Je größer die Ansprüche, desto kleinlicher die Kultur



Hat Schavan in ihrer Doktorarbeit vorsätzlich plagiiert? Die öffentliche Meinung ist sich da so sicher, dass die Fakultät in Düsseldorf sagt: "Ja!"

"Die Uni Düsseldorf hat die volle Verantwortung für eine mangelhafte Promotion auf das schwächste Glied abgewälzt, die Doktorandin Annette Schavan. Das ist fatal, denn dadurch geraten wissenschaftliche Arbeiten unter Generalverdacht. Doch ohne Vertrauen keine Kommunikation - und ohne Kommunikation keine Wissenschaft." So lautet der Vorspann zum Gastbeitrag von Ernst-Ludwig Winnacker in der Süddeutschen Zeitung vom 13.2.2013.

"Wie so oft im Leben erlauben es Extremsituationen, den Blick auf ein bestimmtes System zu schärfen und seine Stärken und Schwächen zu analysieren. Mein Ausgangspunkt ist die geradezu jakobinisch anmutende Entscheidung der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Annette Schavan den Doktortitel abzuerkennen. Jakobinisch deshalb, weil auch damals, kurz nach der Französischen Revolution, Menschen in Hetzjagden verfolgt wurden, die dieses nicht verdient hatten." schreibt Winnacker.

"Welche Menschen hatten es denn verdient, in Hetzjagden verfolgt zu werden, Herr Winnacker?" fragt darauf hin der User KayH im Vroniplag.

Offenbar fühlt sich KayH so sicher und so unverrückbar im Recht, dass ihm die Absurdität dieser, seiner, Interpretation überhaupt nicht klar wird. Natürlich hat es niemand verdient, in Hetzjagden verfolgt zu werden. In allen Schriften und reden von Winnacker wird sich nicht ein Fünkchen einer Gegenrede zu dieser Selbstverständlichkeit finden lassen.

Jedem Wohlmeinenden ist doch klar, dass Winnacker etwas anderes meint: Nämlich die seit den Jakobinern sprichwörtlich gewordene Tatsache, dass jedes Recht zum Unrecht entarten kann und dann auch diejenigen verfolgt, die eigentlich, ursprünglich, gar nicht gemeint waren. Bis zum Sieg über die Feinde müsse der Terror fortgesetzt werden, sagte Robespierre. "Der Terror ist ein Mittel der Überzeugung" schrieb 120 Jahre später Lenin.

Erik Neutsch schrieb 1964 im später verbotenen Bestseller "Spur der Steine": Nicht mal vorm Kreml macht der plötzliche Wandel vom "Hosianna!" zum "Kreuziget ihn!" halt.

So ist es. Menschen sind fehlbar. Auch promovierte. Auch solche, die sich im Besitz der "richtigen" Wahrheit wähnen. Vor allem diese. "Ich bin kein Besserwisser" sagte A. "Ich weiß es WIRKLICH besser!". Lacht noch jemand?

Winnacker hat die Idee einer Clearingstelle: "Ich schlage daher vor, zusätzlich eine zentrale Stelle, beispielsweise bei der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, anzusiedeln, an die man sich in all diesen Fällen wenden kann, sei es als einzelner "Whistleblower", sei es als Fakultät, die sich als befangen empfindet. Eine Arbeitsgruppe des Inter-Academy-Council, einer Vereinigung der Akademien der Wissenschaften dieser Welt, der ich als Co-Chair vorstehe, hat dieses Engagement der Akademien kürzlich mit Nachdruck empfohlen.

Es wird Zeit, dass endlich jemand die Dinge in die Hand nimmt, um noch mehr Schaden von unserem Wissenschaftssystem abzuwenden, als durch eine Entscheidung à la Düsseldorf bereits angerichtet wurde."

Zu diesem Schaden gehören auch Übertreibungen wie die folgende, hier im Portal von Paul Panzer II entdeckte:
http://schavanplag.wordpress.com/2012/07/18/seite-37/ listet auf:
Plagiat: Typus Verschleierung,
Dissertation: Seite: 037, Zeilen: 09-12
"Durch die Gründung und Erhaltung von politischen Gemeinwesen schließlich schafft menschliches Handeln die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen und damit für Geschichte."

Das wird als "Plagiat" einer Stelle von Hannah Arendt "enttarnt". In deren Buch "Vita Activa – oder Vom tätigen Leben", Stuttgart, W. Kohlhammer, 1960, steht auf Seite 15 in den Zeilen: 29-32: "[...] das Handeln schließlich, soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, schafft die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte."

Liebe Freunde von Schavanplag, Medien und Düsseldorfer Universität:
Wollt Ihr Euch wirklich soweit herablassen, zu behaupten, ein Allgemeinplatz wie dieser sei ein neuer "originärer" Gedanke von Hannah Arendt, der plagiatsfähig sei?

Wollt Ihr wirklich behaupten, Euch wäre dieser Gedanke so neu, ihr hättet ihn nur zweimal gefunden, bei Schavan und Arendt? Wenn das so sein sollte, dann graust mir vor Euren Elaboraten ums Hundertfache mehr als vor allen Schriften von Schavan.

Es wird Zeit, das Prinzip GMV zu berücksichtigen. Kennen Sie nicht? GMV steht für Gesunder Menschenverstand.



Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen