Die Schweigespirale dreht und dreht


Elisabeth Noelle-Neumann vom Allensbacher Institut für Demoskopie erfand den Begriff der "Schweigespirale" und schrieb dazu ein Buch, das man bei Amazon noch kaufen kann. An sie erinnerte Hans-Olaf Henkel in einem aktuellen Handelsblatt-Kommentar.

Das Dilemma ist dabei folgendes: Wenn die Vertreter einer Mehrheitsmeinung nur offensiv genug vorgehen, verlieren immer mehr andere den Mut, eine davon abweichende Meinung zu vertreten. Denn die meisten Menschen wollen nicht als Außenseiter gebrandmarkt und sozial isoliert werden. Das ist ja auch ein durchaus vernünftiges Verhalten.

Interessant ist dabei, dass es genügt, das durch Mediendruck eine Meinung zur vermeintlichen Mehrheitsmeinung wird. Das also ein Thema oder eine Haltung zu diesem Thema, dass den Leuten möglicherweise egal war oder zu dem sie eine Reihe verschiedener Meinungen hatten, plötzlich als "klar" im Sinne der Mehrheitsmeinung dargestellt wird. Und zwar mit der Folge, dass alle anderen verstummen.

Genau diese Schweigespirale wirkt auch unter den Kritikern der Europolitik, wie Henkel beobachtet hat: "Zwar kritisieren Wirtschaftsjournalisten immer öfter die Rettungsaktionen der Bundesregierung, und die Gruppe der Kritik übenden Ökonomen wird auch immer größer, aber am Einheitseuro halten sie in unverbrüchlicher Treue fest." schreibt er. Die Angst, sich zu isolieren, ist Bestandteil aller Prozesse öffentlicher Meinung.

Das gilt besonders für deutsche Chefredakteure, Ökonomen und Bundestagsabgeordnete, meint Henkel. Denn wer in Deutschland den Euro in Frage stellt, isoliert sich sofort. Deshalb brechen zwar immer öfter Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten bei Diagnose und Prognose aus der Schweigespirale aus. Aber beim Verschreiben echter alternativer Therapien bleiben sie ihr treu. "Diejenigen, die vor seiner Einführung vor dem Euro warnten, sind auch heute noch dagegen. Kein Wunder, können sie sich doch durch den Lauf der Dinge voll bestätigt fühlen. Ihnen gebührt uneingeschränkter Respekt; sie wurden damals durch die Schweigespirale isoliert, verunglimpft und lächerlich gemacht." schreibt Henkel.

Wegen des "Gesetzes der Schweigespirale" ist es viel leichter, einen Fehler immer wieder aufs Neue zu begehen, als ihn zuzugeben um den Schaden zu begrenzen. David Marsh erinnerte vor wenigen Tagen im Handelsblatt an Hans-Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Henkel ist sich sicher: "Wenn der Euro auch mal bei uns von der Mehrheit für nackt erklärt wird, da bin ich mir sicher, wollen es alle immer schon gewusst haben."



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