Leben Mittelstand und Börse in Paralleluniversen?


Auf Markt und Mittelstand beschrieb Stefanie Senfter vor einem knappen Jahr "den Mittelstand" und "die Börse" als parallele Universen, die miteinander nichts zu tun haben. Sie hat nicht unrecht. Mittelstand und Börse haben miteinander so viel zu tun wie Freiheit und Demokratie. Sie kommen viel häufiger gemeinsam vor als ohne einander, und sie haben aufeinander vielerlei Einflüsse, aber: Sie sind nicht "dasselbe". Jeder gut tut daran, getrennte Phänomene, Prozesse, Lebenswirklichkeiten auch getrennt wahrzunehmen und Zusammenhänge erst anschließend zu analysieren. 

„Es ist die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg und es hätte die schwerste Krise nach dem Ersten Weltkrieg werden können.“ skandalisierte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und fast alle anderen politischen Würdenträger damals wie auch heute.

Die Nullzinspolitik der FED stabilisiert zwar den amerikanischen und damit den weltweiten Aktienmarkt, aber sorgt dadurch auch für die Verlängerung des Leidens, dass durch staatliche Verschuldungsorgien ausgelöst wurde. Die mediale Öffentlichkeit bibbert und zuckt zusammen, wenn das Wort „Krise“ fällt. Die Gurus der Katastrophenleser und Vermögenssicherer feiern Konjunktur.

Der Mittelstand als Ganzes bleibt von all dem weitgehend unbeeindruckt. Er hat schon in den letzten 100 Jahren Kriege, Krisen , Währungszusammenbrüche, Revolutionen und Staatswechsel überlebt. Das wird auch diesmal so sein. Er ist entgegen der öffentlichen Erwartung ganz gut durch die Krise 2008/2009 gekommen. Das muss aber nicht so bleiben. 

Denn, auch da hat Stefanie Senfter recht, Mittelstand und Börse leben doch nicht in Parallelwelten. Die Finanzkrise hat ihren Ursprung in Krisen der Staatsfinanzen und sie fördert selbst weitere Staatskrisen. Das betrifft nicht nur die Volkswirtschaften, sondern auch die Politik: In neun europäischen Ländern haben in den letzten Jahren im Zuge der Krisenbewältigung Regierungen ihr Mandat verloren. 

Unkritisch wird öffentlich weiterhin planwirtschaftliches Denken als Lösung für Probleme propagiert, deren letzte Ursache schon planwirtschaftliches Denken war. Nicht der Mangel an "allgemeiner" Regulierung, sondern der Mangel an unternehmerischen Kräften kostet uns im Pulverfass des Zeitgeistes die Freiheit. Die politisch akzeptierten Think Tanks nehmen sich aus den Entwicklungen der Welt, wie dem chinesischen Aufschwung, nur das was sie brauchen. Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing, galt nicht nur für die Minnesänger im Mittelalter, sondern auch für staatlich finanzierte Forschungsinstitute im 21. Jahrhundert.  Freie Querdenker kommen im Meinungslärm kaum vor. Sie werden nur von Insidern und in Kommunikationsnischen gehört. Ihr Einfluss bleibt gering.

Niemand sollte sich täuschen: Eine Regierung, die mit einem Federstrich Energiewenden der Größenordnung wie in Deutschland propagiert und die zum Beispiel Kneipern verbietet, selbst zu entscheiden, ob sie ihre Gäste rauchen lassen, hat das viel beschworene "Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft" lange errungen. 

Der Mittelstand im Deutschland 3.0 tut gut daran, scharf zu beobachten, auf rasche Änderungen nicht nur der Märkte sondern auch der politischen Absichten und Regelungen vorbereitet zu sein. Es lohnt auf jeden Fall, in verschiedenen Szenarien zu denken. A.T. Kearney unterscheidet folgende vier Szenarien: 

Da gibt es das optimistische Top-Gear-Szenario, das davon ausgeht, dass die Euro- und Finanzkrise insgesamt glimpflich verläuft und sich das Wachstum kontinuierlich entwickelt. Es gibt das Control-Alt-Delete-Szenario, bei dem zunächst einmal in den nächsten Monaten der tiefe Fall kommt, aber dann ein ebenso steiler Aufstieg entsteht. Bei einem sogenannten Flatline-Szenario wird nach einem Rückgang ähnlich wie jetzt in Japan für  viele Jahre mit einem Nullwachstum zu leben sein. Zuletzt das sogenannte Terminus-Szenario, bei dem es einen länger anhaltenden Konjunkturcrash gibt. "Ich glaube man muss in allen vier Szenarien denken und sich darauf  vorbereiten." sagt Dr. Martin Sonnenschein von A.T. Kearney.



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