Jeder Mensch ist für sich und sein Handeln verantwortlich - Plädoyer für eine freie und soziale Gesellschaft Nr. 28/35


Solidarität mit denen, die noch im Dunkeln sind, nicht mit jenen im Lichte, war und bleibt immer ein Grundanliegen von Freiheitsfreunden, und sie sind davon überzeugt, Menschen werden sich die gegenseitige Hilfe im Sinne von Kropotkin leisten. Es gibt überdies Belege dafür: Menschen helfen Menschen in Not, spenden für jene, die Hilfe benötigen. Dazu gehört nicht einmal eine aufwendige Bürokratie. Das Wort Solidarität ist ein beliebtes Wort und noch mehr die Überzeugung, Solidarität muss per Gesetz verordnet werden, damit Menschen, die arm sind, nicht verhungern, nicht erfrieren, weil sie sich selbst nicht helfen können. Dass Institutionen erforderlich sind, an die sich Menschen in Not wenden, wo sie Hilfe finden, dürfte unbestreitbar sein. Es gab sie auch immer, auch unabhängig vom Sozialstaat, der sich als Wohlfahrtsstaat versteht. Dass Menschen bereit sind, Menschen zu helfen, die un-verschuldet in Not geraten sind, lässt sich an vielen Beispielen belegen. Alleinstehende Frauen besitzen heute, neben den Langzeitarbeitslosen, das größte Armutsrisiko. Von der Allgemeinheit oder der Gesellschaft wurde dieses Risiko nicht geschaffen, Ursachen liegen im Zerfall der klassischen Familie. Jeder Mensch ist auch für sich und sein Handeln verantwortlich, auch gegenüber seinen Kindern. Hier macht es der Sozialstaat den Müttern und Vätern zu leicht, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Hilfe denen, denen Hilfe gebührt – dieses Prinzip wird hier verletzt.Eine von Otto von Bismarck eingeführte Sozialgesetzgebung wird als Meilenstein in der Sozialgeschichte gefeiert, aber abgesehen davon, dass nur die Invaliden und Alten zunächst einen kleinen Nutzen besaßen, gehörte diese Sozialgesetzgebung zur Strategie der Herrschenden. Man wollte die Bindung der Arbeiterklasse an den Staat, und man wollte allen Bestrebungen zuvorkommen, die die bestehende Monarchie gefährdeten. Nur so und auch mit der Unterstützung der Sozialdemokratie unter August Bebel war eine deutsche Aufrüstung und Militarisierung möglich. Kaiser Wilhelm konnte sich brüsten: Ich kenne keine Klassen mehr, sondern nur noch Deutsche. Die Absichten von Otto von Bismarck waren nicht so edel, wie es uns immer vermittelt wird: „Mein Gedanke war, die arbeitenden Massen zu gewinnen oder soll ich sagen zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte.“Um die Jahrhundertwende 1890 bis 1914 bildeten sich Arbeitervereine, Genossenschaften, Hilfsvereine, deren Aufgabe auch darin bestand, sich um Menschen in Not und im Alter tatkräftig zu kümmern. Dass sich bürgerliche Institutionen, auch die Kirche, der Nächstenliebe verpflichtet fühlten, versteht sich am Rande. In Hamburg z.B. blieben die Krameramtsstuben erhalten. Hier wurden seit 1676 die Witwen der Zunft versorgt.Es gab für mich wichtige Gründe, mich nicht für die Interessen einer Partei vereinnahmen zu lassen. Das wurde und wird nicht immer verstanden. Man kann sich für den ADAC eine andere und nicht hierarchische Struktur wünschen, wie sie auch möglich und denkbar wäre, aber der ADAC hat über 17 Millionen freiwillige Mitglieder. Diese Mitglieder nehmen eine Solidargemeinschaft in Anspruch. Wir selbst waren zweimal auf einen „gelben Engel“ angewiesen und waren über eine geleistete Hilfe froh. Auch eine Auslandskrankenversicherung mussten wir in Anspruch nehmen, und die Kosten wurden umgehend unbürokratisch erstattet. Die Mitglieder beim ADAC kommen aus allen Schichten der Bevölkerung, und ihnen werden Leistungen geboten, wie es bei anderen freiwilligen Vereinigungen auch der Fall ist. Und daher kann niemand behaupten, nur betuchte Leute könnten sich beim ADAC eine Mitgliedschaft leisten. Man könnte einwenden, dem ADAC seien niedrige Beiträge für oftmals beträchtliche Leistungen nur möglich, weil viele Mitglieder keine Leistungen in Anspruch nehmen. Das ist bei anderen Versicherungen genauso der Fall. Eine Spende für „Ärzte ohne Grenzen“ ist auch eine freiwillige Entscheidung, und Mitglieder wie Spender gehen davon aus, sie helfen Menschen in Not. Gustav Landauer, der auf Bünde der Freiwilligkeit setzte, hätte solche Entwicklungen sicher sorgfältig beobachtet, um daraus Schlüsse für Genossenschaften zu ziehen, in denen sich Menschen für gemeinsame Ziele und für ein gemeinsames Anliegen eigenverantwortlich vereinigen. In Deutschland konnten die Gewerkschaften viele Ziele erreichen, dank auch der industriellen Entwicklung: kürzere Arbeitszeiten, lange Urlaubszeiten. Warum definieren sie sich nicht als soziale Vereinigungen, praktizieren selbst das, was sie immer nur vom Staat fordern?http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/veroeffentlichung/uwe-timm-gegen-das-geschaeft-mit-dem-klimawandelhttp://www.espero-versand.net/index.htmBezugsmöglichkeit: espero-redaktion@web.de Zurück zu Teil 1Zurück zu Teil 27Vor zu Teil 29



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