Fisch sucht Fahrrad (Kolumne MACHER Magazin)



Viele Kontaktanzeigen quellen vor Allgemeinplatz-Adjektiven wie tolerant, lieb und fröhlich über. Leider fordern aber auch Jobangebote Eigenschaften und Verhaltenspräferenzen, die außer bei meditierenden Eremiten beinahe jeder West-Europäer für sich positiv bejahen würde. Was ist beispielsweise von einem 45-jährigen Mann zu halten, der in seiner Partnerschaftsanzeige „kochen, kuscheln, Kekse backen“ angibt? Ist der arme Kerl verzweifelt und versucht sich marktkonform anzupreisen?

Ähnlich ratlos lassen mich seit Einstieg in das Berufsleben Jobangebote zurück. Die Firmen suchen teamfähige, engagierte, junge Führungskräfte, die sie leistungsorientiert bezahlen möchten. Wer würde denn von sich sagen, dass er ein menschenfeindlicher, fauler, ältlicher Low-Performer ist, aber diese Stelle trotzdem gerne antreten möchte, sofern leistungsgerechte Bezahlung nicht bedeuten würde, dass er bei unterdurchschnittlicher Leistung die Firma entlohnt? Ein Unternehmen bietet einen „modernen Arbeitsplatz“. Heißt das andersherum, dass dem Bewerber bei anderen Firmen, die das nicht offerieren, Resopaltische mit einem Wählscheibentelefon erwarten würden?

Wenn wir die Floskeln weglassen und uns auf den Kern beschränken, weiß jeder, was ihn erwartet. Die ehrlichste, kürzeste und knackigste Formulierung hatte ich schon vor vielen Jahren in einem Stadtmagazin unter den Bekanntschaften gelesen: Arschloch sucht Schlampe. Was würde man wohl analog dafür in einem Stelleninserat verwenden?



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