und soziale Gesellschaft Nr. 17/35


Unternehmer handeln unklug und unwirtschaftlich, wenn sie ihre Leute schlecht behandeln. Winston Spencer Churchill brachte es auf den Punkt: „Manche halten den Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse; andere meinen, er sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken könne, nur wenige sehen in ihm ein Pferd, das den Karren zieht…“ Und wenn sich junge Menschen nach ihrem Studium für eine eigene Firma entscheiden, wird ihnen sehr schnell bewusst, dass ihre eigene individuelle Leistung gefordert ist und nur wenn sie sich marktwirtschaftlich verhalten, ihren Kunden Qualität bieten, besitzt ihre Firma eine Zukunft.Ihnen bleiben auch die Erfahrungen mit der staatlichen Bürokratie nicht erspart, dass sie nicht immer sinnvolle gesetzliche Auflagen einhalten müssen, dass Abgaben und Steuern zu erwirtschaften sind, ihnen häufig weniger Netto bleibt als erhofft. Eigentlich sollte der Zusammenbruch des Realsozialismus – schließlich waren anarchistische Denker nie vom Sieg und Segen des Kommunismus überzeugt – zur Auseinandersetzung mit den Ursachen des Scheiterns gerade bei den Libertären führen. Nur das war paradoxerweise nie der Fall.Die Beseitigung der kommunistischen Diktatur wurde begrüßt, aber das marxistisch geprägte Weltbild vom Kapitalismus, der ursächlich die Lebensgrundlagen der menschlichen Gesellschaft zerstört, blieb kritiklos und nie hinterfragt im Bewusstsein sowohl der Linken als auch überwiegend bei den Libertären erhalten. Das Kapital ist schuld am Elend der Welt, hinsichtlich bestimmter Machenschaften lässt sich da einiges anführen, nur hier dominiert auch ein falsches Weltbild, propagiert von den Linken, seit dem Zusammenbruch des Kommunismus habe das Elend in der Wellt zugenommen, gingen mehr Arbeitsplätze verloren, eine Vision die mit der Realität nicht übereinstimmt. So erhöhte sich die Zahl der Arbeitsplätze um 43 Millionen, 800 Millionen Menschen fan-den einen neuen Arbeitsplatz. Ein Land wie Ghana, versorgt mit westlicher Entwicklungshilfe, blieb so arm wie 1960, mit 500 Dollar pro Kopf Jahreseinkommen. In Südkorea mussten sich die Menschen 1960 mit einem jährlichen Einkommen von 500 Dollar begnügen, heute liegt die-ses bei 20 000 Dollar. Nicht nur in den hoch entwickelten Staaten, auch in den Entwicklungsländern stieg die Lebenserwartung und ist heute höher als vor 100 Jahren in England. Litten in den Entwicklungsländern 1970 noch 960 Millionen Menschen an Unterernährung, waren es 1996 790 Millionen. Während sich in Ost- und Südasien der prozentuale Anteil der Hungernden von 49 Prozent auf 13 Prozent reduzierte, in Lateinamerika von 19 auf 11 Prozent, verlief die Entwicklung in Afrika weniger günstig. Das Hauptproblem sind hier autoritäre und zentralistische Staaten, korrupte Regierungen, die den Markt als Funktion ausschalten, Handel und Wandel nicht zulassen. Für die Hungersnot in Simbabwe ist der sich bereichernde Diktator Mugabe ursächlich verantwortlich, nicht die rücksichtslos vertriebenen weißen Farmer und auch nicht, wie behauptet, die frühere Kolonialmacht Großbritannien.Verbreitet ist auch der erfolgreich vermarktete Glaube, die Völker des Westens seien die eigentlichen Schuldigen für die Probleme auf dem afrikanischen Kontinent. Dem ist aber nicht so, der afrikanische Intellektuelle Mocletsi Mbeki sieht die Schuld für die Misere des Kontinents nicht bei den früheren Kolonialmächten, sondern bei den einheimischen korrupten Eliten.Bedenken wir den Segen und den Fortschritt im letzten Jahrhundert, (Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernsehen, Autos, Computer, Videogeräte), dürfte es kaum Menschen geben, die darauf verzichten wollen. Pharmazeutische Konzerne nutzen es, mit dem staatlichen Segen weniger notwendige Medikamente zu vermarkten, aber sie haben wie auch die Medizintechnik wesentliche Beiträge für eine gesündere Bevölkerung und eine höhere Lebenserwartung geleistet. Die Menschen in Afrika, den Entwicklungsländern, den Industriestaaten, wollen und werden auf diese Fortschritte nicht verzichten. Trotzdem wird eine gewisse Technikfeindlichkeit gehegt und gepflegt. Insbesondere von denen, die nicht daran interessiert sind, dass es allen Menschen gleich gut oder gar besser gehen könnte. Gutes tun wollen die Sozialisten aller Couleur. Auch glauben sie zu wissen, was gut für die Menschen ist. Und da sie nur ihre Bilder einer von ihnen gewünschten Gesellschaft gelten lassen, versäumen sie eine differenzierte Analyse der soziologisch-wirtschaftlichen und technologischen Evolution im 20. und im 21. Jahr-hundert.Libertäre wie Rudolf Rocker oder auch Helmut Rüdiger stellten sich den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, suchten libertäre Ideen in einer veränderten Welt zu bewahren, zu entwickeln. Doch davon wollten viele nichts wissen und so geriet der Anarchismus in das Abseits der Geschichte. Günter Bartsch, ein Kenner der anarchistischen Szene, meinte: „die Anarchisten haben nichts gelernt und sind von der Geschichte abserviert worden…“ Das mag für bestimmte libertäre Gruppierungen gelten, nur das Grundanliegen nach einer selbstbestimmten Gesellschaft bleibt aktuell, und es könnte in den nächsten Jahren Bestrebungen geben, in denen sich Libertäre auf einen gemeinsamen Konsens verständigen.Soziale freiheitliche Projekte verdienen Aufmerksamkeit, vermitteln auch Initiativen für ein  gemeinschaftliches Handeln, nur begeistert sich dafür immer nur eine Handvoll von Gleichgesinnten. Doch wenn sich Menschen in Gemeinschaften verbinden und organisieren, verdient das immer die Unterstützung von allen Menschen, die unabhängig von den Herrschenden ihren eigenen Weg gehen wollen und sich für ihr eigenes Leben entscheiden. In den Industriestaaten finden sich bestimmte Alternativen für eine sogenannte Umsonstökonomie, damit lassen sich Träume von einem Geben und Nehmen ausleben, aber das bleibt in der Regel ein Anliegen kleiner Minderheiten. Wie sich Produkte und Dienstleistungen ohne ein Geld, das auch Zahlungs- und Rechenmittel ist, austauschen und bewerten lassen, bleibt bei allen Idealisten ein Rätsel, verschweigen sie doch, wie sich wirtschaftlich-soziale Transaktionen ohne ein brauchbares Tauschmittel vollziehen können. So wird von diesen Idealisten völlig verkannt, welche elementare Bedeutung „Geld“ für die Existenz der menschlichen Gesellschaft besitzt und dass es sich hier in Wahrheit um eine geniale Erfindung handelt. Das ist auch der Grund dafür, warum die Existenz einer jeden Nation gefährdet ist, es mit der Freiheit bergab geht, wenn das Geldwesen seine Funktionen nicht mehr erfüllt. In diesem Punkt befinden sich Kritiker der herrschenden Wirtschaftsordnung und Idealisten nicht auf der Höhe der Zeit. J.H. Mackay konstatierte: „Geld rollte durch die Hände der Menschen, und sie wussten kaum, was das war – Geld; unzählige Male an einem Tag tauschten sie ihre Arbeit ein und aus und hatten von dem wahren Wesen des Tausches keine Ahnung…“  Solange sich Geld in Bewegung befindet, es von Hand zu Hand wandert, richtet es keinen Schaden an. Es werden noch keine Alternativen wahrgenommen oder erkannt, womit Freiheitsfreunde den Staat und damit die Herrschenden wirksam konfrontieren und in Bedrängnis bringen. Dass der Staat als Vater, Beschützer, Retter vor der Not verstanden wird, gehört zur ideologischen Tradition, zum Weltbild der Linken. Aber auch einige Libertäre sind da recht staatsgläubig. Der gefährlichste Monopolist steht also außerhalb der Kritik, abgesehen von einigen Freiheitsfreunden, die sich dem kältesten Ungeheurer aller Zeiten nicht freiwillig anvertrauen. Schlimmer noch, Nischen können für idealistische Menschen befriedigend sein, nur sie behindern auch die Bündelung von Kräften, um dem Staat in seiner Aggressivität wirksam Paroli zu bieten. Freiheit und Autonomie ist nicht nur als ein Anliegen einer schwindenden Arbeiterschaft zu verstehen, sondern auch als das einer breiten Bevölkerungsschicht, wozu mittelständische Unternehmer mit ihren Mitarbeitern ebenso gehören wie Künstler, Schauspieler, Wissenschaftler, Techniker, Ingenieure, Ärzte usw.Staatliche Interventionen, wozu auch eine staatliche Zirkulationssphäre gehört, also die Wirtschaft belastende Monopole wie das Geld-Boden-Monopol, die Zwangsbesteuerung für machtpolitische Ziele, Militär, Rüstungsindustrie, hier finden wir die ursächlichen Hindernisse für eine freiheitlich-soziale Entwicklung der Gesellschaft.
Für die Realwirtschaft ist die derzeitige Schuldenkrise das Hauptproblem und dieses wurde nicht von einem freien Markt verursacht, sondern von den Regierungen und damit den Parteien, die Gutes tun wollen, aber die Menschen daran hindern, für sich selbst etwas Gutes zu tun. In erster Linie leben Politiker mit ihrer Schuldenwirtschaft und verantwortungslosen Geldpolitik über ihre Verhältnisse. Sie müssen nicht fürchten, mit dieser Realität konfrontiert zu werden, sie machen für die Staatsverschuldung, Geldentwertung, Inflation und Arbeitslosigkeit sogenannte Finanzkrisen verantwortlich. Ihnen hier Paroli zu bieten, wird durch eine blinde und besonders in Deutschland verbreitete Staatsgläubigkeit verhindert. Aber, es hat sich ein ideologisches Weltbild als Irrtum erwiesen, woran viele Linke und Rechte noch immer wider besseren Wissens glauben: freies Unternehmertum, Marktwirtschaft seien die Ursache für Not, Elend und Armut in der Welt. Irrtümer lassen sich verzeihen, Lügen, die aus ideologischen Gründen am Leben gehalten werden, nicht. Es gab Freiheitsfreunde, die nicht auf die Anerkennung der DDR setzten und sich ihren Glauben an die Freiheit und an den Sieg der Freiheit bewahrten. Freiheitliche Ökonomen waren und sind davon überzeugt, längerfristig ist jede staatliche Planwirtschaft zum Scheitern verurteilt. Der Untergang des Kommunismus überraschte sie nicht, nur sie hätten diesen früher erwartet. Es gab ja auch eine ebenso kostspielige wie törichte Politik, finanziert vom deutschen Steuerzahler, das Absterben des Kommunismus und auch die bankrotte Planwirtschaft der DDR mit einem Milliarden-Kredit hinauszuzögern.Freiheitsfreunde verbanden mit der Niederlage des Kommunismus Erwartungen, welche sich nicht erfüllten. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Tendenzen. Es erhöhte sich die Zahl der demokratischen Staaten, und es gibt weniger Kriege als in den Jahrzehnten zuvor. Demokratische Staaten führen keine Kriege gegeneinander, sie pflegen Konflikte anders zu lösen.

Es gab immer wieder Wirtschaftskrisen, Handelskrisen, Finanzkrisen, aber jeder neue Zyklus begann auf einem höheren Wohlstandsniveau. Rund zwei Jahrhunderte Wirtschaftswachstum haben den Lebensstandard generell weltweit erhöht und selbst massive Rezessionen führten nicht zur globalen Armut. Wirtschaftlich traf für die Demokratien eher zu, was B.R. Tucker so formulierte: „Kapitalismus ist wenigstens erträglich, was vom Sozialismus oder Kommunismus nicht gesagt werden kann.“http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/veroeffentlichung/uwe-timm-gegen-das-geschaeft-mit-dem-klimawandelhttp://www.espero-versand.net/index.htmBezugsmöglichkeit: espero-redaktion@web.de Zurück zu Teil 1Zurück zu Teil 16Vor zu Teil 18



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