Verändert Crowdfunding die Ökonomie?



Gunnar Sohn meint in seinem Blog http://ichsagmal.com/2013/01/27/die-kraut-okonomie-nur-ein-nischen-phanomen/#comment-9477:
"Die vernetzte, kollaborative und digitalisierte Welt reduziert die Eintrittsbarrieren, um als Produzent tätig zu werden! Es fördert die Autonomie und schwächt das Regime der Fremdbestimmung. " Sohn zitiert den Philosophen Frithjoff Bergmann: „Die Kultur der meisten Mega-Konzerne mit ihren ausgeprägten Hierarchien, ihren starren Formalitäten, ihren unbeholfenen Kommunikationsmechanismen und als Resultat davon ihren langsamen Reaktionszeiten passt offensichtlich nicht mehr zu dem heute herrschenden Tempo. Sie ist nicht mehr vereinbar mit der heute existierenden Wirtschaftskultur und erscheint im Vergleich dazu alt und atemlos“.
Gunnar Sohn schließt seine Überlegungen mit einem Bekenntnis:
"Verändert sich dadurch die Ökonomie im Ganzen? Davon bin ich zutiefst überzeugt. Es ist die perfekte Form der Beteiligung, die sich im Crowdfunding manifestiert. Es könnte das etablierte Finanzsystem in den Schatten stellen, Unternehmensgründungen beflügeln, als Katalysator für Innovationen fungieren und für eine Demokratisierung der Beziehungen zwischen Unternehmen und Konsumenten beitragen."

Ich habe da mein Zweifel … Um die Ökonomie als Ganzes zu verändern, müsste das CROWDFUNDING in seiner Summe die Größenordnungen erreichen, mit denen sich der Kapitalbedarf großer Innovationen decken lässt, wie sie zum Beispiel den Kondratieffzyklen zugrundeliegen. Das sehe ich nicht kommen.

Auch die “perfekte Form der Beteiligung” gerät an ihre Grenzen, wenn bei massenhafter Beteiligung notwendig aufbrechende innere Widersprüche zwischen den Beteiligten deren Gemeinsamkeiten überdecken und dominieren. Diese inneren Widersprüche und Gegensätze spielen anfangs keine Rolle. Denn das soziale System (der Krauter) gewinnt seine Unterscheidbarkeit, seine Identität, durch die “den anderen, Etablierten” fehlende kollektive Begeisterung. Nach der Euphorie des Anfangs genügt das nicht mehr.

Möglich, dass die Krautökonomie in Bereiche von Millionen oder Milliarden vordringt. Um aber "die Ökonomie" als Ganzes zu verändern, müsste sich Kapital in der Größenordnung von Hunderten Milliarden auf diese Weise neu organisieren. Ich halte das eher für unwahrscheinlich.

Welche neuartigen Probleme auf Bewegungen zukommen, die tatsächlich eine massenhafte Beteiligung individueller Persönlichkeiten organisieren konnten, kann man wunderbar exemplarisch an aktuellen Objekten studieren: Einerseits bei Wikipedia und deren Missbrauch zum einen durch verdeckt Werbetreibende und zum anderen durch Politaktivisten , die für sich in Anspruch nehmen "die ganze Wahrheit" zu wissen und verkünden zu müssen. Auch der Auftstieg und die anschließenden Probleme von Wikileaks sollten in diesem Zusammenhang überdacht werden.



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