Blogs / 2012 / Mai

Pro-Atom-Argumentation der Umweltverbände - Plädoyer für eine freie und soziale Gesellschaft Nr. 5/35


Die „Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammen-arbeit“ (OECD) gelangte in ihrem Weltenergiebericht zu dem Ergebnis, mit den derzeitigen Energiesparprogrammen lassen sich die Klima-schutzziele nicht erreichen. Ohne Öl und Kohle geht in den nächsten 25 Jahren nichts. Eine Tatsache, an der sich Umweltschützer vorbeimogeln und sich der Realität verweigern. Von 40 Millionen Haushalten beziehen in Deutschland ca. 2,6 Millionen Haushalte Öko-Strom. Nur die Anbieter dieses Stroms verlassen sich überwiegend auf Stromquellen im Ausland. So nutzen sie die Wasserkraftwerke in Norwegen und Österreich. Es wird auch schon die Windkraft in Deutschland zur Stromerzeug genutzt, aber eher spärlich. Anbieter wie Naturstrom, Naturwatt und der RWE- Konzern verlassen sich mehr auf Wasserkraft (um 70 bis 80 Prozent). Die Verfechter der Kernenergie besitzen also Argumente für ihre Forderung nach einer Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke, und wenn die Kernkraftgegner auch die Nutzung von neuen effizienteren konventionellen Kraftwerken ablehnen, obwohl diese umweltfreundlich sind, wesentlich ungefährlicher als AKWs, müssten sie in der Konsequenz Deutschland als Industrienation abschaffen.

Pro-Atom-Argumentation der Umweltverbände

Ungewollt sorgten die Umweltverbände selbst für eine gewisse Pro-Atom-Argumentation, halten sie doch eine drohende Erderwärmung für die größte globale Gefahr der Menschheitsgeschichte. „Nein, danke“ besitzt für die Umweltverbände und die Grünen den Charakter eines religiösen Dogmas. Der Tschernobyl-Schock löste berechtigt nachhaltige Ängste aus, aber gegenwärtig sind noch, Ausnahme Deutschland, Mehrheiten der Bevölkerung sowohl in den europäischen als auch in den asiatischen Staaten davon überzeugt, dass Kernkraftwerke für eine Hochtechnologie beherrschbar und daher sicher sind. Hier dürfte das Reaktor-Unglück von Fukushima sicherlich einen weltweiten Schock auslösen und es gibt Regierungen, wie in Deutschland und Österreich, die sich nicht mehr für eine Nutzung der Kernenergie aussprechen und ihren Bürgern keine Risiken zumuten wollen, die sich aus ihrer Sichtweite offenbar nicht beherrschen lassen. Doch weltweit gibt es derzeit 437 Kernkraftwerke, und hier dürften zunächst erhöhte Sicherheitsstandards zum Tragen kommen, nicht aber ein Atomausstieg wie in Deutschland.

In der Frage der technischen Sicherheit lässt sich das Kernkraftwerk Tschernobyl nicht mit dem japanischen Kernkraft von Fukushima vergleichen, denn bei Tschernobyl handelte es sich, meist von den Grünen und Umweltschützern verschwiegen, um ein Plutoniumkraftwerk mit Graphitlagerung zur Erzeugung von Materialien auch für Atombomben. Der im Kraftwerk befindliche Graphit brannte noch tagelang und löste Wolken aus, die sich in einer größeren Höhe weit verbreiten konnten. Im Umkreis von Tschernobyl wurden Menschen radioaktiv verstrahlt, wurden besonders Kinder geschädigt, erlitten Krebserkrankungen, was alles schlimm genug ist. Aber gemessen allein an den Verkehrstoten, den Todesfällen bedingt durch zivilisatorische Krankheiten, hatten die Bevölkerungen keine Toten durch die Existenz der Kernkraftwerke zu beklagen.

Eine Gefährdung der Bevölkerung bestand nicht

Es gibt keine absolute Sicherheit und wenn uns Fukushima auch vor Augen führt, dass ein GAU durchaus möglich ist, den man früher nicht für möglich hielt, müssen sich die Befürworter der Nutzung der Kernenergie einer berechtigten Kritik stellen. Tatsache bleibt aber auch, es gibt weltweit 437 Kernkraftwerke, weitere 52 sind geplant oder im Bau. Und es gab auch in den betriebsbereiten AKWs Störfälle, aber radioaktive Auswirkungen oder gar eine Gefährdung der Bevölkerung bestand offensichtlich nicht. In Europa wurde in sechs Ländern der Bau von neuen Kernkraftwerken genehmigt. Es besitzt die Nutzung der Kernenergie in China, in Russland, in der Ukraine und in den USA immer noch eine Priorität. Selbst ein Land wie Polen plant den Bau eines Kernkraftwerks. Ob die Regierungen dieser Staaten nach dem Super-GAU in Japan, dem Reaktorunglück von Fukushima, ihre Atompolitik überdenken und sich bei der Stromerzeugung konventionellen Kraftwerken und der verstärkten Nutzung von alternativen Technologien zuwenden, bleibt abzuwarten. Zumindest besitzt der Bau von neuen AKWs für die Zukunft eine kritische Seite. Radioaktiv verseuchte Luft bedeutet eine Gefahr für das Leben und die Gesundheit aller Menschen. Und da hilft es auch wenig, wenn sich die Menschen vom Explosionsort einige hundert Kilometer entfernt befinden. Windrichtungen spielen eine Rolle und  Wolken finden nicht immer wie gehofft ihren Weg über den Pazifik, sondern wandern landeinwärts.

In einem wesentlichen Punkt war die brisante Situation in Tschernobyl anders als beim Kernkraftwerk Fukushima. Dass beim Unglück von Tschernobyl große Mengen von radioaktiven Stoffen ins Freie gelangten, war deshalb möglich, weil das in diesem Reaktor befindliche Graphit tagelang brannte. Mit der aufsteigenden Luft konnten die radioaktiven Stoffe sich ständig ausbreiten. Bei den in Japan verwendeten Reaktoren wurde kein Graphit verwendet, und daher war dort ein derartiger Brand nicht möglich.

Außerhalb ihrer Vorstellungskraft

Trotz der beständigen Erdbebengefahr setzte das rohstoffarme Japan bei der Energiegewinnung auf die Kernkraft. Rund ein Drittel des Strombedarfs stammt aus den mehr als 50 Atomkraftwerken. Im Raum Tokio-Yokohama befindet sich eine dicht besiedelte Region, und damit wurde die Gesamtsituation noch verschlimmert. Dass die japanische Bevölkerung trotz einem Erdbeben, vergleichbar nur mit einem Erbeben vor 140 Jahren, dem Verlust von mehr als 10000 Menschen, 300000 Obdachlosen, ungeheueren Verwüstungen, dem Super-Gau von Atommeilern, eine gewisse erstaunliche Gelassenheit bewahrte, dürfte mit ihrer gewachsenen historischen Erfahrung zusammen hängen. Schon die japanischen Kinder wissen, lernen sich darauf einzustellen, dass die Erde wackeln kann. Dass es zu einem Reaktor-Unglück kommen konnte, darauf war die japanische Bevölkerung nicht vorbereitet. Die Menschen in Tokio fühlten sich bis dahin in Sicherheit. Die Konstrukteure waren nicht davon ausgegangen, dass ein Kernkraftwerk von einer vierzehn Meter hohen Flutwelle getroffen wird. Ein derartiges Szenarium lag außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Doch nicht völlig. Das japanische Atomkraftwerk Onagava, nur 120 Kilometer vom Atomkraftwerk Fukushima entfernt, überstand den Tsunami ohne jeden Schaden. Man hatte beim Bau mit einer Flutwelle von neun Metern gerechnet, aber das Kraftwerk vorsichtshalber auf einen 15 Meter hohen Sockel errichtet. Das sollte sich jetzt für die Betreibergesellschaft Tohoku Electric Power Company auszahlen. Nicht jedes Kraftwerk, abgesehen noch von unterschiedlichen Reaktortypen, ist gleich Fukushima, wie es vornehmlich in den deutschen Medien behauptet wurde.

Geschürte Ängste wurden instrumentalisiert

Dass die Explosion im japanischen Kernkraftwerk Fukushima weltweit Angst und Schrecken auslöste, ist zwar verständlich, aber die Reaktionen bei der deutschen Bevölkerung sind eher als hysterisch zu bezeichnen, bestand doch für sie kein Zustand der Gefährdung durch einen Reaktor-Unfall. Geschürte Ängste wurden instrumentalisiert, wobei den verantwortlichen Politikern auch weniger das Schicksal japanischer Bürger am Herzen lag, ihr Blick richtete sich auf anstehende Landtags-wahlen. Dass in Deutschland ein ähnliches Erdbeben mit 9,0 auf der Richterskala bevorsteht, ist äußerst unwahrscheinlich und dürfte der Grund dafür sein, dass die Menschen in den Nachbarländern Deutschlands wohl besorgt, aber auf die Ereignisse in Japan nicht hysterisch reagieren. Japan besitzt keine Rohstoffe, schon deshalb wird es keinen Ausstieg aus der Atomkraft geben. Aber Japan wird in Zukunft Erd-wärme nutzen. Die ist reichlich vorhanden, um einen Segen der Natur für die Erzeugung von Strom zu nutzen. Erdwärme könnte in Japan zukünftig die Atomenergie für die Stromerzeugung ersetzen. Experten schätzen, Japan könne mit geothermischen Kraftwerken 15-20 Kernkraftwerke ersetzen. In den USA wird der Strombedarf einer Stadt wie San Francisco schon weitgehend in einem Erdwärmekraftwerk produziert.http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/veroeffentlichung/uwe-timm-gegen-das-geschaeft-mit-dem-klimawandelhttp://www.espero-versand.net/index.htmBezugsmöglichkeit: espero-redaktion@web.de Zurück zu Teil 1Zurückzu Teil 4Vor zu Teil 6



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