Bundesbank gegen den Rest der Welt



Das Handelsblatt hat seine Titelgeschichte heute "Gegen den Rest der Welt" überschrieben, weil der einsamste aller Amtsträger derzeit Bundesbank-Chef Jens Weidmann ist, ohne dass er etwas falsch gemacht hätte.

Sein Problem ist, dass ihn alle anderen für einen "sturen Alten" halten: Für sein Beharren auf der traditionellen deutschen Stabilitätspolitik, für sein Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Notenbank, für seine Priorität der Inflationsbekämpfung und der Ablehnung der Staatsfinanzierung durch die Gelddruckmaschine wird er hinter den Kulissen gemaßregelt wie ein Student, der durch die Vorklausur gefallen ist.

Diese Maßregelung passiert dort ganz offen, wo man sich stark fühlt: bei den Amerikanern oder EZB-Präsident Mario Draghi. Sie passiert zu Hause noch eher versteckt, zum Beispiel im Kanzleramt Angela Merkels und in der Bundesregierung.

Nur FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle stützt Weidmann: "Die EZB darf nicht zur Europäischen Zentraldruckerei werden". "Aber die FDP ist keine Weltmacht. Derzeit ist sie nur ein Zwergenstaat." resümmiert Gabor Steingart in seinem täglichen Newsletter.

Weidmanns Vorgänger Axel Weber und Jürgen Stark traten wegen solcher Querelen zurück. Sie hielten den Druck, gegen ihre Überzeugungen reden und handeln zu sollen, nicht aus. Sie wollten auch nicht zum Handlanger einer grundfalschen Politik werden.

Vor über 20 Jahren gab es ein ähnliches Vorkommnis. Karl Otto Pöhl, Staatsekretär unter den Bundesfinanzministern Helmut Schmidt und Hans Apel seit 1980 Präsident der Bundesbank, trat 1991 zurück. Er konnte Helmut Kohls Optimismus bezüglich der Vorgehensweise bei der wirtschaftlichen Wiedervereinigung und insbesondere der Festlegung des Wechselkurses zur Einführung der D-Mark in der DDR nicht teilen. Insbesondere die Tatsachen, dass diese überstürzte Währungsunion der verbliebenen DDR-Wirtschaft die Ostmärkte kostete, weil die nicht in D-Mark zahlen konnten, und dass dadurch eine Million zusätzliche Arbeitslose produziert wurden, die anschließend über Sozialtransfer aus dem Westen in Multimilliardenhöhe ernährt werden mussten, war damals schon klar - blieb aber ungehört.

2005 trat Pöhl auch aus der SPD aus, weil diese sich über die Jahrzehnte vor allem wirtschaftspolitisch zu sehr nach links orientiert habe. Der ehemalige Bundesfinanzminister Wolfgang Clement trat 2008 aus der SPD aus, die sich zuvor eine Schlacht um die Frage geleistet hatte, ob sie ihn wegen Parteischädigung ausschließen dürfe. Auch er wirft der SPD mangelnde Abgrenzung von den Linken vor sowie eine Wirtschaftspolitik, die auf eine Deindustrialisierung Deutschlands hinausliefe

Kommentare
Was ist der Staat? Eine Fiktion!
Verfasst von Gast am 30. Juni 2012 - 12:58.

Der Staat - das ist die große Fiktion, daß jedermann auf Kosten von jedermann leben kann.
Frédéric Bastiat

© www.zitate.eu


ESM als Staat im Staate
Verfasst von Gast am 30. Juni 2012 - 12:52.

Der ESM ist in Wirklichkeit kein ”Mechanismus”, sondern eine Art Behörde oder Bank mit diktatorischen Vollmachten. Der ESM soll das Finanzwesen der EU lenken. Der ESM ist mit praktisch unbegrenzten Vollmachten ausgestattet. Der ESM genießt vollumfängliche gerichtliche Immunität. Er ist von Durchsuchungen und jeglichem Zugriff der Gerichte befreit. Die Archive des ESM sind unzugänglich. "Das gesamte Eigentum sowie alle Finanzmittel und Vermögenswerte des ESM sind von Beschränkungen, Verwaltungsvorschriften, Kontrollen und Moratorien jeder Art befreit". Der ESM ist von Steuern befreit. Der ESM ist ein Staat im Staate.
Quelle: http://www.fachinfo.eu/europapolitik.htm


Richard Sulik: Warum die Slowakei gegen EFSF stimmen muss
Verfasst von Helfried Schmidt am 14. Juni 2011 - 13:25.

http://richardsulik.blog.de/2011/09/27/slowakei-efsf-stimmen-11925443/

Mein Name ist Richard Sulík und seit Juli 2010 bin ich der Präsident des slowakischen Parlaments (predseda Národnej rady SR). Meiner Nominierung sind die Parlamentswahlen im Juni 2010 vorgegangen, die für die Partei SaS (Sloboda a Solidarita = Freiheit und Solidarität, gegründet im März 2009), deren Vorsitzender ich bin, sehr erfolgreich waren (12,14%). Außerdem ist die SaS in einer Viererkoalition und stellt die Minister für Soziales, Wirtschaft, Verteidigung und Kultur.

Schon Im Wahlkampf (Frühjahr 2010) haben wir die erste Griechenlandhilfe abgelehnt und waren mit dieser Position nicht die einzige Partei. Unser Hauptargument war, dass diese Hilfe nicht den Griechen selbst zukommt, sondern den Banken (die jahrelang mehr als ordentlich an hohen Zinsen verdient haben) und dass Griechenland die Zahlungsunfähigkeit erklären muss, damit es zu einem wirklichen Schuldenschnitt kommt. Es ist gelungen die erste Griechenlandhilfe im slowakischen Parlament zu stoppen, womit wir dem slowakischen Steuerzahler 800 mil. Euro gespart haben.

Gleichzeitig haben wir für den befristeten Rettungsschirm (EFSF) gestimmt und zwar aus folgenden drei Gründen:

Der Rettungsschirm ist auf drei Jahre befristet und es wird keinen dauerhaften Rettungsschirm geben.
Es wird nur solchen Ländern ein Darlehen gewährt, bei denen „die Fälligkeitstermine die Tragbarkeit der Schuldenlast gewährleisten“.
Es werden nur Länder gerettet (keine Banken).
Wie wir heute wissen, nichts von dem ist wahr und ich persönlich bereue, dass wir damals so gutgläubig waren. Das ist natürlich nicht der einzige Grund, warum die SaS gegen die Erweiterung des EFSF stimmen wird.

Allgemeine Gründe

Der EFSF versucht die Schuldenkrise mit neuen Schulden zu lösen. Das ist wie wenn man versucht ein Feuer mit Ventilator oder Benzin zu löschen und aus diesem Grund ist der EFSF substanziell eine kontraproduktive Lösung.

Der befristete EFSF hat eine Kapazität von 250 Mrd. Euro, von dieser Summe wurden 71 Mrd. Euro für Irland und Portugal ausgegeben, es sind momentan 179 Mrd. Euro verfügbar. Das reicht für kleinere in Frage kommende Länder wie Zypern, Malta, Belgien und Slowenien. Für große Länder Spanien und Italien reicht selbst die Summe des auf 440 Mrd. Euro erweiterten EFSF nicht. Es entsteht also die Frage, für was sollen die 190 Mrd. Euro (Erhöhung von 250 auf 440 Mrd. Euro) benutzt werden?

Wie aus der Presse zu erfahren ist, brauchen laut einer Analyse des IWF die europäischen Banken ca. 200 Mrd. Euro, also recht genau die Summe, um die die Kapazität des EFSF erhöht werden soll. Momentan darf der EFSF zwar keine Banken retten, aber eben das soll durch eine massive Kompetenzerweiterung ermöglicht werden. Über diese Kompetenzerweiterung gab es in der Slowakei vor dem 21. Juli keine Informationen und schon gar keine Diskussion. Bleibt zu erwähnen, dass vor 12 Jahren die slowakischen Banken gerettet werden mussten, was den slowakischen Haushalt 8 Prozent des BIP gekostet hat und niemand hat uns geholfen (was auch richtig war).

Auch soll der erweiterte EFSF Staatsanleihen kaufen dürfen, zum Beispiel italienische. So wie es bereits die EZB tat, was im eindeutigen Widerspruch zu deren Grundsätzen steht. Man braucht sich dann nicht zu wundern, dass die Märkte nervös sind und kein Vertrauen haben, wenn ständig irgendwelche Regeln gebrochen werden und die verantwortlichen Politiker nicht die Wahrheit sagen.

Aber zurück zu Italien. Die EZB hat also die Staatsanleihen aufgekauft, weil die Zinsen auf fast 6 Prozent gestiegen sind. Dass soll ein Grund sein? Italien hat das zweithöchste Defizit der Eurozone (120 % des BIP) und gleichzeitig die dritthöchsten Goldreserven weltweit (2500 Tonnen). Wenn jemand in Italien der Meinung ist, dass die Zinsen für neue Staatsanleihen zu hoch sind, dann muss eben das Gold verkauft werden. Und einige Staatsbetriebe dazu. Und vor allem muss das Land anfangen zu sparen. Doch stattdessen kauft die EZB die Staatsanleihen um die Zinsen niedrig zu halten und um weiteres Verschulden Italiens zu ermöglichen. Genau das ist der moralische Hasard. Ironie ist, dass die Leute, die diesen moralischen Hasard zu verantworten haben, sich gleichzeitig über den Vertrauensverlust beklagen.

Spezielle Gründe

Nun ein paar Worte zu Slowakei. Mit 5,5 Millionen Einwohnern und 65 Mrd. Euro BIP sind wir ein kleines Land. Mit weniger als 800 Euro Durchschnittsgehalt und weniger als 400 Euro Durchschnittsrente sind wir auch ein armes Land. Bis heute gibt es zum Beispiel keine Autobahnverbindung zwischen den zwei größten Städten, Bratislava (Hauptstadt) und Košice.

Auf der anderen Seite, soll die Slowakei mit 7,7 Mrd. Euro ca. 11,73 % seines BIP bezahlen, während Deutschland mit 211 Mrd. Euro nur 8,45 % des deutschen BIP zu zahlen hat, ganz zu schweigen von Luxemburg, welches 1,9 Mrd. Euro 4,83 % des luxemburgischen BIP zu zahlen hat.

Noch ungerechter sind die Garantien, ausgedrückt in durchschnittlichen Monatsgehältern. In Deutschland muss jeder Einwohner mit dem 0,8-fachen eines monatlichen deutschen Durchschnittsgehaltes haften, in der Slowakei mit 1,87 des slowakischen. Das ist unseren Bürgern schlicht nicht vermittelbar.

Nicht nur, dass wir schlechte Infrastruktur besitzen und die niedrigsten Gehälter haben, wir müssen auch noch die höchsten Garantien (gemessen am Durchschnittsgehalt) ausstellen, damit Griechenland seinen Rentnern das Vierfache der slowakischen Rente auszahlen kann, Irland seine 12,5 prozentige Einkommenssteuer behalten kann und Italien seinen Abgeordneten 15 Tausend Euro monatlich zahlen kann. In diesem Zusammenhang von Solidarität (von Solidarität der Slowakei mit wesentlich reicherem Italien) zu sprechen, ist einfach pervers.

Wir müssten unseren Bürgern erklären, dass sie potenziell (wenn es zur Einlösung der unwiderruflichen und bedingungslosen Garantien kommt) zum Beispiel eine höhere MwSt. zu bezahlen haben, damit Italien oder Griechenland weiterhin einen viel höheren Lebensstandard als die Slowakei behalten können. Vielleicht ginge das, nur dafür bin ich nicht gewählt worden. Wenn die deutschen Politiker meinen, sie müssen unbedingt 211 Mrd. Euro oder vielleicht das Doppelte an Steuergeldern irgendwohin nach Tramtaria schicken, sollen sie das tun. Wir werden für das Geld lieber endlich die Autobahn nach Košice zu Ende bauen.

Alle unsere Gründe den EFSF abzulehnen haben wir in einer kleinen Broschüre, die es auch in deutscher Sprache gibt, niedergeschrieben. Deswegen will ich nicht ins Detail gehen und nur noch ein Argument erwähnen:

Uns wird vorgeworfen, dass im Falle einer Ablehnung des EFSF, wir die ganze Eurozone blockieren werden. Das mag sein, es ist jedoch nicht unsere Schuld. Während für die Gründung des EFSF 90 % des Stimmkapitals genügt haben, müssen es für die Erweiterung 100 % sein. Keine Ahnung, wer das ausgedacht hat, aber es ist nicht korrekt auf diese Weise Druck auszuüben. Wären auch für die Erweiterung nur 90 % nötig, würde die Slowakei niemanden blockieren. Jetzt aber wurden wir unnötig vor die Entscheidung gestellt, entweder andere Länder (die es offensichtlich kaum erwarten können neue Schulden zu machen, um die Schuldenkrise zu lösen) zu blockieren oder dem slowakischen Steuerzahler langfristig 3,3 Mrd. Euro zu sparen. Ein kurzer Gedanke an unser Mandat reicht, um ohne jegliche Zweifel zu wissen, dass nur die zweite Alternative in Frage kommt. Dafür werden wir in Brüssel wohl nicht gelobt werden. Wir werden jedoch unseren Kinder mit sauberem Gewissen in die Augen schauen können.


Im Interview mit der WELT am 26.08.11
Verfasst von admin am 24. September 2011 - 13:28.

"Wir Slowaken hatten 40 Jahre lang die Sowjetunion mit ihrer sozialistischen Planwirtschaft am Hals. Setzen sich die Befürworter einer europäischen Wirtschaftsregierung durch, können wir als Land nicht einmal mehr über die Steuergesetze selbstständig entscheiden. Das wollen wir nicht. Davon war keine Rede, als wir der Euro-Zone beitraten. Ich erinnere mich sehr gut, welche Regeln galten: Schuldengrenzen, das Bail-out-Verbot nach Artikel 125 des Lissabon-Vertrags, ein Verbot für die Europäische Zentralbank, Staatsanleihen aufzukaufen. Das alles gilt nicht mehr – und ich frage, warum. Solide Gesellschaften halten ihre Regeln ein."

http://www.welt.de/wirtschaft/article13567671/Slowakei-Lasst-Griechenland-pleitegehen.html


Weidmann gegen den Rest der Welt
Verfasst von Gast am 7. März 2012 - 17:36.

Im Juli 2011 äußerte er in der Zeit deutliche Kritik an der deutschen Politik und sprach sich gegen den Aufkauf von Staatsanleihen durch den europäischen Rettungsfonds aus. Im September 2011 distanziert sich Weidmann von der Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank EZB, die mit ihren geldpolitischen Maßnahmen zur Beruhigung der Märkte beträchtliche Risiken in ihre Bilanz genommen habe, für welche mit 27 Prozent der deutsche Steuerzahler gerade stehen müsse. Vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages kritisiert Weidmann die Aufstockung des Garantierahmens für den EFSF auf 780 Milliarden Euro. Heute ist er im eigenen Land isoliert, resümmiert das Handelsblatt.


Weidmanns Heil
Verfasst von Wolf-Dieter Schwidop am 8. März 2012 - 11:19.

Hoffentlich hält er durch und findet noch mehr die sich wehren!


Noch ist Weidmann stark
Verfasst von Gast am 26. März 2012 - 19:38.

Die lockere Geldpolitik der EZB bringt Risiken und Nebenwirkungen mit sich, hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann vor einer Woche gesagt. Er will noch dieses Jahr aus den Krisenprogrammen aussteigen. "Sollten sich die Inflationsaussichten verschlechtern, werden wir sofort vorbeugend eingreifen", versprach inzwischen auch EZB-Chef Mario Draghi.

Was kommt zuerst? Weidmanns Fall oder die Inflation?

Bert Hanno, Berlin



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