Burnout – und dann?



Betriebliches Eingliederungsmanagement hilft Betroffenen, wieder in den Beruf zurückzukehren

Stress am Arbeitsplatz, ständige Erreichbarkeit, mangelnde Anerkennung: Wenn Menschen viel leisten, die Rahmenbedingungen jedoch nicht stimmen, steigt die Gefahr, dass die Psyche leidet und mit schwerer Erschöpfung reagiert. Das Burnout-Syndrom ist mittlerweile einer der häufigsten Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit, die nicht selten mehrere Wochen oder Monate andauert. Was viele nicht wissen: Der Arbeitgeber hat in einem solchen Fall eine gesetzlich vorgeschriebene Fürsorgepflicht zu erfüllen. Betroffene haben die Möglichkeit, an einem Betrieblichen Eingliederungsmanagement teilzunehmen, welches die Ursachen analysieren und möglichst beseitigen soll.

„Die Diagnose Burnout überfordert meist Kollegen und Arbeitgeber“, weiß die Münchner Rechtsanwältin und Mediatorin Angela Huber. „Im Gegensatz zu einer Erkältung oder einem Beinbruch gibt es keine Standarddiagnose, die Symptome sind vielschichtig.“ Betroffene leiden etwa unter Angstzuständen, Panikattacken oder Herzbeschwerden, bekommen einen Hörsturz oder Schlafstörungen. Auch psychosomatische Erkrankungen sind keine Seltenheit – etwa wenn der Arbeitsdruck bis in die Bandscheibe geht.

Sind Beschäftigte sechs Wochen innerhalb eines Jahres arbeitsunfähig, ist der Arbeitgeber seit Mai 2004 zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) verpflichtet. Zusammen mit dem Betroffenen werden individuelle Maßnahmen erarbeitet die helfen, die Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen und weiteren Erkrankungen vorzubeugen. „Das kann eine medizinische Reha, eine frühzeitige Leistungserprobung durch eine stufenweise Wiedereingliederung, die Unterstützung einer beruflichen Tätigkeit vor Ort, eine Arbeitszeit- oder Aufgabengestaltung sein oder die Versetzung in eine andere Abteilung“, sagt Angela Huber. Ein Aufwand, der sich für den erkrankten Mitarbeiter auszahlt: Die Teilnahme am Arbeitsleben bleibt erhalten, einer Arbeitslosigkeit aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen wird vorgebeugt. Notwendige Schulungsmaßnahmen für einen eventuellen Arbeitsplatzwechsel können durchgeführt und gefördert werden. Angela Huber: „Gerade im psychischen Bereich ist es wichtig, frühzeitig zu reagieren, da sich sonst die Probleme weiter verschlimmern können.“

„Für Unternehmen bedeutet das BEM weit mehr als nur eine bloße Gesetzesvorschrift“, betont die Juristin, die deutschlandweit bereits über 200 BEM-Einzelfälle betreut hat und das Instrument in mittelständischen Unternehmen einführt, prüft oder optimiert. „Eine ganze Unternehmenskultur kann und muss sich wandeln – vom Wegschauen zum Sich-Kümmern.“ Aus ihrer Erfahrung weiß Angela Huber, dass es in vielen Personalabteilungen häufig an Zeit und Kapazitäten fehlt, um ein erfolgreiches BEM durchzuführen. Hier leistet sie Hilfestellung: schult Personalabteilungen und Führungskräfte im Umgang mit erkrankten Mitarbeitern oder führt als externe Expertin die komplette Maßnahme durch – vom Erstgespräch bis zur Erfolgskontrolle.

Die Rechtsanwältin und Mediatorin sieht sich dabei als neutrale Person, die mit der Politik des Unternehmens nichts zu tun hat. Ein Vorteil bei eingefahrenen Situationen: „In Diskussionen kann ich emotionale Spitzen rausnehmen und vermitteln“, berichtet sie. Mitarbeiter, die sich ihrem Arbeitgeber nie öffnen würden, fassen Vertrauen, denn Datenschutz und Schweigepflicht stehen an erster Stelle. Die auf Arbeits- und Sozialrecht spezialisierte Juristin arbeitet dabei eng mit einem Netzwerk an Experten, wie etwa Psychologen, Betriebsärzten oder Suchtexperten zusammen.

Burnout vorbeugen – Was Sie selbst tun können

Drohen Sie in die Erschöpfungsspirale zu kommen, drehen Sie an den drei Stellschrauben effektiver Stressbewältigung:

• Den Stressoren: Reduzieren oder schalten Sie einige Stressoren aus, indem Sie Stress auslösende Bedingungen verändern, wie zum Beispiel Probleme lösen, ungerechtfertigte Kritik zurückweisen oder Gespräche mit Konfliktpartnern führen. Sorgen Sie für Beständigkeit in Ihrem Leben: Der Kaffee am Morgen, der Spaziergang in der Mittagspause, der Roman vor dem Schlafengehen – unsere Gewohnheiten geben Sicherheit und Stabilität in der Hektik des Alltags.

• Der Stressreaktion: Bewerten Sie nicht gleich alles negativ. Versuchen Sie einen Perspektivenwechsel und holen das Positive aus der Situation heraus. Ersetzen Sie das Wort „ich muss“ in „ich will“.

• Dem Menschen: Erhöhen Sie ihre Belastbarkeit durch aktive Entspannung und Bewusstseinstraining. Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Bewegung. Gemäßigter Sport wie Nordic Walking, Schwimmen oder Fahrrad fahren schafft einen sinnvollen Ausgleich – gefährdender Ehrgeiz ist hier jedoch fehl am Platz. Nehmen Sie sich genügend Zeit für Entspannung – bewährt haben sich Techniken wie die progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga. Schaffen Sie in der Arbeitszeit genügend Pausen und ernähren Sie sich gesund.

Angela Huber

ist Rechtsanwältin und Mediatorin BM. Sie spezialisierte sich durch Fachanwaltsausbildungen auf die Gebiete des Arbeits- und Sozialrechts und ist durch den Bundesverband Mediation zertifiziert.
Mittelständischen Unternehmen bietet sie eine umfassende rechtliche und fachliche Beratung bei der Einführung und Optimierung eines auf das Unternehmen angepassten Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM), betreut als Fallmanagerin zahlreiche BEM-Fälle und rundet ihr Beratungsangebot durch Methodenkompetenz in der Konfliktprävention und Mediation ab.
Ihre Expertise beruht auf langjähriger Erfahrung als juristische Referentin in der Personalabteilung der Fraunhofer-Gesellschaft e.V. und als Disabiliy Managerin für mittelständische Unternehmen.
www.angela-huber.de

Kommentare
Burnout und die Konfliktscheu mancher Zeitgenossen
Verfasst von Helfried Schmidt am 5. November 2012 - 14:09.

In bin ein großer Freund des gesunden Menschenverstandes. Deshalb bin ich ein großer Freund der Mediation. Sie ist der gesunde Menschenverstand bei (Rechts)Streitigkeiten. In Bagatellfällen ist es allemal besser, sich außergerichtlich zu einigen, als aus einem Streitwert von 100 Euro einen Rechtsfall von 1.000 Euro zu machen. Auch in größeren Fällen kann Mediation wirtschaftlicher sein, da letztlich immer das alte Wort gilt: Vor gericht und auf hoher See bis Du allein mit Gott.

Wie alles im Leben hat auch die Mediations-Diskussion mindestens zwei Seiten. Jede Übertreibung schadet. Das ist nicht nur beim Essen oder in der Erziehung so, sondern auch beim Streiten und beim Schlichten.

Mancher glaubt, Konflikte an sich wären etwas, was die Welt schlechter macht. Sie müssten daher grundsätzlich "gelöst" werden, wie man eine Krankheit therapiert.

Das ist ein Irrtum. Konflikte haben immer das Potential der Erneuerung. Manchmal muss man Konflikte schüren, um Entwicklung zu erzwingen. Auch im Bereich der Personalentwicklung ist das nicht anders. Eine überaus hellsichtige Darstellung gelang Regiona Mahlmann: Führungskräfte müssen nicht „Pampern“
http://www.pt-magazin.de/newsartikel/archive/2012/november/05/article/fuehrungskraefte-muessen-nicht-pampern.html Sehr zu empfehlen!


"Der Fisch stinkt vom Kopf..."
Verfasst von admin am 14. August 2012 - 14:48.

I. M schrieb https://www.xing.com/net/pric2e03cx/querdenker/querdenker-cafe-194862/der-fisch-stinkt-vom-kopf-41711518/41727946/replied/?wsa=26515955.0598a4#41727946:

"Mitunter wird der Leitende auch schlichtweg alleingelassen."

Genau! Es ist ja keineswegs so, dass immer nur mangelnde Kommunikation "nach unten" Ursache den Defiziten ist, die ansonsten nicht entstehen würden. Jeder von uns kennt doch auch die Situationen, in denen "der Leitende" machen konnte was er wollte, er wurde dennoch von seinen Mitarbeitern ausgebremst, teils durch passive Sabotage, teils wegen völlig privat-persönlicher Hintergründe etc pp. (siehe auch jährliche Gallup-Studie). Nun kann man natürlich sagen: Dann hat der Leiter versagt.

Okay. Richtig. Aber ich wehre mich gegen die häufig anzutreffende "rosarote Brille" dass alle Mitarbeiter gern 100 Prozent geben würden, wenn sie nur "richtig" geleitet würden.

DAS ist AUCH eine Illusion.


Burnout ist nicht nur ein Angestelltenproblem
Verfasst von Gast am 14. Juni 2012 - 11:30.

http://unternehmerbewegung.wordpress.com/2012/06/13/suizid-bank-lehnt-vergleich-ab/
Im Frühjahr 2010 mussten wir für unseren 30 Jahre alten Handwerksbetrieb, 10 Mitarbeiter, Insolvenz beantragen. Vorausgegangen waren Kreditkündigungen unserer Hausbank, weil wir Ende 2009 mit Zins und Tilgungsraten 3 Monate im Verzug waren. Ausgelöst durch Umsatzeinbruch, Forderungsausfälle, schlechte Zahlungsmoral. ... mit der Zerschlagung unseres Unternehmens fing die Hölle erst richtig an.
... Ein Gerichtsvollzieher holte die Sammlung, in Begleitung von zwei Polizisten ab. Er war am Ende seiner Kräfte. Freunde mit denen wir früher schöne Feste feierten, waren in der Versenkung verschwunden. Aus Scham kapselte er sich völlig ab, fing an zu trinken, wurde aggressiv. Die Spannungen in der Ehe wurden unerträglich. Ich zog, um meinem Leben noch etwas abgewinnen zu können, in eine andere Wohnung. Besuchte ihn jedoch regelmäßig.
Eine Monat später fanden wir ihn zuhause erhängt. ...

Darüber schreibt die Presse nicht!


Richtig leben
Verfasst von admin am 4. Juli 2012 - 12:27.

"Lebe, wie du, wann du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben."
Christian Fürchtegott Gellert

© www.zitate.eu



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