Umstrittener Kanzler: Helmut Schmidt für alle



Leserbrief in DIE WELT am 11.10.2012

Idole haben auch ihre Schattenseiten. Das ist auch bei Herrn Helmut Schmidt der Fall. Die SPD verstand sich unter seiner Regierung als Reformpartei. Die Reformen mögen gewollt gewesen sein, aber da sei einmal an das Jahr 1974 erinnert, da kommentierte "Der Spiegel" (Nr. 51, 16. Dezember 1974) : "Trotzdem müssen sich Bund, Länder und Gemeinden 1975 mit über 50 Milliarden Mark neu verschulden. Doch wegen der Zins - und Tilgungslasten kann ein solcher Berg nur einmal aufgebaut werden. Im Wahljahr 1976, darüber sind sich alle Experten einig, muss der Staat seine gesetzlichen Leistungen zurückdrehen oder aber die Steuern kräftig anheben."

Der amtierende Kanzler Helmut Schmidt ließ sich vom Gewerkschaftsführer Klunker schlicht erpressen. Aus Sicht von Helmut Schmidt war die überhöhte Forderung für den "öffentlichen Dienst" von über 10 Prozent nicht vertretbar, ließ sich aber über Schulden finanzieren. Niemand, auch Herr Schmidt nicht, dachte in den folgenden Jahren an Tilgung, vielmehr wurde das Tempo der Staatsverschuldung von Jahr zu Jahr kräftig beschleunigt. Doch die steigende Staatsverschuldung bereitete den Regierungen keine Sorgen, denn Regierungen können ihre Bürger mit Schulden in jeder beliebigen Höhe belasten, denn sie besitzen gegenüber allen verantwortlichen Bürgern einen Vorteil: Niemand kann sie haftbar machen. Man trägt Verantwortung, läuft aber nicht Gefahr, Verantwortung übernehmen zu müssen. Und deshalb wird sich am Tempo der Staatsverschuldung auch in Zukunft nichts verändern.

Uwe Timm, Neu Wulmstorf
Bildquelle: Schmidts Kanzlerarbeitsplatz 1977 Bundesarchiv, B 145 Bild-F048808-0033 / Wienke, Ulrich / CC-BY-SA



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