Frauenquote


Das Thema geht seit einer gefühlten Ewigkeit durch die Medien und wurde in letzter Zeit von deutschen Politikern als Streitthema neu entdeckt. Hier will ich die besten Gründe für und gegen die Quote zusammenfassen und kurz ein paar Alternativen diskutieren.

Pro Quote

Frauen liegen bei den Studienabsolventen im Bachelor Bereich knapp vor ihren männlichen Kommolitonen (51% der Absolventen im Studienjahr 2007 waren laut Statistischem Bundesamt Frauen). Bei höheren Abschlüssen schneiden Frauen aber schlechter ab, mit nur noch 42% Frauenanteil bei Promotionen und 22% bei Habilitationen. Ähnlich sieht es mit weiblichen Führungskräften in der Privatwirtschaft aus: gerade einmal 2% der Unternehmensvorstände in Deutschland werden von Frauen belegt. Auch im Technikbereich sind Frauen unterrepräsentiert. Aber wer sagt denn, dass Frauen nicht mindestens so gut wie Männer auf ihrem Laptop Code schreiben können oder sich als Website Designer eignen?

Befürworter der Frauenquote weisen auf diese Statistiken hin, die eine deutliche Differenz zwischen der Qualifikation von Frauen und ihrer Repräsentation in Spitzenpositionen zeigt. Als Lösung schlagen sie eine gesetzliche Quote vor, die Unternehmen vorschreibt einen Mindestsatz, zum Beispiel 40%, ihrer Top Jobs mit Frauen zu besetzen. Die stärksten Argumente für eine Frauenquote sind wohl, dass die freiwillige Verpflichtung von Unternehmen wie sie 2001 unter der Schröder Regierung beschlossen wurde, bislang noch keine Früchte getragen hat. Außerdem argumentieren einige, dass sich die Frauenquote auch betriebswirtschaftlich lohnen würde, weil Frauen anders an Probleme herangehen als Männer und Unternehmen daher einen alternativen Führungsstil anbieten können.

Anti Quote

Gegner der Quote kontern, dass die Quote unfair ist. Erstens gibt es keine Männerquote. (Hierbei sollte man aber bedenken, dass eine Männerquote in Spitzenpositionen unnötig und in Sektretärs- oder Putzstellen wohl von Männern nicht gewollt ist, genau so wie Frauen keine Quote unter Bauarbeitern verlangen.) Ein wesentlich überzeugenderes Argument gegen die Quote ist, dass sie nicht den Männern, sondern den Frauen gegenüber unfair ist. Wie viel Respekt kann eine Frau in einer Führungsposition ihren Kollegen abverlangen, wenn permanent der Verdacht besteht, sie sei eine „Quotenfrau“? Das ist wohl auch der Grund, warum viele Frauen in Führungspositionen, wie zum Beispiel Bundeskanzlerin Merkel, sich gegen eine Quote aussprechen. Außerdem wäre eine Quote für Unternehmen schwierig umzusetzen: einerseits aus administrativen Gründen, weil Strukturreformen nötig wären, andererseits auch finanziell, da Frauen auf Grund von Mutterschutz und tendenziell höherer Familienzeit öfter ausfallen würden. In höheren Positionen steigen die Kosten für solche Ausfälle natürlich.

Alternativen

Auch wenn die Gegner der Frauenquote leicht zum Populismus neigen, sind ihre Argumente durchaus überzeugend. Gleichzeitig kann man nicht leugnen, dass Frauen momentan aus nicht-leistungsbezogenen Gründen in Spitzenpositionen unterrepräsentiert sind. Gibt es also alternative Lösungen für dieses Problem, mit denen die negativen Seiten einer strikten Quote umgangen werden können? Ein Vorschlag ist die Anonymisierung des Lebenslaufes in der Bewerbung – Geschlecht und Vorname werden gelöscht, Mutterschutz wird durch Familienzeit ersetzt. Diese Methode funktioniert natürlich nur, wenn Unternehmen von außerhalb einstellen, anstatt von Innen zu befördern. Allgemein kann eine freiwillige Lösung wohl nur mit einem Paradigmenwechsel auf der ganzen Ebene funktionieren – also auch bei der Elternzeit, der Kinderbetreuung, dem Haushalt und allem was sonst noch so anfällt.

Autorin: Gastbloggerin

Unsere Gastbloggerin  arbeitet als freie Journalistin in London. Sie studierte an der City University London und schrieb ihre Master-Arbeit zum Thema “Soziale Medien und Unternehmen".



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