Angst vor der Angst: Der Mißbrauch der Angst vor der Vergangenheit


Cicero Online sprach mit dem Sozialpsychologen Ulrich Wagner über die Gefahr nationaler Symbolik, ein gesundes Heimatbewusstsein, die Nationalhymne und ein befriedendes Europa Auf die erste Frage "Herr Wagner, sind Sie ein Patriot?" antwortete er kurz und knapp: "Nein." Cicero hakte nach: "Warum nicht?" Wagner antwortete: "Es gibt gute Argumente für die Identifikation mit dem eigenen Land. Sie ist ganz wesentlich für das gesellschaftliche Zusammenleben, dafür, dass ein Land überhaupt funktioniert. Zu starke Identifikation mit dem eigenen Land birgt jedoch die Gefahr, dass diejenigen, die nicht dazu gehören, ausgegrenzt werden."

Das wird dann auf rund drei Seiten im Einzelnen ausgeführt.

Im Gegensatz zu Abweichlern wie Sarrazin oder Schaeffler geht Wagner kein Risiko ein. Es ist weithin unkritisiert, dass sich Deutsche in Deutschland zu schämen haben für die deutsche Vergangenheit. Wir hatten sogar Bundesminister, die stolz darauf waren, keine Nationalhymne des Landes mitzusingen, in dessen Dienst sie als MInister standen.

Wagners kernige Haltung ist dennoch keinesfalls unwidersprochen. Als Sohn jüdischer Holocaust-Überlebender durfte Henryk M. Broder fordern "Vergesst Auschwitz" und meinte damit auch nicht das Drama der Geschichte, sondern das Drama der pharisäerhaften Erinnerungskultur. Und Seyran Ates, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, mahnt in ihrem Buch "Der Multikulti-Irrtum": Warum sollten sich türkischstämmige Deutschländer, die sich eines positiven Nationalitätsgefühls erfreuen, mit der problematischen deutschen Nationalität identifizieren? "Mein Kampf" ist in Deutschland verboten, aber in der Türkei ein Bestseller, schreibt sie.

All das sollte auch hinterfragt werden, Herr Wagner.



Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen