Freiheit die ich meine


Hinführung zu Texten von Ernst Winkler und Otto Lautenbach zum Thema Soziale Marktwirtschaft

Auszüge aus „Magna Charta der sozialen Marktwirtschaft“, 1951, mit „Thesen für ein Grundgesetz der Wirtschaft“ und Pressestimmen „Das Programm der Freiheit“,1952, mit  „Thesen für ein Grundgesetz der Wirtschaftsordnung“, Telegramm von Ludwig Erhard, Schlußwort von Otto Lautenbach

Was hier zu lesen ist, wird auf dem Hintergrund mitgeteilt, daß ich, der Schreibakteur, den Eindruck habe, daß die eine Hälfte der politischen Vertretung unseres Landes nicht weiß, wie die selbstverursachte Schulden- und Eurokrise zu beheben ist und die andere Hälfte diese Schwäche frohlockend nutzt, um ein zentralistisches Europa in reiner Form anzustreben. Es genügt ihnen nicht, einen vorhandenen Anteil von 50% an zentralistischen Regelungen im gesellschaftlichen Verkehr – wozu ein kommunistisches Bildungswesen und soziales Sicherungssystem gehört - erreicht zu haben, sondern sie wollen 100%. Und die politischen – auch verbandspolitischen – Akteure, die wenigsten theoretisch noch von Dezentralität und Verkehrswirtschaft reden sind diesen Bestrebungen hilflos ausgesetzt, weil ihre theoretische Grundlage - die ja als praktische Gebrauchsanleitung notwendig ist – brüchig und unstimmig ist.Die Freiheit (Man denke dabei nicht an die gewährte Narrenfreiheit, sondern an eine haftende Gestaltungsfreiheit.) ist aber eng an eine dezentralen, marktwirtschaftlichen Ordnung gekoppelt, das wußten jene Menschen ganz genau, die sich schon vor dem Ende der Naziherrschaft über eine Gesellschaftsordnung für die Zeit danach ihre Gedanken machten. Diese Erkenntnis war nach dem Zweiten Weltkrieg aber nicht ein Allgemeingut in unserer Gesellschaft, im Westen des geschundenen und geteilten Deutschlands, das sich aufwachend in der Rolle des Schänders von Humanität, Kultur und Friedens vorfand. Damals wie heute setzten viele Menschen ihre Hoffnung auf eine zentralistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, um mehr Gerechtigkeit in der Ökonomie durchsetzen zu können. Daß aber eine zentralistische Ordnung, die ökonomisch eine Zentralverwaltungswirtschaft erfordert, bei Verlust der Freiheit nicht einmal die soziale Gerechtigkeit gewähren kann, das haben damals wie heute viele Bürger nicht eingesehen.Hinzu kommt: Es wird nicht einmal eindeutig zugegeben, daß sich der Nationalsozialismus nicht aufgrund der Meinungsfreiheit und auch nicht aufgrund eines unerklärlichen Ausbruchs einer Lust auf Krieg und Mord durchgesetzt hat, sondern aufgrund des kläglichen sozialökonomische Versagens der demokratischen Parteien, der politischen Vertretung in den Verfassungsorganen und auch der  Wirtschaftswissenschaften. Gestern (12. 6.2012) war in den Fernsehnachrichten und heute in den Zeitungen zu lesen, daß die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich – die mit ihrem Mann Alexander das aufwühlende Werk Die Unfähigkeit zum Trauern veröffentlicht hat – 95jährig gestorben ist. Es herrschte ja nicht nur lange diese  Unfähigkeit zum Trauern – die sich später in eine Lust auf Schuldbekenntnisse wandelte – sondern es herrscht bis heute die Unfähigkeit zu einer sauberen Analyse darüber, wie die Deutschen ehemals anerkannte Kultur- und Wissenschaftsträger in die Rolle der Barbaren gleiten konnten.Man glaubt künftige Gefahren durch einen Rechts- oder Linksextremismus durch Einschränkung der Meinungsfreiheit und durch das zur Staatsreligion erhobene Schuldbekenntnis begegnen zu können. Man sieht nicht, daß der eigene Anspruch auf Vertretung der Freiheit aufgegeben wird, wenn man die Extreme in der politischen Vorstellungswelt eliminieren will. Und vor allem sieht man nicht, daß die Qualität und Quantität der politisch extremen Gruppen in der Hauptsache von der Qualität der politischen Mitte abhängt. Kurz formuliert: Die Stärke oder die Schwäche des jeweils vorhandenen politischen Extremismus spiegelt die jeweils Stärke und Schwäche der politischen Mitte wider.Der Gefahrenherd, der heute eine neue gesellschaftliche Katastrophe verursachen oder in die Irre führen kann, ist der gleiche wie vor und nach der Naziherrschaft, nur die handelnden Personen sind andere. Man lese zu diesem Thema auch mal „Inflation und Deflation zerstören die Demokratie“ von Gerhard Ziemer oder andere Autoren, die aus eigener Anschauung und Erleben über diese Zeit berichten. Auf dem Hintergrund der aktuellen Nachrichten über die Euro- und Schuldenkrise – die immer noch nicht als zwei verschiedene Probleme wahrgenommen und dargestellt werden - und in der Erinnerung an das, was bei uns und durch uns Deutschen schon alles schiefgelaufen  ist, erhielt ich drei Impulse diesen Text zu schreiben und den Lesern eine Rückblende in einem Ausschnitt der Gedankenwelt des Nachkriegsdeutschlands durch Texte aus dieser Zeit zu ermöglichen.Der erste Impuls ging von der Titelseite des P.T. Magazins für Wirtschaft und Gesellschaft aus. Auf der Titelseite der Ausgabe 3/2012 ist der Mittelstand als eine Schicht in einer Gesellschaftspyramide dargestellt. Ich habe daraufhin dem Hauptredakteur Dr. Helfried Schmidt am 7. Juni 2012 geschrieben: Das Titelbild von der P.T.-Magazin-Ausgabe 3/2012 hat mich aufgeregt. Den Mittelstand - ganz egal wie man ihn definiert - als Schicht in einer Pyramide darzustellen, ist so statisch und rückwärts gewandt, daß Sie dem Anliegen, was sie mit dem Magazin verfolgen, schaden zufügen. Mitte der 70er Jahre habe ich schon versucht, die freiheitliche Gesellschaft als eine Kugel zu denken, die prinzipiell kein unten und oben und keine Schichtungen auf Dauer kennt und wo jene das Zentrum auf Zeit bilden, die die Zentrifugalkräfte der Teile entgegenwirkend zusammenhalten.Die Pyramide ist ein Zeichen für eine hierarchische Ordnung und kann auch  angewendet werden auf eine Zentralverwaltungswirtschaft (ZVW), für deren Einführung mit dem Versprechen von Gleichheit und Gerechtigkeit geworben wurde und wird. Diese Versprechen kann aber die ZVW schon deshalb nicht einhalten, weil sie auf Privilegien für jene angewiesen ist, die mit Druck – der bis zum Terror gehen kann – die Pläne durchsetzen müssen.Der zweite Impuls kam von der Meldung, die mich mehrfach erreichte, daß sich in Leipzig am 9. Juni rund 2000 Menschen unter dem Motto (gleichzeitig Adresse des Internetauftritts) Lust-auf-neues-Geld.de getroffen haben, um sich unabhängig von den Parteien und dem Mainstream der Wirtschaftswissenschaft Gedanken über eine neue Geldverfassung zu machen. Die Initiatoren sind angetörnt von der Freiwirtschaftslehre, die von Silvio Gesell begründet wurde. Die Anwendung der Erkenntnisse, die hier weitergetragen werden, hätten bei weniger Ignoranz der Politik und Wissenschaft in der Weimarer Republik uns Hitler und den Zweiten Weltkrieg ersparen können. Aber der Impuls, den viele Menschen in Leipzig auf diesem Treffen mit Information und Unterhaltung erhalten haben, kann auch wieder schnell versanden, wie jener der zu einer sozialen Marktwirtschaft führen sollte und sehr schnell in einem STAMOKAP = Staatsmonopolistischer Kapitalismus führte. Dieses Kürzel ist eine berechtigte Bezeichnung der realen Verhältnisse, die in der linken Ecke der 60er Jahre geprägt wurde. Der Impuls, eine plausible Erklärung für die immer wiederkehrenden  Fehlentwicklungen unserer sozialökonomischen Verhältnisse zur öffentlichen Anerkennung zu verhelfen, kann aber auch durch Verleumdungen von Personen und Verdrehungen von Inhalten oder Ignoranz gegenüber Ergebnissen von Analysen schnell wieder abgetötet werden. Es ist ja eine erprobte Praxis, um diese Flamme der Freiheit klein zu halten.Den dritten Impuls erhielt ich dadurch, daß ich beim Suchen einer Unterlage den Sonderdruck Persönliche Freiheit und Sozialordnung von Ernst Winkler in den Händen hielt. Ich habe ihn gelesen und mir war bald klar, daß dies ein Beitrag aus dem Protokoll Magna Charta der sozialen Marktwirtschaft ist. In diesem Buch ist zu lesen: „Wortlaut der Vorträge, die auf dem Bundestag des Freiwirtschaftsbundes am 9. und 10. November 1951 in Heidelberg gehalten wurden.“ Der Freiwirtschaftsbund war sicher keine Massenvereinigung – und war in der über hundertjährigen Geschichte der Freiwirtschaftsschule nur eine Vereinigung von vielen – die versuchte durch Manifeste, Stellungnahmen etc. auf die Gestaltung der deutschen Nachkriegsgesellschaft einzuwirken. Dieser Bund war insofern erfolgreich, daß er der politischen Entscheidung für eine marktwirtschaftliche Ordnung mit zum Durchbruch verholfen hat. Seine Bemühungen waren andererseits vom Mißerfolg geprägt, weil ihm nicht gelang, die  Bedingungen, die erst einer Marktwirtschaft zum Attribut sozial und zum Bestandteil frei verhelfen, den gestaltenden Akteuren und den zustimmenden Wählern klar zu machen. Die Verfälschung der Idee von der Sozialen Marktwirtschaft und die Schwierigkeiten und Verwerfungen der realen Ökonomie waren nach den Anfangserfolgen vorprogrammiert.Ich muß hier kurz auf die Vorgeschichte eingehen. Silvio Gesell, der ungeplant die  Freiwirtschaftsschule egründet hat und sein Hauptanliegen in dem Werk Die natürliche Wirtschaftsordnung zusammen gefaßt hat, ging es um die Gestaltung einer freiheitlichen und gerechten Gesellschaftsordnung. Die Natürliche Wirtschaftsordnung (NWO) stellt im wesentlichen ein Instrumentarium dar, mit der die Marktwirtschaft verwirklicht werden kann. Natürlich hat Gesell diese Ordnung nicht genannt, weil diese Ordnung in der Natur vorkommt, sondern weil sie der Natur des Menschen angepaßt ist. Gesell hat nicht als Wissenschaftler seine Theorien entwickelt, sondern aufgrund eigener Erfahrungen als Unternehmer. Die Verarbeitung bereits vorliegender Theorien kam erst später hinzu. Die Volkswirtschaftslehre wurde – soweit ich es wahrnehmen konnte – häufiger von Nichthochschulökonomen bereichert als von Wirtschaftswissenschaftlern.Adam Smith war Moralphilosoph und auch Marx war kein gelernter Ökonom. Die Hochschulökonomen haben mehrheitlich nur das Vorgefundene verwaltet,  weitergetragen und systematisiert. Warum dies nicht auch mit Gesells Hinterlassenschaft - trotz der Rückgriffe und Verweise auf ihr durch ökonomische Größen wie Irving Fisher und John Maynard Keynes - nicht geschah, ist mir ein großes Rätsel. Das ist ja keine Nebensächlichkeit, sondern dadurch, daß die Hochschulökonomie wesentlich die Akteure in der Politik, den Verwaltungen und in den Verbänden geprägt hat, sind sie als die Hauptverantwortlichen für die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen und Katastrophen bei uns und in der Welt mindestens ab dem Ende des Ersten Weltkrieges verantwortlich. Gesell und seine ersten Mitstreiter haben bei der Durchsetzung ihrer Ideen zuerst vor allem auf die Arbeiterschaft gesetzt, weil diese damals in ihrer Lage am meisten davon „profitiert“ hätten. Die Köpfe der Arbeiterführer waren aber mit dem Marxismus besetzt, was sich bis heute auswirkt.Aber Karl Marx die alleinige Schuld am Versagen des Marxismus vorzuwerfen ist so ungerecht, wie es ungerecht ist, Keynes das Versagen des Keynesianismus  anzurechnen oder Milton Friedman allein die Blindheit der Neoliberalen (zweiter Prägung) anzulasten. Getragen wurde die Freiwirtschaftsschule - die zeitweise auch eine Bewegung war – in der Zwischenkriegszeit vom „Mittelstand“, darunter viele selbständige Handwerker, Kaufleute und Industrielle. Wenn ich den Zeitraum ab 1961 – seitdem ich mich mit dem Thema beschäftigt habe – betrachte, sind mir vor allem Pädagogen, Ärzte, und Juristen als Träger dieses Wissens aufgefallen. Die gelernten Ökonomen und die Unternehmer erschienen mir immer unterrepräsentiert. Das hat natürlich Gründe. Wer wendet sich im Studium schon einer ökonomischen Theorie zu, von denen er im Hörsaal nichts hört und deren Kenntnis im Examen nicht abgefragt wird. Ein Professor der Ökonomie bekannte mir, daß er als Assistent auf Gesell  gestoßen wäre, aber man hätte ihm bedeutet, daß er diesen schnell vergessen solle, wenn ihm seine Karriere lieb wäre.Professor Georg Hummel sagte mir als Student an der Akademie für Wirtschaft und Politik in Hamburg in der Mitte der 60er Jahre, daß er viel bei Gesell über Geld und Kredit gelernt hätte. Er hat es aber nicht gewagt, es offen vor der Studentenschaft auszusprechen. Diese wenigen Hinweise müßten genügen, um zu begreifen, daß die Forschung und Lehre in Bezug auf die Ökonomie nicht frei ist. Eine Unterstützung der Freiwirtschaftsschule aus dem Kreis der Unternehmer war in diesem Zeitraum auch deshalb wohl nur gering, weil der Anfangserfolg des Modells Soziale Marktwirtschaft den Eindruck erweckte, die ökonomischen Probleme seien gelöst, man brauche sich nicht mehr darum zu kümmern.Und die Funktionäre der Unternehmerverbände konnten dieser partiellen Blindheit der Unternehmer eben auch nichts entgegensetzen, weil sie von der herrschenden Hochschulökonomie geprägt und zudem damit beschäftigt waren, die aufgekommene Opposition abzuwehren, die gegen die offensichtlichen Fehlentwicklungen in der Sozialökonomie mit Hilfe des Marxismus eine Kurskorrektur zu erreichen. Nun könnte ich mit einiger Berechtigung sagen, daß der größte Erfolg der Freiwirtschaftsschule die Stellung des ersten Wirtschaftsministers in der Gestalt von Ludwig Erhard war. Die Berechtigung dieser Aussage ist wohl gegeben, aber doch nicht korrekt. Als ich in einer Ausgabe des SPIEGELS aus den fünfziger Jahren las, daß Erhard mit seinen freiwirtschaftlichen Vorstellung in den eigenen Reihen Schwierigkeiten hat oder hatte, da habe ich gedacht, die Journalisten konnten die unterschiedlichen Begriffe freie Wirtschaft und Freiwirtschaft nicht auseinander halten. Ich selber habe Erhard wegen seiner Maßhalteappelle schriftlich angegriffen, nicht weil ich das Maßhalten nicht für eine Tugend gehalten habe, sondern weil es aus der Sicht der freiwirtschaftlichen Erkenntnisse Unsinn ist, mit dem Maßhalten eine Inflation bekämpfen zu wollen.Abgesehen davon, daß die FDP Erhard eigentlich als ihren Mann reklamiert und er erst spät der CDU beigetreten ist, gibt es Anzeichen, daß er sich tatsächlich als Freiwirt verstand.In seinem Buch Wohlstand für alle (bearbeitet von Wofram Langer) ist auf der Seite 195 eine Karikatur zu finden, in der Erhard mit einer Gitarre unter einem offenen Fenster mit der Aufschrift Westdeutsche Wirtschaft steht und Adenauer um die Ecke  lugt, die Schöne sich aber nicht am Fenster zeigt. Unter der Karikatur ist zu lesen: >Unerwünschte  Klänge / Freiwirtschafts-Troubadour Erhard: „Sie hat doch sonst immer meinen Klängen ganz entzückt gelauscht!“ <Der politische Hintergrund zu dieser Aussage bestand damals in dem Widerstand gegen die Entwürfe eines Kartellgesetzes. In der Tagung „25 Jahre Soziale Marktwirtschaft / Zwischenbilanz eines ordnungspolitischen Experimentes“, 1972 in der Ev. Akademie Loccum, hat mir Erhard aufgrund meiner Frage, den Widerstand aus den eigenen Reihen bestätigt.Ich nähere mich dem Text von Ernst Winkler, muß aber vorher noch auf Otto Lautenbach eingehen, der in der ersten Ausgabe von 1949 der Zeitschrift Währung und Wirtschaft, die von Ludwig Erhard, Erwin Hilscher und Max Schönwandt herausgegeben wurde, neben Wilhelm Kromphardt als Mitwirker verzeichnet ist. Es heißt im Geleitwort u. a.: Die „Währung“ ist im Titel nicht deshalb vorangestellt, weil sie eine selbständige Bedeutung neben oder gar vor der „Wirtschaft“ hätte. Sie ist „nur“ eine Hilfseinrichtung, vergleichbar dem Steuerruder eines Schiffes oder den Steuerungsstoffen der Organismen. Aber „RICHTIGES GELD“ ist die Voraussetzung der einzel- und gesamtwirtschaftlichen Bestleistung und nicht weniger einer echten Sozialordnung.Otto Lautenbach, der in der Freiwirtschaft wohl deshalb umstritten war, weil seine Strategie nicht verstanden wurde, war bemüht, die personell schwach besetzten Kräfte, die theoretisch und politisch für eine Marktwirtschaft jenseits vom Kapitalismus wirkten, zusammenzuführen.Dies ist auch schon mit dem Vortrag von Alexander Rüstow auf dem Bundestag des Freiwirtschaftbundes 1951 erkenntlich. Mit der Referentenliste des Bundestages 1952 wird das noch deutlicher. Ich untermauere diese Aussage mit den Textauszügen aus dem Protokoll Das Programm der Freiheit, nämlich mit den Thesen für ein Grundgesetz der Wirtschaft, mit dem Telegramm von Ludwig Erhard, dem Schlußwort von Lautenbach und den dort dort wiedergegebenen Pressestimmen. Mit der Tagung 1952 entsteht die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM). Das hoffnungsvolle Projekt ASM ist letztlich gescheitert, weil auf beiden Seiten Akteure zu früh starben, sich dann Mitglieder durchsetzen, für die der Begriff Soziale Marktwirtschaft nur ein Euphenismus für den Paläoliberalismus bzw. für den  Kapitalismus war. Die Freiwirtschaftler wurden aus ihrer eigenen Gründung heraus gedrängt, wie später die freiwirtschaftlichen Gründer der grünen Partei in eine bedeutungslose Ecke gegestellt wurden. Die ASM hat überlebt und kann auf eine glanzvolle Vereinsgeschichte zurückblicken.Aber hat die ASM die Geschichte der BRD wirklich noch geprägt? Mir erscheint sie wie ein eingeschlechtlicher Baum, dem die Befruchtung durch seinen Gegenpart fehlt. Diese Geschichte kann nachgelesen werden in der Schrift Ordoliberalismus und Freiwirtschaft, veröffentlicht als Heft 273/4 der Schriftenreihe Fragen der Freiheit. Kontakt über www.sffo.de. Die Schrift wurde ebenfalls von Ernst Winkler verfaßt, der in manchen Veröffentlichungen nicht nur als Doktor sondern auch als Professor ausgewiesen wird. Obwohl ich brieflich mit ihm in Verbindung stand, weiß ich nicht einmal seinen Beruf. Ich weiß nur, daß er den Naturwissenschaften genauso zugeneigt war, wie den Gesellschaftswissenschaften.1951 veröffentlichte er sein Buch Theorie der natürlichen Wirtschaftsordnung. Wenn heute für unsere ökonomische Realität noch der Begriff Soziale Marktwirtschaft  verwendet wird, dann ist das eine Verhöhnung der Geister, die einst den Begriff geprägt oder die sich für dessen inhaltlicher Füllung ins Zeug gelegt haben. Der Verfall der Idee begann aber schon mit dem Versuch ihrer Ausformulierung und Realisierung. Ich will versuchen, diese Feststellung mit zwei Zitaten zu untermauern. In dem Protokoll Magna Charta … von 1951 heißt es in der Begrüßung von Otto Lautenbach u. a.:"Mit großer Sorge haben wir die Entwicklung dessen betrachtet, was als soziale Marktwirtschaft von der Bundesregierung plakatiert worden ist. Und wir waren bereits veranlaßt, am vergangenen Bundestag darüber nachzudenken, was getan werden könnte, um bis zum Abschluß der gegenwärtigen Regierungsperiode eine echte soziale Marktwirtschaft tatsächlich durchzusetzen. Aus diesen Gedanken ist das Thema unseres heutigen Bundestages entstanden; nämlich ein geschlossenes  Programm vorzulegen, das eine soziale Marktwirtschaft als Ganzes verwirklicht und nicht etwa einen Katalog von Einzelmaßnahmen, wodurch unseres Erachtens niemals eine soziale Marktwirtschaft verwirklicht werden kann. Das ist der Zweck dieses Bundestages. Die Vorträge werden im einzelnen sagen, was wir wollen."Und in dem Referat von Lautenbach heißt es (auf Seite 51): "Damit sind wir bei einem weiteren Punkt unseres Programms angelangt: bei der Steuerpolitik. Die Steuerpolitik ist heute ein bestimmender und entscheidender Faktor für die wirtschaftlichen Dispositionen geworden. Wir müssen uns klar machen, daß es wohl kaum noch einen Unternehmer gibt, der nicht bei jedem größeren Geschäft, das er zu tätigen beabsichtigt, zuerst die Frage stellt, wie dieses geplante Geschäft unter steuerpolitischen Gesichtspunkten aussieht. So bestimmt also die Steuerpolitik die Entscheidungen der Unternehmer und nicht die wirtschaftliche Situation. Damit ist eine weitgehende Verfälschung der Marktwirtschaft gegeben. Die Steuerpolitik ist wirtschaftspolitisch und konjunkturpolitisch nicht mehr neutral."Wer den Text soweit gelesen hat, bitte ich, sich in einem Ausschnitt der Gedankenwelt der Jahre 1951 / 52 zu vertiefen. Ich nehme es auch niemandem übel, der meine Anmerkungen übersprungen hat und gleich zu den alten Texten gegangen ist, denn es kommt mir darauf an die Fragen anzuregen, die zu wenig gestellt werden: Woher kommen wir? Wo befinden wir uns? Wo wollen wir hin?Die Magna Charta der sozialen Marktwirtschaft zum NachlesenDas Programm der Freiheit zum Nachlesen



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