Kapitel 3: Der Entschluss - Und immer wieder aufstehen! Teil 7


Don’t dream it – Do it!1999 war ein unglaubliches Jahr: Ich konnte mir einige meiner persönlichen Träume erfüllen und das Unternehmen INLINE expandierte immer stärker. Der Jahresumsatz lag schließlich bei fast zehn Millionen DM. Damit hatte er sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt und trotz enormer Zukunftsinvestitionen wurde sogar noch ein Gewinn erzielt. Wir hatten also die stürmische Expansion aus eigenen Mitteln finanziert.Nach der Entscheidung, die INLINE Motivation AG an die Börse zu führen, und den ersten Gesprächen mit den IPO-Experten setzten wir schließlich erste Maßnahmen für den geplanten Börsengang um: Die Zahl der Mitarbeiter wurde stark erhöht, insbesondere durch die Installation eines Callcenters, das die Vertriebsaktivitäten unterstützen sollte. Österreich wurde als eigenständiger Markt angegangen, Führungsmitarbeiter eingestellt. Die Eigenproduktionen (Bücher, Kassetten, Videos etc.) wurden stark ausgeweitet, da neben den Veranstaltungen der Verkauf von Weiterbildungsmedien zum Kerngeschäft der INLINE gehörte. Bei Eigenproduktionen liegt die Verdienstspanne weitaus höher als bei Produkten, die bei fremden Verlagen eingekauft werden. Es wurden neue Räumlichkeiten angemietet und so weiter. All dies führte dazu, dass der 1999 erzielte Überschuss aus der normalen Geschäftstätigkeit nicht ausreichte, die Aufwendungen für den Börsengang zu finanzieren. So wurde Ende 1999/Anfang 2000 Anlegern die Möglichkeit gegeben, sich vorbörslich zu beteiligen. Etwa 5 Millionen DM wurden von zirka 300 Anlegern investiert und zu 100 Prozent der INLINE Motivation AG zur Verfügung gestellt.Ende 1999 befanden wir uns außerdem in der heißen Planungsphase für den Motivationstag am 5. Februar 2000 in der Dortmunder Westfalenhalle: Mein Traum, meine Vision, die ich schon 1991 hatte, sollte endlich Wirklichkeit werden: Ich wollte vor 15 000 Menschen in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle den Motivationstag begehen! Auch hierfür waren umfangreiche Mittel notwendig (Marketingaktivitäten, Anzahlungen für die Halle, Technik und so fort). Als ich den Silvesterabend 1999 zusammen mit meiner Familie und engen Freunden beging, hatte ich eine glänzende Zukunft vor mir: Nicht nur, dass ich innerhalb von fünf Jahren eines der erfolgreichsten Weiterbildungsunternehmen im deutschsprachigen Raum aus dem Boden gestampft hatte und dabei »nebenbei« zu einem der bekanntesten Trainer Europas geworden war, auch die Aussicht auf den Börsengang, den wir für November/Dezember 2000 anpeilten, zeigte, dass mein Lebensweg noch weiter steil nach oben ging. Ich stieß um Mitternacht mit meiner Frau an, wir nahmen uns glücklich in die Arme und träumten vom nächsten Gipfel in unserem Leben. Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt auch nicht ansatzweise, dass der Entschluss, an die Börse zu gehen, der größte Fehler meines Lebens war…Am Freitag, den 7. Januar, flog ich zusammen mit einem meiner Assistenten nach Rom, um Christoph Daum zu treffen. Zu ihm hatte ich einige Monate vorher persönlichen Kontakt bekommen. Daum, damals Trainer von Bayer 04 Leverkusen, galt zu diesem Zeitpunkt als einer der fortschrittlichsten Trainer der Bundesliga und als der Motivator unter den Bundesliga-Trainern. Daum hatte, obwohl damals noch sehr jung für einen Trainer, bereits tolle Erfolge vorzuweisen. Deutscher Fußballmeister mit dem VfB Stuttgart, anschließend zweimal Türkischer Meister mit Besiktas Istanbul, dann Leverkusen übernommen, zu einem Zeitpunkt, als sie zuvor fast abgestiegen waren, und in der folgenden Saison mit Leverkusen die deutsche Vizemeisterschaft errungen. Daum hatte in Leverkusen ein fantastisches Team aufgebaut und wollte nun unbedingt mit Bayer Leverkusen erstmals die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Aus genau diesem Grund war der Kontakt zwischen uns entstanden, ich sollte ihn bei der mentalen Einstimmung und Vorbereitung seines Teams unterstützen.Leverkusen hatte die Vorrunde der Bundesliga-Saison 1999/2000 ordentlich gespielt, lag aber deutlich hinter den Bayern zurück. Von Meisterschaft sprach zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Am 7. Januar traf ich also in Rom ein und fuhr zusammen mit Christoph, seinem Assistenz-Trainer Roland Koch, der Mannschaft und einigen Betreuern ins Trainingslager außerhalb von Rom. Drei Tage schulte ich das Team in mentalem Training.Ich erklärte den Spielern, dass nicht der Körper, der Fuß entscheidet, wie der Ball getreten wird, sondern dass der Befehl vom Kopf, vom Geist ausgeht. Ich vermittelte ihnen, dass der Geist des Menschen aus zwei Teilen besteht: dem bewussten, logischen Verstand und dem Unterbewusstsein. Und dass der bewusste Verstand, der Wille, zwar sehr wichtig ist, aber letztendlich das Unterbewusstsein entscheidet, was ausgeführt wird. Diese und viele weitere Erkenntnisse und Strategien vermittelte ich den Kickern. Von Anfang an hatte Daum darauf bestanden, dass ich die Mannschaft nur diese drei Tage im mentalen Bereich schulen sollte. Denn der Verein hatte ja schließlich den Mentaltrainer Gunnar Gerisch eingestellt, der das von mir vermittelte Knowhow und meine Erkenntnisse in die tägliche Praxis umsetzen sollte. Ich beschwor zwar Christoph, die Zusammenarbeit während der gesamten Rücksaison aufrecht zu erhalten, aber aus irgendeinem Grund war er dagegen: »Die Vorbereitung jetzt mit dir war klasse, wir haben einen richtigen Schub bekommen. Aber wenn dann die Saison läuft, will ich die Routine nicht unterbrechen und keine Unruhe in die Mannschaft bringen. Außerdem haben wir ja Gunnar, der deine Erkenntnisse und dein Wissen im täglichen Umgang mit den Spielern umsetzen kann.«Nach den drei Tagen war die Mannschaft Bayer Leverkusen tatsächlich wie umgewandelt: Sie spielte, laut allen anerkannten Fußballexperten, den wohl besten Fußball, den eine Bundesliga-Mannschaft in den 90er-Jahren je spielte. Selbst als Leverkusen das dritte Spiel der Rückrunde gegen Bayern München verlor und sechs Punkte Rückstand hatte, gab die Mannschaft nicht auf. Zwei der Spieler hatten mich unmittelbar nach den drei Tagen in Rom angesprochen, ob ich sie nicht auch persönlich coachen könnte. Ich sicherte Vertraulichkeit zu (an die ich mich auch heute noch halte!) und coachte die beiden unabhängig von einander. Ich bin stolz darauf, dass beide zu den wichtigsten Stützen und Leistungsträgern ihrer Mannschaft wurden und daraufhin eine große Karriere hinlegten.Zurück zu Teil 1Zurück zu Teil 6Vor zu Teil 8



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