Deutschland (un-)einig Rentenland


Die Anhebung der Renten in den ostdeutschen Bundesländern spielt in der politischen Diskussion eine wachsende Rolle. 22 Jahre nach Herstellung der deutschen Einheit sind die Renten in West- und Ostdeutschland noch immer unterschiedlich hoch. Das drückt sich in den unterschiedlichen Rentenwerten aus. So beträgt  der aktuelle Rentenwert (Ost) zurzeit 24,92 Euro, der aktuelle Rentenwert (West) aber 28,07 Euro.Zur Berechnung der Rentenhöhe eines Altersrentners, der die Regelaltersgrenze erreicht hat, wird der aktuelle Rentenwert mit der Anzahl der individuellen Entgeltpunkte (abhängig von der Zahl der versicherten Jahre und der Höhe des jeweiligen Brutto­verdienstes) multipliziert. Bei gleicher Anzahl der persönlichen Entgeltpunkte wie ein Westrentner erhält ein Ostrentner wegen des in Ostdeutschland niedrigeren Rentenwertes eine niedrigere Altersrente. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der Standardrenten wider, die die Rente nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst abbilden.Der aktuelle Rentenwert wird jedes Jahr zum 1. Juli angepasst. Grundlage der Anpassung ist die Bruttolohn- und Gehaltsentwicklung. Dabei muss der Rentenwert (Ost) mindestens in der gleichen Höhe wie der Rentenwert (West) angepasst werden. Die bisherigen Anpassungen haben den Unterschied zwischen den aktuellen Rentenwerten zwar verringert, aber nicht aufgeholt.In der politischen Diskussion ist eine Angleichung des aktuellen Rentenwertes in Ost und West bis zum Jahr 2020. Damit würden Rentner in den neuen und alten Bundesländern je persönlichem Entgelt­punkt die gleiche Rente bekommen. Das entspräche dem allgemeinen Gerechtigkeits­empfinden und auch der inzwischen weitgehend identischen Entwicklung der Lebens­haltungs­kosten.Allerdings vernachlässigt diese Idee eine wesentliche Eigenheit der Ostrenten. Weil das Lohn- und Gehaltsniveau in der Bundesrepublik Deutschland deutlich höher war als in der DDR und bis heute Löhne und Gehälter im Westen Deutschlands über denen im Osten liegen, werden die ostdeutschen Arbeitsentgelte hochgewertet. Das bedeutet, dass die in der DDR und in den ostdeutschen Bundesländern erzielten Entgelte mit einem Umrechnungs­faktor auf Westniveau erhöht werden. Dieser Faktor entspricht dem Verhältnis von Durch­schnitts­entgelt (West) zu Durchschnittsentgelt (Ost).Beispiel: Bei einem ostdeutschen Durchschnittsverdiener, der im Jahr 1989 für ein Jahres­entgelt von 12.392 Mark Beiträge gezahlt hat, wird dieser Wert mit dem Faktor 3,233 erhöht. Damit erreicht er nominal das westdeutsche Durchschnittsentgelt aus dem Jahr 1989 in Höhe von 40.063 DM. Im Ergebnis bekommt der ostdeutsche Durchschnittsverdiener wie auch sein westdeutscher Kollege für das Jahr 1989 einen Entgeltpunkt zugeordnet. Im Jahr 2012 beträgt der (vorläufige) Hochwertungsfaktor immer noch 1,1754.Gewinner und VerliererWer also eine Angleichung der Rentenwerte in Ost und West verlangt, um Renten­gerechtig­keit herzustellen, muss auch die Frage beantworten, was mit der Hochwertung der ost­deutschen Durchschnittsentgelte geschehen soll. Würde diese Praxis beibehalten und gleichzeitig der Rentenwert (Ost) auf das Niveau des Rentenwerts (West) angehoben, würde dies zu einer neuen Rentenungerechtigkeit zu Ungunsten der Rentner in den westdeutschen Bundesländern führen. Würde die Höherwertung der ostdeutschen Arbeitsentgelte bei Fort­bestehen der Lohn- und Gehaltsunterschiede aufgegeben, kann das insbesondere bei unteren Lohn- und Gehaltsgruppen für die Zukunft zu einer Schlechterstellung ostdeutscher Rentner gegenüber der bisherigen Lösung führen. Eine Angleichung der Ostrenten kann also dazu führen, dass es Gewinner und Verlierer gibt.



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