Wie Worte wirken



Der große Linguist Victor Klemperer diagnostizierte in LTI (Lingua Tertii Imperii – Sprache des 3. Reiches)die Sprache des Nationalsozialismus. Das Vokabular wurde durch Neuschöpfungen von Wörtern als auch veränderte Bedeutungszuschreibungen für bereits vorhandene Wörter "bereichert". Dies, und die damit mögliche öffentliche Rhetorik haben den Sprachgebrauch in Staat und Gesellschaft damals stark beeinflusst.

Nach der Teilung Deutschlands entwickelte sich im Osten unter Walter Ulbricht eine andere Sprache als im Westen, Klemperer beschrieb dies in seinen Tagebüchern als "lingua quarti imperii“ (LQI – Jargon der neuen kommunistischen Machthaber). Wäre Klemperer nicht 1960 nach fast 80 erfüllten Jahren gestorben, würde seine linguistische Leidenschaft in der neuen Sprachwelt der modernen Demokratie und des Web 2.0 viel Interessantes finden.

Allen, die das interessiert, steht dieses Forum offen. Sammelt Wortneuschöpfungen, Bedeutungsneuzuschreibungen, rhetorische Kniffe, demagogische Verdrehungen, die in der heutigen Zeit ebenso häufig zu finden sind wie zu allen Zeiten. Alles was Menschen tun, muss zuerst durch ihren Kopf hindurch. Denken setzt Sprache voraus. Sprache setzt Begriffe voraus. Begriffsbedeutungen verändern sich.


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Kommentare
Vom Belächeltwerden am Anfang
Verfasst von admin am 7. November 2012 - 14:54.

"Die meisten großen Taten, die meisten großen Gedanken haben einen belächelnswerten Anfang."

Albert Camus, hätte heute Geburtstag gehabt (7. 11. 1913 - 4. 1. 1960).
französicher Schriftsteller, Philosoph, 18. 10. 1951: "L‘ homme révolté - Der Mensch in der Revolution" erscheint und wird zum meistdiskutierten Buch seiner Zeit, "Der erste Mensch", "Die Pest", 1957 Nobelpreis für Literatur www.zitate.eu


Wie eine Meinung "herrschende" Meinung wird
Verfasst von admin am 24. August 2012 - 18:27.

Am Beispiel der Beschneidungsdebatte: Wunderbare Recherche darüber, wie ein Thema gehypt wird: http://www.tagesspiegel.de/politik/beschneidungs-debatte-chronik-einer-beispiellosen-debatte/v_print/7018904.html


Halbe Lügen
Verfasst von admin am 5. Juli 2012 - 9:55.

Ein halbleeres Glas Wein ist zugleich ein halbvolles, aber eine halbe Lüge mitnichten eine halbe Wahrheit.
(Jean Cocteau)

© www.zitate.eu


Südwest-Grüne für Frauenquote bei Kommunalwahl
Verfasst von Helfried Schmidt am 24. Juni 2012 - 16:50.

Mit einer Gesetzesänderung wollen die Grünen in Baden-Württemberg mehr Frauen den Weg ins Parlament ebnen. Bei den Kommunalwahlen sollen bei allen Parteien erstmals genauso viele Frauen wie Männer auf den Listen stehen.

Die Vertreter der Quote reden von "positiver Diskriminierung" die angeblich zur Bekämpfung negativer Diskriminierung nötig wäre. Das Denkmodell ist das des Gärtners, der die (bösen) Unkräuter - die bei Wildwuchs dominieren - diskriminiert, damit die (guten) Nutzpflanzen schön wachsen. Verschiedene Vergleiche bringen verschiedene Analogien:
Würde man das das Reißverschlussprinzip als Antidiskriminierungsinstrument auch bei Debatten um Behinderung, Alter, oder Homosexualität akzeptieren? Wohl eher nicht. Ansonsten sind es nur noch ein paar Denkschritte bis zu einer Orwell-artigen Welt, in der heterosexuelle Single-Männer sich bei Frauenmangel zwangsweise zur Beglückung homosexueller Singles bereitzufinden haben. Das will natürlich niemand. bereits der Gedanke läuft Gefahr, selbst als homophob abgestempelt zu werden. Sehr schade.


Wie Reiche denken: 10 Unterschiede
Verfasst von Gast am 11. Juni 2012 - 14:29.

1. Reiche Menschen glauben: Ich gestalte mein Leben selbst. Arme Menschen glauben: Leben ist etwas, das mir zustößt.
2. Reiche Menschen befassen sich mit Geld, um zu gewinnen! Arme Menschen befassen sich mit Geld, um nicht zu verlieren.
3. Reiche Menschen sind ganz und gar dem Reichtum verpflichtet. Arme Menschen hoffen lediglich irgendwann reich sein.
4. Reiche Menschen denken im großen Maßstab. Arme Menschen denken im kleinen Maßstab.
5. Reiche Menschen konzentrieren sich auf Chancen. Arme Menschen konzentrieren sich auf Probleme & Hindernisse.
6. Reiche Menschen bewundern andere reiche und erfolgreiche Menschen. Arme Menschen grollen reichen und erfolgreichen Menschen.
7. Reiche Menschen verkehren mit positiven, erfolgreichen Menschen. Arme Menschen verkehren mit negativen und erfolglosen Menschen.
8. Reiche Menschen sind bereit, für sich selbst und ihren Wert zu werben. Arme Menschen denken schlecht über Werbung und Verkauf.
9. Reiche Menschen beherrschen ihre Probleme. Arme Menschen werden von ihren Problemen beherrscht.
10. Reiche Menschen sind ausgezeichnete Empfänger. Arme Menschen sind schlechte Empfänger und lehnen alles (Neue) ab.

BB aus Hamburg


Über das Geben
Verfasst von admin am 6. Juni 2012 - 10:03.

Die Art des Gebens ist wichtiger als die Gabe selbst.
Pierre Corneille

© www.zitate.eu

Pierre Corneille
(06. 06. 1606 - 01. 10. 1684)

Dramatiker (Frankreich, 1606 - 1684).


Perspektive ist alles
Verfasst von admin am 18. März 2012 - 21:25.

„Nur von unten wirkt Niveau wie Arroganz!"
Gefunden auf https://www.xing.com/profile/Christa_JaegerSchroedl siehe auch hier unter http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/experten/christa-jaeger-schroedl


Schöne NEUWORTE
Verfasst von Gast am 11. März 2012 - 17:34.

Städterückbau - das hieß früher klar und einfach: Abriß

Nettoneuverschuldung - das konnte nur jemand erfinden, der seine Bruttoverschuldung schamhaft verschweigen will

Rettungsschirm - das assoziiert etwas völlig Normales, Alltägliches, kostenseitig Geringfügiges, auch wenn er Milliarden und Billionen kostet, bei ganzen Staaten ode Banken.

Hilfspaket (für Griechenland) - das assoziiert ebenfalls etwas geringfügiges, so wie die Fresspakete der Westtante für die Ostneffen nach dem Mauerbau 1961


Bildung ohne Erziehung?
Verfasst von Helfried Schmidt am 11. März 2012 - 17:26.

Wir haben u.a. das Problem, dass Führen-Können (und dessen Voraussetzung: Siech selbst führen können!) mehr mit Erziehung als mit Bildung zu tun hat. Erziehung spielt aber in der heutigen Bildungsdiskussion eine völlige Null-Rolle.

In meiner Pädagogik-Ausbildung in den 70er Jahren war es selbstverständlich, dass der "Nürnberger Trichter" (Sprichwörtersammlung von Sebastian Franck, 1541) eben deshalb nicht funktioniert, weil er Bildung OHNE Erziehung denkt.

Dann bekommt eine Gesellschaft junge (und ältere) Erwachsene, denen man Zielklarheit, Selbstführung und die von Ihnen angesprochene alltägliche Führungsarbeit im Kleinen erst wieder beibringen muss. Bei diesem Thema gilt aber leider wirklich oft: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.


Kritik an der ADHS-Kultur in neuem Buch und auf Cicero
Verfasst von Helfried Schmidt am 6. August 2012 - 13:58.

"Lange Zeit galten Ablenkbarkeit und Zerstreuung durch eigene unsortierte Gedanken als unabdingbar für den kreativen Prozess. Inzwischen aber, so der Leipziger Philosoph Christoph Türcke, seien sie bloß noch zwanghaft zu nennen. In der «konzentrierten Zerstreuung» erkennt Türcke ein Kernproblem unserer Kultur: Wir haben die Fähigkeit verloren, bei einer Sache zu bleiben."
http://www.cicero.de/salon/adhs-kultur-christoph-tuercke-hyperaktiv-kritik-der-aufmerksamkeitsdefizitkultur-nervositaet-als-sucht/51447
Christoph Türcke: Hyperaktiv! Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur
C.H. Beck, München 2012
123 S., 9,95 €


Macht Bildung "Spaß"? Zum 50. Todestag von Hermann Hesse
Verfasst von Helfried Schmidt am 4. August 2012 - 19:55.

"Der Erwerb und die Vermittlung von Bildung ist mit Anstrengungen und Zeitaufwand verbunden; Spaß macht es oft erst ab einem bestimmten Grundwissen." meint C.O. auf einer XING-Diskussion.

Würden diese Gedanke stimmen, würde kein Kleinkind in die Schule gehen wollen. Doch das Gegenteil ist der Fall! Die Lernfreude und natürliche Neugier auf Wissen UND Können wird den Kindern - leider - erst in der Schule ausgetrieben.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/50/Hermann_Hesse.jpgDas ist kein "modernes" Phänomen. Man lese wieder mal das 1906 (!) erschienene "Unterm Rad" von Hermann Hesse, dessen Todestag sich nächsten Donnerstag, dem 9. August 2012, zum 50. Mal jährt. In "Unterm Rad" wird das Schicksal eines begabten Jugendlichen erzählt, der an einer ihn einseitig fordernden Pädagogik, aber auch an sich selber scheitert, schreibt Wikipedia .

"Der Bursche hat ein Leben, eine Riesenstärke, einen mächtigen Willen und wirklich auch eine Art ganz erstaunlichen Verstand für seine vier Jahre. Wo will’s hinaus? Es zehrt mir ordentlich am Leben dieses innere Kämpfen gegen seinen hohen Tyrannengeist, sein leidenschaftliches Stürmen und Drängen […] Gott muß diesen stolzen Sinn in Arbeit nehmen, dann wird etwas Edles und Prächtiges draus, aber ich schaudere bei dem Gedanken, was bei falscher oder schwacher Erziehung aus diesem jungen passionierten Menschen werden könnte." schrieb seine Mutter über den damals vierjährigen Hermann an dessen Vater, der wie die Mutter als christlicher Missionar in Indien wirkte.


Noch ein Phänomen: Wahrnehmung Mord/Selbstmord.
Verfasst von Marion Kießling am 5. August 2012 - 13:26.

Überforderung tritt in der Wirklichkeit wahrscheinllich seltener auf als Unterforderung. Wir haben hier ein "medial gehyptes" Thema, ähnlich dem Fall Mord/Selbstmord. Im Fernsehen prasseln täglich auf in ARD und ZDF Morde ohne Ende auf uns nieder. Dabei gab es im Jahr 2010 in Deutschland nur 814 Morde, aber 10.021 Selbstmorde. Über die redet niemand. Auf 1 Million Einwohner kamen in Deutschland im Jahr 2010 zwar 45 Unfalltode im Straßenverkehr, aber ganze 125 (!) Selbstmorde. Über die wird nicht gesprochen, die kommen weder in den Medien noch in der Prophylaxe vor ...


Frank A. Meyer über "Anständige Deutsche"
Verfasst von Gast am 11. März 2012 - 17:13.

Aus http://www.pt-magazin.de/newsartikel/archive/2011/march/07/article/der-zorn-der-kleinen-leute.html:
Die „anständigen Deutschen“ fühlen sich ignoriert, missachtet, übergangen, rechts und links liegen gelassen. Zu Unrecht? Zu Recht? Jedenfalls sehen sie es so, spüren sie es so, ist es für sie so: Allzu lange mussten sie zur Kenntnis nehmen, wie der Multikultikult aus den Migranten eine Art bessere Deutsche machte – unspießige Deutsche, weil „so erfrischend anders“, interessante Deutsche, weil aus fremden Welten, sympathische Deutsche, weil arm, weil ungebildet, weil ganz unten angesiedelt in der gesellschaftlichen Hierarchie, weil Opfer des Bösen in dieser globalisierten Welt, weil Opfer insbesondere eines brutal auf wirtschaftliche Effizienz dressierten Deutschland. Die Heilige Jungfrau dieser heiligen Einfalt ist Claudia Roth.

Zwar wird die Chancenlosigkeit der Migrantenkinder in den Schulen zu Recht beklagt. Nicht beklagt dagegen wird die Chancenlosigkeit deutschsprachiger Schülerinnen und Schüler, die als Minderheit, oft genug als verschwindende Minderheit in vielen Schulklassen um entscheidende frühe Entwicklungserfolge gebracht sind. Meist kämpfen die Eltern dieser Kinder vergebens um ein Plätzchen in sprachkulturell einigermaßen ausgewogenen Schulklassen. Wer es sich leisten kann, rettet sein Kind in die Privatschule. Den meisten aber fehlt dazu das Geld.

... In Anne Wills sonntäglicher TV-Talk-Kulisse steht unterhalb des Podiums ein Sofa, weggerückt von der hochmögenden Gästerunde, extra hingestellt für den einfachen Bürger, mit dem die Salondame jeweils huldvoll-mitfühlend einige Worte wechselt. Dann richtet sie ihr bezauberndes Lächeln an die Causeure der Berliner Republik – die Gesellschaft von Politik und Publizistik ist wieder in Ordnung, weil geschlossen wie eh und je.


Das Wort Mensch
Verfasst von Gast am 11. März 2012 - 17:08.

Im politischen Feuilleton des Deutschlandradios vom 13. Mai 2011 geißelte Andreas Krause Landt den inflationären Gebrauch des Wortes „Mensch“. Was früher „Aktion Sorgenkind“ hieß, heißt heute „Aktion Mensch“. Es gibt keine Einwanderer mehr, sondern „Menschen mit Migrationshintergrund“. Es gibt „behinderte Menschen“, „intersexuelle Menschen“, „junge Menschen“, „aktive Menschen“, „Menschen, denen wir helfen müssen“ usw.

„Der Gebrauch des Wortes ‚Mensch‘ ist ja auch selten falsch. Aber ist er deshalb schon richtig? Kaum einer wagt es noch, das bestimmende Persönlichkeitsmerkmal desjenigen öffentlich zu benennen, über den er spricht. Schließlich könnte jeder präzise Begriff in irgendein Wespennest stechen. Wer ‚Mensch‘ sagt, muss nicht ‚Handwerker‘, ‚Schwule‘ oder ‚Juden‘ sagen. Jede Zuordnung, jede einigermaßen bestimmte Äußerung kann vorurteilsbeladen oder ausgrenzend wirken. Wer es schafft, keinen zu verletzen, hat vielleicht die Chance, es allen recht zu machen“, so Landt.
http://www.pt-magazin.de/newsartikel/archive/2011/july/05/article/die-menschen-da-draussen.html



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