Blogs / 2012 / Mai

Ein Lebensstandard, an den vor wenigen Jahren nicht zu denken war - Plädoyer für eine freie und soziale Gesellschaft Nr. 14/35


Die technologische Entwicklung, wie sie sich in den Industriestaaten im 19. und 20. Jahrhundert vollzog, löste bei vielen Menschen immer wieder Ängste aus. Und die Furcht vor einem technischen Fortschritt wurde von den Ideologen verschiedenster Couleur genutzt, um politische Interessen und Zielsetzungen durchzusetzen. Als vor 175 Jahren in Deutschland die erste Eisenbahn fuhr, prophezeiten Ärzte Schlimmes: Bahnfahrer bekämen wegen des Fahrtwindes eine Lungenentzündung und im Zug holen sie sich gefährliche Krankheiten. Wenn wir heute daran erinnern, lässt sich darüber lächeln, aber solche Thesen wurden einstmals geglaubt. Ohne Zweifel stiegen mit der industriellen Revolution auch die gesamte atmosphärische Masse von Kohlendioxid nicht unbeträchtlich und damit auch die Befürchtung, dies beeinträchtige und schädige unser Klima. Thesen in dieser Richtung wurden schon vor Jahrzehnten vertreten, nur ob sich dieses Angstszenarium als zutreffend erweisen wird, daran bestehen berechtigte Zweifel.Für eine gesündere Luft, sauberes Wasser, eine ökologische Landwirtschaft und insbesondere für die Entwicklung und die Nutzung alternativer Technologien für die Energieerzeugung, erwies sich die eigentumsbasierte Marktwirtschaft als umweltfreundlicher als jede Art von staatlicher Planwirtschaft. Wir sollten nicht einem traditionellen Irrtum, der von den Linken gehegt und gepflegt wird, unterliegen, marktwirtschaftliche Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe, produzierten was sie wollen, seien nur am Profit interessiert. Denn genau das stimmt nicht, sie bieten Produkte und Dienstleistungen an, die vom Markt und damit von den Konsumenten verlangt werden. Wer am Markt einen dauerhaften Erfolg haben will, muss seinen Kunden dienlich sein, sehr überlegt planen, was und wie er produziert. Es spricht gar nichts dagegen, wenn sich Menschen zusammenschließen, Genossenschaften und Vereinigungen gründen, um in ihrem Sinne ökologischer zu leben und zu arbeiten, anders zu wirtschaften. Nur diese Menschen müssen sich damit abfinden, dass der Markt umweltfreundliche und ökologische Alternativen bietet und damit befinden sich soziale Vereinigungen im Wettbewerb. Erweisen sich genossenschaftliche Betriebe effizienter als privatwirtschaftliche Unternehmen, sprechen sie mit ihren Strukturen und Zielsetzungen außen stehende Arbeitnehmer an, können sie diese vielleicht für einen freiwilligen Beitritt überzeugen und gewinnen. Es gibt heute schon Genossenschaften, aber auch sie müssen Gewinne einfahren, können sich Verluste nicht leisten, nur wie sie mit ihren Gewinnen und ihren Mitarbeitern umgehen, da könnten sie sich wesentlich von anderen Unternehmen unterscheiden.Hier besitzt auch die Sichtweite von Rudolf Rocker ihre bleibende Bedeutung, wonach die Wirtschaft die Grundlage für eine höhere menschliche Kultur bietet. Nach der Verelendungstheorie von Karl Marx führte der Kapitalismus zwingend zur Verarmung der Arbeiter. Nur der Markt tat ihm diesen Gefallen nicht, in Wahrheit ist die Zahl der Besitzenden beträchtlich gestiegen, nicht gesunken. Dass die Reichen reicher, die Armen ärmer werden, ist zwar eine bei den Linken beliebte These, nur die Realität ist hier hinsichtlich der Fakten viel differenzierter, und da wird gerne übersehen: die Lebens- und Eigentumsverhältnisse haben sich auch für die arbeitende Bevölkerung grundlegend verändert. Die Zahl der Superreichen hat sich erhöht, aber auch die Armen wurden reicher. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Wer konnte sich im Jahre 1962 in Deutschland eine größere Wohnung, einen PKW leisten? Wer konnte an eine größere Urlaubsreise, gar an eine Kreuzfahrt denken? Ohne Zweifel leben noch Völker in Armut, besonders in Afrika – mit Ausnahme von fünf nordafrikanischen Ländern. Auch die Ostdeutschen leben heute entschieden besser als vor der Wiedervereinigung. Dass sich auch die Luft in Bitterfeld wieder ohne gesundheitliche Schäden atmen lässt, dürfte wohl niemand bestreiten.Wie sich das Geldvermögen verteilt, lässt sich ohne Zweifel kritisch betrachten, aber vor zehn Jahren befand sich fast das gesamte Geldvermögen in den reichen Industriestaaten und es war 135 Mal so groß wie in den ärmeren Staaten. Heute ist das Geldvermögen nur noch 45 Mal so groß und das schlicht deshalb, weil sich auch in den Schwellenländern neue und immer noch wachsende Mittelschichten bildeten. Breitere Bevölkerungsschichten besitzen einen Lebensstandard, an den vor wenigen Jahren nicht einmal zu denken war. In der Bundesrepublik besitzen die mittelständischen Unternehmen einen großen Anteil am Wohlstand der Bevölkerung. Unternehmer und Arbeitnehmer arbeiten in ihren Produktionen sowie Professionen für einen immer effizienteren Umweltschutz. Es wird immer noch übersehen, dass der deutsche Mittelstand aus 3,4 Millionen Unternehmen besteht. Diese bieten rund 70 Prozent der Arbeitsplätze an. Es dürfte da etwas schwierig sein, einem Techniker oder Handwerker verständlich zu machen, er müsse erst den  Kapitalismus überwinden, bevor sein Wissen und Können für eine umweltfreundlichere Gesellschaft Verwendung findet. Das können Landwirte mit ihrem biologischen Anbau von Getreide, Gemüse und Obst nicht verstehen, auch nicht der Solaranlagen montierende Monteur. Es gibt auch schon Landwirte, die auf ihren Feldern mit Solaranlagen Strom ernten, damit Haushalte versorgen, auch wenn sie noch Getreide anbauen. Schon gar nicht können Wissenschaftler und Ingenieure, wenn sie in ihren Forschungen und Innovationen außerordentliche Beiträge für den Umweltschutz leisten, verstehen, wieso sie an ihrer Arbeit der Kapitalismus behindern sollte. Arbeit und Kapital sind keine Gegensätze, sie bedingen einander. Solar-Genossenschaften pachten öffentliche Gebäude, Turnhallen, Schulen, bauen darauf Photovoltaik-Anlagen und dies zum Nutzen der Eigentümer. Die Nutzung der Windkraft und des Solarstroms bietet gerade den mittelständischen Unternehmen Zukunftsperspektiven. Nicht die Ideologen, vielmehr die Ingenieure, Techniker und Handwerker besitzen mit ihrem Wissen und Können in diesen Betrieben gute Karrierechancen. Sie identifizieren sich mit ihrer täglichen Arbeit, fühlen sich nicht fremdbestimmt. Traditionelle ideologische Weltbilder stimmen nicht mit der Realität überein. Dessen wurde sich Rudolf Rocker bewusst, er empfahl daher von der „Monopolisierung des Kapitals“ zu sprechen und gelangte zu dem Fazit: „Jedes Haus, das gebaut wird, jede Verbesserung der Transport- und Verkehrsmittel, nicht zu reden von den zahllosen Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens, repräsentieren ein angelegtes Kapital, das der Gesellschaft zu Nutzen kommt und ihre Existenzbedingungen fördert…“  Rocker greift in seinem Versuch einer klareren Definierung noch zu kurz. Ein Tenor besitzt in seiner Stimme sein Kapital, das er für sich verwertet, erfreut mit seinem Gesang sein Publikum und dieses ist bereit, seine künstlerische Leistung zu honorieren. Da wird auch ein Popstar ins Mikrofon hauchen: „I love you“ und dieses vielleicht auch ehrlich meinen, gegenüber seinem Publikum, das es sogar noch genießt, abkassiert und gemolken zu werden. Sportler, besonders Fußballspieler, sind häufig Millionäre, darüber mag man sich ärgern, nur auch sie nutzen ihr Kapital, ihr Können etwa auf dem Fußballplatz, ernten den Dank ihrer Fans, die sie mit ihrem Spiel erfreuen. Unerfreulich, wenn man daran bedenkt, wie häufig sogenannte Stars sehr reich werden, auch ohne ein jahrelanges Studium oder eine schwierige Ausbildung. Dieter Bohlen, Musikproduzent, besitzt in Tötensen (Niedersachsen) eine Villa, dürfte sehr vermögend sein, doch das wurde er nicht durch Raub und Ausbeutung, sondern durch seine Fans. Und Bohlen unterscheidet sich, wie auch prominente Fernsehmoderatoren, von anderen Sängern mit einfachen Songs durch Kreativität und Leistung. Wissenschaftler, Ärzte, Ingenieure, Techniker, Handwerker etc. besitzen in ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten, ihr Kapital und setzen dieses Kapital ein zum Wohle der Gesellschaft. Nur um diese Professionen auszuüben, dazu gehört eine Berufsausbildung, oft ein langes Studium, und das macht sich eben nicht so bezahlt wie eine oft banale Tätigkeit im Showgeschäft. Maßgebend bei den beruflichen Erfolgen ist häufig auch nicht die Qualifikation, ein gutes Examen, eine fundierte Ausbildung, es ist vielmehr überwiegend die soziale und emotionale Kompetenz. Das ist etwas, was nicht ausreichend bzw. gar nicht an unseren Schulen vermittelt wird.http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/veroeffentlichung/uwe-timm-gegen-das-geschaeft-mit-dem-klimawandelhttp://www.espero-versand.net/index.htmBezugsmöglichkeit: espero-redaktion@web.de Zurück zu Teil 1Zurück zu Teil 13Vor zu Teil 15



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