Ein etwas anderer Wirtschaftskongress


Bereits zum 8. Mal fand zum Ende der vergangenen Woche der „Kongress christlicher Führungskräfte“ statt, diesmal in Leipzig. In der Sachsenmetropole trafen sich über 3200 Verantwortungsträger aus Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft. Der Kongress sollte nach den Worten seines Vorsitzenden, Pastor Horst Marquardt, Führungskräfte unterstützen, um christliche Werte auch in den Wirtschaftsalltag umzusetzen: „Wenn diese Maßstäbe in Betrieben, Firmen und Verwaltungen gelebt werden, können sie von dort in die gesamte Gesellschaft ausstrahlen.“

Eindrücklicher Eröffnungsvortrag

Unter den Teilnehmern war ein breites Spektrum von Verantwortungsträgern vertreten. Von Einzelunternehmern wie der Schreiber dieses Artikels einer ist, über Unternehmer und Führungskräfte sowohl aus dem Mittelstand (die wohl größte Gruppe) als auch von Großunternehmen, bis hin zu Vertretern von Kirchen und kirchennahen Werken, Teilnehmern aus Wissenschaft und Forschung, Medien, Politik und Gesellschaft.

Entsprechend reichhaltig waren die Impulse, die in der Leipziger Messe gesetzt wurden. Einen ersten Eckpunkt hat der Hochschullehrer und Chefvolkswirt der tschechischen Handelsbank AG, Tomás Sedlácek, in der Eröffnungsveranstaltung gesetzt. Der Mann, der mit seinem Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“ im vergangenen Jahr den deutschen Wirtschaftsbuchpreis gewonnen hatte, zeigte mit Hilfe vieler Analogien aus der Bibel eindrücklich auf, wie deren Prinzipien auch im real existierenden Alltag des 21. Jahrhunderts von hoher wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und individueller Relevanz sein können. Die Wirtschaft würde ohne die Prinzipien des jüdisch-christlichen Glaubens nicht funktionieren, so Sedlácek. Umgekehrt sei das Buch der Bücher zutiefst von ökonomischen Prinzipien durchdrungen, z.B. wenn Jesus im Vaterunser „Vergib uns unsere Schulden“ bete.

Reichhaltige Impulse

Spannend fand ich insbesondere unzählige Praxisbeispiele real umgesetzten Christseins in der Wirtschaftswelt. Man kann auch heute noch viel davon erfahren, wenn man offene Augen und Ohren dafür hat. Das war u.a. auch auf der parallel zum Kongress stattfindenden Ausstellung möglich, auf der rund 250 Firmen und Organisationen vertreten waren. Aber auch auf der großen Bühne wurde diesbezüglich noch manches weitergegeben. Besonders beeindruckt haben mich u.a. die beiden Gewinner des Führungskräftepreises, die Unternehmer Markus Bönig aus Buchholz in der Nähe von Hamburg und der Dresdener Christian Michel.

Während Bönig für seine Internetplattform „Ordermed“ ausgezeichnet wurde, mit Hilfe derer Ärzte, Patienten, pflegende Angehörige, Pflegedienste, Heime und Apotheker vernetzt und für die Patienten viele Wege gespart werden, erhielt Michel die Auszeichnung für seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit, was insbesondere auch eine faire Lohnpolitik in seinem 600-Mitarbeiter-Unternehmen einschließt. Aber es gab auch noch viele andere „Best-practice“-Beispiele von gelebten Werten in der Wirtschaft, wie z.B. dasjenige der „Job Factory“ in Basel, dessen Geschäftsführer Robert Roth berichtete, dass in 12 Jahren über 2500 Berufspraktika für Jugendliche ohne Ausbildung und Schulabschluss vermittelt werden konnten.

Vor allem: Mutmachend

Natürlich, es gäbe noch viel zu berichten. Von den Workshops, wie man sie auf vielen Kongressen finden kann (z.B. „Wie aus Kunden Fans werden“) und solchen, die woanders kaum auf dem Programm stehen (z.B. „Christliche Führungsethik trifft Wirklichkeit“). Von den Begegnungen mit spannenden Menschen auf den Fluren, im Hotel und sogar in der Straßenbahn. Von weiteren interessanten Referaten vom Innenminister Hans-Peter Friedrich über den Top-Journalisten Markus Spieker bis hin zum Extremsportler Joey Kelly und, und, und.

All dies trug ein Prädikat, das in diesen Tagen leider sehr selten geworden ist: mutmachend! Ich werde zwar Zeit brauchen, um all das Gehörte einigermaßen zu verarbeiten und… natürlich… auch die eine oder andere Erkenntnis in den eigenen Berufsalltag umzusetzen.

Doch eines kann ich jetzt schon sagen: in zwei Jahren in Hamburg werde ich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit erneut dabei sein, wenn es wieder heißt: „Mit Werten in Führung gehen.“

Markus Frey
www.stressfrey.de



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