Ulrich Blum fordert Headquarterstrategie zum Wirtschaftsforum der Oskar-Patzelt-Stiftung am 20.4.2012 in Halle



Es gibt ländliche Gegenden wie die Uckermark, die heute schon mit ländlichen Gegenden in Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz vergleichbar sind. Dagegen haben die erfolgreichsten Städte im Osten wie Potsdam, Jena oder Dresden gegenüber Referenzstädten im Westen nicht aufgeholt, im Gegenteil, sie haben noch immer den größten Abstand. Düsseldorf etwa nimmt heute ein Vielfaches an Steuern ein wie das etwa gleich große Dresden.

Hätte die Treuhand bei der Privatisierung der großen Kombinate nicht zugleich die innerostdeutschen Lieferverflechtungen zerstört, wäre die Lage heute eine andere. So aber existieren heute im Osten eine überwiegend kleinteilige und zulieferorientierte Industrie sowie verlängerte Werkbänke internationaler Unternehmen.

Es gibt hier keine einzige Führungszentrale eines Konzerns oder eines großen DAX-Unternehmens. Diese Zentralen machen aber gut ein Drittel der Wertschöpfung aus, weil dort Forscher, Entwickler und Manager mit hohen Löhnen arbeiten.

Ein Beispiel: In Mosel bei Zwickau befindet sich das produktivste deutsche Werk des VW-Konzerns. Die dort hergestellten Autos werden aber über Wolfsburg abgerechnet.

Nehmen Sie die Erbschaftsteuer, da nimmt der Osten heute fünf Euro, der Westen jedoch 55 Euro je Einwohner ein. Die Schere wird sich in den kommenden Jahren noch weiter öffnen, weil große Teile Ostdeutschlands im Westen vererbt werden und die Erbschaftsteuer am Wohnort des Erbenden anfällt.

Zudem werden die Transferzahlungen längst kompensiert. Rund die Hälfte davon tragen die Ostdeutschen, die im Westen arbeiten, mit ihren Steuern und Sozialabgaben selbst. Die andere Hälfte wird durch das zusätzliche Wachstum im Westen generiert, denn westdeutsche Unternehmen verkaufen im Osten wesentlich mehr als umgekehrt. (West-)Deutschland verdient heute an der Einheit.

Kommentare
Kompletter Beitrag zur Headquarterstrategie im P.T. Magazin:
Verfasst von admin am 27. August 2012 - 15:49.

http://www.pt-magazin.de/newsartikel/archive/2012/march/06/article/headquarter-fuer-mitteldeutschland.html


Es sind unterschiedliche
Verfasst von Sven Roeren am 27. August 2012 - 16:13.

Es sind unterschiedliche Aspekte im Text des Kollegen Bluhm, die eine vertiefende bzw. erläuternde Diskussion verursachen könnten. Ich will mich zunächst auf einen Aspekt konzentrieren:

Dies wäre die Ursachenforschung bzgl. des "Ungleichgewichts" der mittelständisch geprägten Unterehmen in Ost- und Westdeutschland und eine mögliche Strategieableitung zu Förderung eines Mittelstandskulturaufbaus.
Ich vergleiche den Mittelstand - oder genauer - die mittelständisch geprägten Unternehmen immer mit Pflanzen - extrem langsam wachsende Pflanzen. Diese Pflanzen brauchen ein Umfeld, das sie wachsen lässt, ein Umfeld, welches Raum gibt. Die Erde ist die Region mit ihren Menschen und den örtlichen Behörden, die Sonne der Wirtschaftsraum und die Märkte, der Regen das Kapital. Etwas dichterisch anmutend vielleicht, aber die Analogie ist aus meiner Sicht durchgängig.

Nun haben wir durch die sozialistisch geprägte Zeit der DDR ein Umfeld gesehen, welches - politisch motiviert - den Nährboden, die Sonne und den Regen fast gänzlich entzogen hat. Mit den bekannten Folgen für den Mittelstand.
Wenn wir nun an einen "Neuaufbau" einer florierenden Mittelstandskultur denken, müssen wir uns erinnern, wie der Mittelstand entstanden ist, wo also der heutige – vor allem produzierende – Mittelstand seine Wurzeln hat. Diese lassen sich zurückführen bis in die Zeit der Zünfte und der Hanse. Vieles, bis heute in die Prozesse der Unternehmen hineinragend stammt aus dieser Zeit, ist also gewachsen, lange, lange Jahre.
Wenn wir nun über eine Strategie nachdenken, die ein Entstehen einer florierenden Mittelstandskultur fördert, sollten wir die Entstehungsgeschichte der historischen Mittelständler einbeziehen.

Augenfällig ist hier, dass eine aktive Förderung von außen selten erfolgsversprechend war. Fast alle erfolgreichen Mittelständler verdanken Ihren Aufstieg einem umsichtigen aber innovativen intern getriebenen Aufbau einer Unternehmerfamilie. Förderungen von außen sind evtl. Beschleuniger, nie aber ursächlich.
Das bedeutet, dass aus meiner Sicht jede von außen eingepflanzte „Mittelstandssemination“ entweder zum Scheitern verurteilt ist oder aber hinsichtl. Aufwand und Nutzen in keiner sinnstiftenden Relation. Vielmehr gilt es, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche potenzielle interne Antriebe verstärken.

Aus meiner Sicht sind das: Bürokratieabbau, Aus- und Weiterbildungsangebote, Sicherheit und Verlässlichkeit in Zusammenarbeit mit behördlichen Institutionen. Wird dies in entsprechendem Maß umgesetzt, dann hilft nur noch entsprechendes Marketing – und Geduld. Ein letzter Punkt dazu noch: Meist sind Mittelständler dort erfolgreich, wo tatsächlich regional und ortsbezogen die Gründer herkommen. Eine Auswahl der Etablierung von Mittelständlern nach einer übergeordneten Standortpolitik ist aus meiner Sicht höchst zweifelhaft zu sehen. Die Menschen in den Regionen müssen in ihrem Mut unterstützt werden und durch die genannten Randbedingungen flankiert das Wagnis eingehen, vor Ort etwas zu schaffen. Ein langer aber erfolgversprechender Weg.



Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen