Blaue Lupine soll die bessere Soja werden



Ob Speiseeis, Kuchen oder Würstchen: Experten glauben, dass Lupinen die Funktion von Soja übernehmen können. Sie wollen ihrem Eiweiß den bitteren Geschmack austreiben.

Nach jahrelanger Forschung hat die Blaue Süßlupine den Sprung als Eiweißlieferant in die Ernährungsindustrie geschafft. Damit könnten hochwertige, rein pflanzliche Lebensmittel hergestellt werden, sagte die Geschäftsführerin der Neubrandenburger Prolupin GmbH, Katrin Petersen. "Wir können tierische Eiweiße ersetzen." Dazu gehörten Milch, Fleisch, Fett oder Ei. Die Lupine könnte damit einen Teil des Sojamarktes übernehmen.

Aus der Blauen Lupine kann pflanzliches Eiweiß gewonnen werden
Aus den Früchten der Lupine wird zunächst ein hochreines Eiweißisolat hergestellt, das dann verschiedene tierische Eiweiße in den Lebensmitteln ersetzen könnte. Derzeit werde die Pflanze als Zusatzstoff beispielsweise in Speiseeis, Kuchen oder Würstchen verwendet. Die Lupineneiweiße könnten in der Wurst Fett ersetzen. Die Verminderung der Kalorien trage zu einer Verbesserung der Ernährung bei. Inzwischen habe eine bundesweite Lebensmittelkette das Lupinen-Speiseeis im Angebot, sagte Petersen.

Vier Lebensmittelunternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern, unter anderem Fleischverarbeiter und Bäcker, hätten den Probebetrieb aufgenommen. Der nächste Schritt sei nun, rein pflanzliche Wurst- und Fleisch-Ersatzprodukte auf Lupinenbasis zu entwickeln.

Wenn man Milchprodukte nicht verträgt

Die Lebensmittelindustrie hat eine neue Nische für sich entdeckt: In den Supermarktregalen finden sich immer häufiger sogenannte laktosefreie Milchprodukte. „Der Begriff 'laktosefrei' stimmt jedoch nicht ganz", erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. „Genau genommen wurde den Produkten einfach das Enzym Laktase zugesetzt."

Dadurch findet der entscheidende Umbauprozess, der normalerweise erst im Dünndarm abläuft, bereits im Produkt statt: Der Milchzucker wird in die verträglichen Einfachzucker Glukose und Galaktose aufgespalten - übrig bleibt lediglich ein minimaler Restgehalt von 0,1 Milligramm Laktose pro 100 Gramm Lebensmittel. Die Produkte können den Alltag sehr erleichtern, sind allerdings deutlich teurer als herkömmliche Milcherzeugnisse.

Auch Restaurantbesuche können für Patienten mit Laktoseunverträglichkeit unangenehme Folgen haben: Selbst ein Salat kann durch die Joghurtsoße Symptome verursachen, und im dazu gereichten Baguette kann sich ebenfalls eine beträchtliche Menge Milchzucker verbergen. „Hier empfiehlt es sich, den Koch zu bitten, die Laktoseunverträglichkeit bei der Zubereitung der Speisen zu berücksichtigen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann vor dem Essen zudem spezielle Laktase-Tabletten einnehmen. Damit führt man dem Körper das Enzym künstlich zu", sagt Gahl. Von der dauerhaften Nutzung solcher Medikamente rät die Ernährungsexpertin jedoch ab. Zudem sollten Betroffene die Verwendung zuvor mit einem Arzt absprechen.

Die Lupine gelte als die "Soja des Nordens", sie gedeihe unter den hiesigen Klimabedingungen vorzüglich, sagte Thomas Eckardt von der Saatzucht Steinach (Bayern). Darüber hinaus sei sie Stickstoffsammler und schließe den Boden auf.

Die etwa erbsengroßen Samen der Lupine enthalten den Angaben zufolge bis zu 40 Prozent Eiweiß. Die vielen Hundert verschiedenen Eiweiße könnten in unterschiedlichen Aufbereitungen bei der Lebensmittelverarbeitungen verwendet werden. Eine der wichtigsten Aufgaben der vergangenen Jahre sei gewesen, das Eiweiß so zu isolieren, dass es den bitteren, bohnigen Lupinengeschmack verliert, sagte Peter Eisner vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik in Freising (Bayern). Dieser Geschmack wäre von den Verbrauchern nicht akzeptiert worden.

Derzeit werden Lupinen in Deutschland vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg auf rund 24.000 Hektar angebaut. Der durchschnittliche Ernteertrag liege bei zwei bis drei Tonnen pro Hektar. In den kommenden zehn Jahren soll die Anbaufläche verzehnfacht werden.

Als erstes Produkt ist die Eiscreme "Lupiness" in vier Geschmacksrichtungen in den EDEKA-Märkten erhältlich.

Die Firma ProLupin GmbH ist ein Beteiligungsunternehmen des Venture Plus Fonds 3.
Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der ProLupin GmbH können nur über Fondsanteile am V+3 Fonds erreicht werden.
Der Venture Plus Fonds 3 wird voraussichtlich Mitte 2012 geschlossen werden, ob der Nachfolgefonds Venture Plus Fonds 4 eine weitere Beteiligung an der Firma ProLupin GmbH eingehen wird, ist nicht vorhersehbar.

Kommentare
Soja des Nordens
Verfasst von admin am 27. März 2012 - 12:59.

Klasse, dass die Lupinenforschung und -verarbeitung jetzt diesen Vermarktungsstand erreicht hat. Das ist Innovation für regionale Wirtschaftskreisläufe.
Helfried Schmidt



Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen