Lebensweisheiten mal überprüfen



Menschen orientieren sich oft an Lebensweisheiten. Über zig Generationen werden sie überliefert. Und kaum jemand denkt bewusst darüber nach, ob sie überhaupt gut für unser miteinander sind.

Lebensweisheit: Behandle den anderen so, wie Du selbst behandelt werden willst.

Ist das wirklich sinnvoll oder will meine Gegenüber nicht so behandelt werden, wie er es will. Wenn ich ihn so behandle, wie ich behandelt werden will ... bringe ich da nicht meine Interessen in den Vordergrund, statt auf ihn einzugehen?

Ist es nicht besser seinen Gegenüber so zu behandeln, wie er behandelt werden will?

Holger Tiegel
Werbetexter

Kommentare
Manchmal muss man Indien suchen, um Amerika zu finden
Verfasst von admin am 3. März 2013 - 19:03.

Zum Neujahrsempfang der DFG in Berlin am 14.1.2013 redete natürlich der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Professor Dr. Peter Strohschneider. Das Redemanuskript kann man hier nachlesen: http://dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2013/13011...

Zwei Zitate sollen hier herausgegriffen werden:
Erstens: "Der Wissenschaftsföderalismus, das Verhältnis von Forschung und Lehre, von Lehrkapazitäten und Lehrqualitäten, von hochschulischer und außeruniversitärer Forschung, die Organisation von Forschung und Forschungsförderung, die Proportionen von Grundfinanzierung und Drittmitteln, von projektförmig organisierbaren Funktionen und Daueraufgaben: All diese Fragen stehen zur Diskussion. .... Und sie werden entschieden werden müssen in einer Zeit, die geprägt ist durch die weltgestaltende Kraft moderner Forschung und die Dynamiken der Wissenschaftsgesellschaft, aber eben auch durch die Eigenlogiken von staatlicher Schuldenkrise und Bundestagswahlkampf. Dabei gibt es für die Entscheidung der angedeuteten Fragen keinen Masterplan; womöglich wäre es nicht einmal klug, einen haben zu wollen. Wohl aber müssen wir eine sehr intensive und differenzierte Sachdebatte führen."

Ein äußerst kluger Satz vom Forscherpräsidenten, den sich alle hinter die Ohren schreiben sollten, die in Politik oder Medien bei höchst komplexen Sachfragen vorschnell nach DEM EINEN Masterplan rufen und alle abweichenden Diskussionen verurteilen.

Dazu passt auch folgendes:
Zweitens: "Der amerikanische Wissenschaftssoziologe Robert K. Merton hatte von serendipity gesprochen, vom Finden dessen, was man gar nicht gesucht hatte, obwohl man durchaus auf der Suche gewesen war. Und die weltgeschichtliche Bedeutung dieses Entdeckungsprinzips verdeutlicht am prägnantesten Kolumbus: Amerika war keineswegs die Lösung für das Problem des Seeweges nach Indien – und trotzdem in der Retrospektive ja doch irgendwie ziemlich relevant."


Indinen, Amerika und die Hosentaschen
Verfasst von Holger Tiegel am 4. März 2013 - 9:56.

Ganz pragmatisch kann man zusammenfassen: Sei glücklich und dankbar für das was Du gefunden hast und freu Dich auf weitere Entdeckungen.

Schaue in Kinderaugen. Sie freuen sich immer über das was sie in ihren Hosentaschen finden und beklagen sich nicht darüber was sie vergeblich suchten. Und sie haben keinen Masterpplan, sie haben mindestens zwei (Hosen)taschen.


Wenn Sprichwörter in die Irre führen
Verfasst von admin am 6. Februar 2013 - 10:59.

Hallo, Holger,

das ist zwar ein interessanter Gedanke. Aber dennoch führt er meiens Erachtens in die Irre! Vorausgesetzt wird ja bei der Lebensweisheit, die Du hinterfragst, dass jemand ein mündiger, wissender, und zugleich guter Mensch ist. Und dass er DESHALB die anderen so behandelt, wie er selbst behandelt werden will.

Wenn Du nun unterstellst, derjenige ist ein Egoist, oder ein Verbrecher, dann gilt das Sprichwort selbstverständlich nicht.

Das Problem ist wie so häufig die "falsche" Verallgemeinerung.

Deine Umkehrung hilft da auch nicht wirklich. Ich bezweifle, dass Du an Stelle des Kannibalen von Rothenburg nicht den Wunsch des offenbar gestörten Bernd Brandes befolgt hättest, ihm den Penis abzuschneiden, diesen zu braten, ihn gemeinsam zu verspeisen und Brandes anschließend zu töten.

Das Leben ist komplex, es entwickelt sich in Gegensätzen und Widersprüchen. "Jede Medaille hat zwei Seiten" sagt der Volksmund. Meistens gibt es sogar noch mehr als zwei verschiedene Interpretationen. Diese Komplexität erscheint Menschen häufig als Kompliziertheit. Wer die Welt so sieht - kompliziert -, der fühlt sich schnell ausgeliefert, hilflos, wirkungslos. Wer aber die Komplexität durch "falsche" Verallgemeinerungen zu reduzieren sicht, den führt die Verallgemeinerung halt rasch in die Irre.

H. Schmidt


Vom allgemeinen zum Konkreten und zurück
Verfasst von Holger Tiegel am 6. Februar 2013 - 12:05.

Hallo Hellfried,

nun gehe ich mal davon aus, dass die meisten Menschen gut sind - hoffe ich jedenfalls.

Ob jemand ein Egoist ist, liegt in der Bewertung des anderen. Wobei es ja reine Egoisten genauso wenig gibt, wie reine "Gut-Menschen". Und der Wesenszug des Egoismus den Vorteil der Selbsterhaltung hat.

Und ob ein Verbrecher ein Verbrecher ist liegt an gesetzlichen, moralischen, kulturellen, staatlichen, auch individuellen Bewertungen.

Natürlich ist das Leben so komplex, dass man nur immer einen Ausschnitt betrachten kann. Und weil wir Menschen nicht das Ganze erfassen können, bleibt immer ein "Mangel" in Form von "da fehlt etwas". Allerdings fehlt meiner Meinung nach trotzdem bei vielen Menschen das Denken in Zusammenhängen. Es wird nicht in der Schule gelehrt.

Ich will nur anregen, dass wir auch über sogenannte "Selbstverständlichkeiten" nachdenken. Wenn der Volksmund sagt "Jede Medaille hat zwei Seiten", so vergessen viele wahrscheinlich den Rand der Medaille. Und der Rand sagt: Nur zwei Seiten heisst schwarz oder weiß, hoch oder tief, links oder rechts ... doch es gibt eben den Rand, grün blau schwarz und andere Farben, unendliche Kilometer zwischen hoch und tief, halb links oder halb rechts ... Die Anregung eine Sache aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, halte ich für sinnvoll um ein Problem einer Lösung zuzuführen.

Doch vielleicht trifft meine Interpretation auch auf Kanibalen, Sadisten, Masochisten ... zu ... wenn man es mal aus der Sicht des Lustempfindens betrachtet.

Zitate und Lebensweisheiten werden - auch von mir - oft gebraucht. Sie erregen erstmal Aufmerksamkeit, sollen komplexe Dinge auf den Punkt bringen und erleichtern die Orietierung. Doch wenn wir die Orientierung und damit solche "Sprüche" nicht von Zeit zu Zeit hinterfragen, so besteht die Gefahr in die Irre zu laufen.

Zitate, Sprüche, Lebensweisheiten, Headlines in Werbetexten lösen eine sofortige emotionale Wirkung aus. Was will ich mit deren Wirkung erreichen - gutes oder schlechtes, welche Interessen vertrete ich, welche Achtung bringe ich dabei dem anderen gegenüber ...

Holger Tiegel


Wie schon Tora und Bibel mahnten
Verfasst von Helfried Schmidt am 8. Februar 2013 - 11:26.

"Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." sagt Jesus laut Markus 12, 19 in der Bibel. Doch das Gebot der Nächstenliebe ist noch wesentlich älter. Es ist schon in der jüdischen Tora enthalten, die mehrere hundert Jahre vor Christus verfasst wurde.

Augustinus von Hippo (354–430) forderte mit seinem häufig zitierten Satz „dilige, et quod vis fac“ dazu auf, jedes Handeln aus der Liebe heraus zu begründen: „Liebe und tu, was du willst. Schweigst du, so schweige aus Liebe. Redest du, so rede aus Liebe. Kritisierst du, so kritisiere aus Liebe. Verzeihst du, so verzeih in Liebe. Lass all dein Handeln in der Liebe wurzeln, denn aus dieser Wurzel erwächst nur Gutes.“

Zum häufig anzutreffenden Missverständnis, dass die Eigenliebe der Maßstab der Liebe zum Nächsten sein solle, antwortet der 1035 geborene katholische Fundamentatheologe Peter Knauer, der seit 2003 im Foyer Catholique Européen und im OCIPE (Office Catholique d'Information et d'Initiative pour l'Europe) in Brüssel mitarbeitet:

„Selbst die Goldene Regel bzw. die Forderung, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, wird häufig im Zug des Gedankens der Selbstverwirklichung so interpretiert, dass das Maß der Eigenliebe zum Maß der Nächstenliebe werden solle. Aber ist es überhaupt möglich, sich selber Geborgenheit zu schenken? Und soll man etwa das, was man sich selber wünscht, anderen aufnötigen? Zwangsbeglückung kann die schlimmste Form von Unglück sein. In Wirklichkeit geht es in der Forderung, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, anstelle von Selbstliebe um die Fähigkeit, sich selber in die Situation anderer hineinzuversetzen und dann in deren wirklichem Interesse zu handeln. Dabei genügt es nicht, vermeintlich im Interesse der anderen zu handeln; man muss alles tun, um sich vor solcher Selbsttäuschung zu schützen. Natürlich kann es auch nicht darum gehen, anderen unter Vernachlässigung der eigenen Person zu helfen und dadurch letztlich auch die Hilfe selbst zu untergraben.“

Also: Holger, Du hast Recht. Es ist immer wieder nötig. sich zu vergewissern, was ein Satz, ein Begriff, eine Tatsache, ein Wert TATSÄCHLICH bedeutet. Und es ist immer wieder sinnvoll, alles in Frage zu stellen und neu zu beantworten. Dieser Kreisprozess der Erkenntis geschieht auf natürliche Weise schon allein dadurch, dass jeder neu geborene Mensch seinen eigenen Lernprozess durchmachen muss. Gedanken um Gedanken, Erfahrung um Erfahrung. Kein einzelner Mensch wird davon schlauer, dass die Bibliotheken dieser Welt voll von Wissen sind. Genau das meinte Johann Wolfgang von Goethe mit seiner Formulierung: "Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen."

PS: Es ist eine Freude, angeregt mit Dir zu diskutieren, Holger.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Knauer
http://de.wikipedia.org/wiki/Nächstenliebe
http://de.wikipedia.org/wiki/Tora


Wichtig ist es, die neu
Verfasst von Torsten Jedro am 10. Juli 2013 - 8:44.

Wichtig ist es, die Bedürfnisse des Anderen zu erkennen!

Ich denke, dass der Spruch eher kurz greift. Man meint damit eher die negativen Aspekte. Möchte man selbst abwertend behandelt werden? Nein! Dann behandle niemand anderes abwertend.

Erwartet man ein gepflegtes Äußeres? Ja! Dann pflege dich selbst!

Jede weitere Betrachtung zielt auf die weitere Kommunikation und da gebe ich Ihnen Recht!



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