Der große Irrtum am Weltbevölkerungstag



Heute ist Weltbevölkerungstag. Es gibt 7.057.608.000 Menschen. Der Sprecherin der Stiftung Weltbevölkerung, Ute Stallmeister, zufolge liegt das weitere rasante Wachstum zu einem großen Teil an der Zahl der ungewollten Geburten.

Deshalb tagt in London unter Leitung der britischen Regierung und die Bill & Melinda Gates Stiftung der "Familienplanungsgipfel". Er will 120 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern bis zum Jahr 2020 Zugang zu Aufklärung und Verhütung zu verschaffen.

Das Ganze ist wieder so eine Nachricht, die früher unter die Abteilung Propaganda gefallen wäre. Wenn die Stiftung Weltbevölkerung recht hätte, nämlich dass das Bevölerkungswachstum in Afrika allein am Zugang zu Verhütungsmaßnahmen liegen würde, dass deshalb die Frauen dort ständig ungewollt Kinder bekommen, dann stellen sich zumindest folgende Fragen:

1. In Europa und Amerika haben die Menschen schon verhütet, bevor 1968 die Pille erfunden wurde. Da gab es viele Maßnahmen und viele Bücher. Die erübrigten sich zwar nach Erfindung der Pille, aber sie sind nach wie vor überall dort anwendbar, wo der Zugang zur Pille beschränkt ist. Warum werden die nicht vermittelt?

2. Offenbar hatten diese Maßnahmen auch Erfolg. Ansonsten hätte sich die Bevölkerung in Europa vor 1968 vermehren müssen wie heute in Afrika. Das ist jedoch nicht der Fall. Denselben Erfolg können diese Maßnahmen in anderen Ländern bringen.

3. In armen Regionen "brauchen" Familien seit alters her viele Kinder, weil viele sterben, bevor sie erwachsen werden und die übrigen mehr zum Lebensunterhalt der Familie beitragen als sie die Familie kosten. In dem Maße, indem die Gesundheitsversorgung sich verbesserte, bewirkt der Kinderreichtum zuerst eine Bevölkerungsexplosion. In dem Maße, in dem zugleich schrittweise mit wenigstens bescheidenem Wohlstand eine existentielle Sicherheit für die Familien entstand, sank weltweit zu allen Zeiten und in allen Regionen die Kinderzahl je Familie.

Insofern ist das Bevölkerungswachstum nicht in erster Linie ein Verhütungsproblem, sondern ein Wirtschaftsproblem. Es geht darum, die Chancen einer modernen weltweiten globalisierten Wirtschaft für die noch benachteiligten Menschen in noch zurückgebliebenen Ländern zu nutzen. Europäische und amerikanische Verschuldungspolitik, Tendenzen zur erneuten Marktabschottung auf Input- und Absatzmärkten durch entwickelte Staaten richtet weitaus mehr Schaden an als das päpstliche verbot der Abtreibung und der Pille.

Siehe auch: http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/news/8-billion-business-opportunities-hr-goes-global

M. H., Göttingen



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