Thema Selbständigkeit in Parlament und Regierung unterrepräsentiert


Helfried Schmidt schrieb auf XING:
„Ich kenne einige Selbständige (Unternehmensberater usw.) die ganz bewusst sagen: "Nie im Leben werde ich mich mit den Risiken eines angestellten Arbeitsplatzes belasten. Das ist in Deutschland unkalkulierbar. Was ich nicht mit Hilfe meiner Familie schaffe, lehne ich ab." Aber 95 Prozent der Stellenangebote kommen von Betrieben unter 500 Mitarbeitern  Davon nimmt die Arbeitsmarktpolitik jedoch keine Notiz. Die dreht sich nur um die "Großen". Hätten wir aber 500.000 Selbständige/ Existenzgründer mehr (die davon auch leben können müssen), hätten wir eine Million Arbeitslose weniger!“
Ich denke, die Schätzung mit einer Million ist in meinen Augen sehr vorsichtig, nach zwei bis drei Jahren wird man im Schnitt von zwei bis drei Arbeitsplätzen ausgehen. Auf alle Fälle wenn man die Selbständigen mitzählt. Aber da wird glaub ich zwischen uns kein Streit ausbrechen.

Die Förderungen für Gründungen aus der Selbständigkeit sind ja auch noch weiter runter gefahren. ALG I nur noch wenn die Arbeitsverwaltung will, und bei ALG II werden selbst die Förderungen mit Einstiegsgeld nicht weiter genehmigt. Zwei Jahre wurden dort in Aussicht gestellt, aber sie sind halbjährlich neu zu genehmigen... Gründungsberater die durch die Jobcenter beauftragt wurden erhalten keine neuen Gründungswilligen mehr.

Der Grund ist in meinen Augen die Finanzkrise, dort kann man am leichtesten kürzen ohne Widerstand zu befürchten.

Viel richtiger wäre statt den Gründungen immer mehr Geld zu entziehen ein vernünftiges Startpaket zu schnüren. Wichtig ist dabei der Verwaltungsabbau. Die Jobcenter waren vor der letzten Streichorgie schon so eingestellt, das sie sagten: Für das Erfüllen unserer Nachweisanforderungen bezahlen wir die GründerInnen doch.

Die Leistungen von vielen Gründungsberatern erinnerten mich mehr an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die, die dann die Beratungen machen sollten. Nicht immer und überall, aber durchaus stellenweise bishin zur Peinlichkeit.

So wurde zum Schluss erwartet, dass sofort ein Ertrag in der Höhe da ist, der eine Kürzung des Hartz IV-Satzes beinhaltet. Damit wurden diese zarten Gründungen ohne Kapital - denn das durften sie als Hartz IV-Fälle ja gar nicht haben - noch in zusätzliche Liquiditätsschwierigkeiten gesteuert.

Mein Anliegen wäre es, dass die Gründung auf Grundlage eines progressiven Businessplanes durchgeführt werden. Das Ziel hätten Einkommen sein müssen, die weit über dem Hartz IV-Satz liegen. Natürlich nicht in wenigen Monaten, aber mit der realistischen Einschätzung. Da wurden Businesspläne gebastelt, dass es der Sau graust. Keine Substanz in den Zahlenwerken. Keine allgemeinen Statistiken, keine eigenen Markterkundungen als Grundlage.

Da hier aber Politik nach Kassenlage gemacht wird - ein aussichtsloses Unterfangen.

Auf der anderen Seite habe ich aber auch erleben dürfen, dass diese Gründer richtig unkreativ waren. "Wie ich krieg dafür kein Geld, wie soll ich das denn machen?" Also kam der Mann mit dem Hausmeisterservice nicht auf die Idee sich die ab und an nötigen schweren Werkzeuge tageweise zu leihen um sie dann vom Umsatz zu kaufen.

Allerdings kam dann noch die Schutzbehauptung seitens der Ämter: Wir dürfen in den Markt nicht eingreifen. Natürlich ist jede noch so kleine Gründung ein Eingriff in den Markt. Aber es bringt auch nichts, wenn 100 Leute kommen und wollen im Landkreis XY einen Hausmeisterservice machen die alle gewähren zu lassen. Auch hier gibt es natürlich Modelle, aber das ist für eine Verwaltung zu schwer.

Und nur auf die Politik zu verweisen ist leider auch nicht zielführend. Denn es ist eigentlich die Verwaltung die solche Pläne zu erstellen hat und dann die entsprechenden Gesetze schreiben soll. Natürlich mit dem Primat der Politik, die bestimmte Kriterien festlegen. Leider scheinen die Verwaltungen aber so zu arbeiten, das es für ihre Struktur leichter zu verwalten scheint. Weil es ihnen einfach an Einblicken nach alternativen Lösungen fehl.
(Bildquelle: Wikipedia/DALIBRI, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0)



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