Strohfeuer innereuropäische Migration



Anfang des Jahres erschien im krisengeplagten Portugal ein Zeitungsbericht über paradiesische Chancen im deutschen Schwäbisch-Hall: Arbeitslosenquote 3 Prozent, 2500 offene Stellen, hohe Löhne und preiswerte Mieten. Facebook sorgte für virale Verbreitung des Artikels, in dem gleich ein Link zur arbeitsagentur in Schwäbisch-Hall enthalten war.

Mit durchschlagendem Erfolg: 15.000 Bewerbungen aus Portugal gingen bei der Agentur für Arbeit in Schwäbisch-Hall im Februar ein. Ein Medien-Hype war die Folge: "Die lang erwartete Massen-Migration aus den angeschlagenen Ländern Südeuropas schien unmittelbar bevorzustehen" so Winand von Petersdorff in der FAZ http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/migration-in-der-eu-wo-bleiben-sie-denn-11843957.html.

Das ganze war jedoch ein Strohfeuer: Aus den 15.000 Bewerbungen entstanden bis jetzt nur 26 Arbeitsverträge zwischen Portugiesen und deutschen Arbeitgebern. Die innereuropäische Migration stockt nach wie vor. Die Einführung des Euro erleichterte die Migration innerhalb der Eurozone nicht, sondern verlangsamt sie. Gastarbeiter kehrten zurück in die Heimat. Denn dank des Euro erfuhren Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien eine strohfeuerartige Sonderkonjunktur.

"In einer der freizügigsten Regionen der Welt kam die zwischenstaatliche Mobilität von Arbeitskräften fast zum Erliegen. Das alles geschieht in einer Zeitphase, in der weltweit so viele Menschen wie noch nie unterwegs waren." schreibt von Petersdorff.

Wenn die Europäische Union weiterhin mit Schuldenpakten dafür sorgt, dass die Krisenländer ihre Probleme nicht lösen brauchen, lohnt es sich für für viele potentielle Migranten nicht, auszuwandern.

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Bild: Panorama der Altstadt von Schwäbisch Hall, gesehen von den Hügeln im Südwesten der Altstadt, Sommerabendlicht. Montage aus drei Einzelbildern. © Roman Eisele / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GFDL ≥ 1.2



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