Die Würstchenbude und die Krise



Vor einiger Zeit bin ich auf folgende Geschichte gestoßen, die ein schönes Beispiel für die heutige Zeit ist:

"Ein Mann wohnte an einer belebten Straße und verkaufte vor seinem Haus Würstchen. Er war schwerhörig, weshalb er sich kein Radio oder Fernsehgerät anschaffte. Da er Schwierigkeiten mit seinen Augen hatte, abonnierte er auch keine Tageszeitung. Aber er verkaufte gute Würstchen. Um bekannt zu machen, wie gut sie waren, stellte er in der Hauptstraße ein Reklameschild auf.
So stand er also zuverlässig Tag für Tag am Straßenrand und rief: "Kaufen Sie heiße Würstchen. Prima heiße Würstchen!" Und die Leute kauften.

Er musste seine Wurst- und Brotbestellungen erhöhen, ebenfalls beschaffte er sich einen größeren Ofen, um so etwas für die Entwicklung seines Geschäftes zu tun. Damit er ihm helfe, holte er seinen Sohn heim von der Universität.

Aber dann geschah etwas.

Sein Sohn sagte eines Tages: "Vater, hast Du nicht Radio gehört? Wir haben eine riesige Wirtschaftsflaute und die internationale Situation ist schlimm, sogar bei uns sieht es schlecht aus."
Hierauf dachte der Vater bei sich: "Mein Sohn war auf der Uni. Er hört Radio, sieht Fernsehen und liest die Zeitung, da sollte er eigentlich die Lage richtig einschätzen können."

Deshalb verringerte der Vater die Qualität seiner Würstchen, kam den Leuten bei der Erfüllung ihrer Sonderwünsche nicht mehr so entgegen wie früher, seine Reklameschilder nahm er mit nach Hause und machte sich weiter keine Gedanken mehr darum an der Straße zu stehen und Würstchen zu verkaufen.

Sein Würstchenumsatz fiel gleichsam über Nacht.

"Du hattest recht", sagte der Vater zu seinem Jungen. "Wir sind wirklich mitten in einer riesigen Flaute."
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Bild: Bergbau-Grill, Bochum 2009,Wikipedia, Rainer Halama, Creative Comm. CC-BY-SA-2.5



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