Industriepolitisches Thesenpapier von Wolfgang Clement und Christian Lindner 4/10


These 4: Sichere Energie ist Voraussetzung eines wettbewerbsfähigen Industriestandortes.
Ein hochentwickeltes Industrieland wie Nordrhein-Westfalen ist in besonderer Weise darauf angewiesen, dass die Energieversorgung sicher ist: Die Hälfte der energieintensiven Industrie Deutschlands ist in NRW ansässig, 40 Prozent des deutschen Industriestroms werden hier verbraucht. Die Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass Strom zu jeder Tages- und Nachtzeit in jeder Menge verfügbar ist. Fünf Minuten Stromausfall oder Stromschwankung, das bedeutet beispielsweise in Gießereien, dass für ein ganzes Jahr die Produktion stillsteht. Dies führt zu immensen Ausfällen, mit entsprechenden Folgen auch für die Beschäftigungszahlen.
Wir stehen also vor der großen Aufgabe, die durch den Wegfall der Kernenergie entstehende Lücke von rund 20 Prozent der Bruttostromerzeugung verlässlich zu schließen und die zwangsläufigen Schwankungen des Angebots regenerativer Energieträger auszugleichen. Um in wind- und sonnenarmen Stunden für die energieintensive Industrie Grundlastfähigkeit zu sichern, müssen einerseits konventionelle Kraftwerkskapazitäten in Reserve gehalten werden. Das bedeutet, dass wir unseren Kraftwerkspark erneuern müssen. 50 Prozent der Kohlekraftwerke in NRW sind älter als 30 Jahre, 20 Prozent sogar älter als 40 Jahre. Das Kraftwerkserneuerungsprogramm muss forciert werden. Alte, ineffiziente Anlagen müssen vom Netz gehen und durch neue moderne Kraftwerke ersetzt werden. Zumal der Wirkungsgrad moderner Kraftwerke um 30 Prozent höher als bei entsprechenden Altanlagen ist, wodurch erheblich weniger CO2 emittiert wird.
Die Weigerung der Grünen, neue Kohlekraftwerke zu bauen, erscheint vor diesem Hintergrund rein ideologisch motiviert. Deshalb darf auch das modernste  Kohlekraftwerk Europas in Datteln nicht länger von den Grünen blockiert und von der SPD den Gerichten überlassen werden, sondern muss so schnell wie möglich realisiert werden. Dies gilt nicht zuletzt auch, um den Betriebsstrom für die Deutsche Bahn möglichst effizient und umweltverträglich bereitzustellen. In der strukturschwachen Region müssen künftig Strom und Steuereinnahmen statt Verlusten und Abschreibungen produziert werden. Eine milliardenschwere Investitionsruine wäre ein verheerendes Signal an potenzielle Investoren und hätte unabsehbare Folgen für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen.
Die Zukunft einer sicheren erneuerbaren Energieversorgung hängt zum Anderen auch von der Weiterentwicklung und dem Bau von Stromspeichern ab. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die hervorragende Energieforschung hiesiger Universitäten weiter intensiv unterstützt wird – Nordrhein-Westfalen sollte nicht nur Energieland, sondern auch Energieforschungsland Nummer eins werden. So gibt es etwa bei der Speichertechnik erste Forschungsvorhaben, um die Nutzung stillgelegter Zechen für unterirdische Pumpspeicherkraftwerke zu erforschen. Denn die Schachtanlagen stillgelegter Zechen bieten ausreichend Platz und auch die erforderlichen Höhenunterschiede, um regenerativ erzeugten Strom zu speichern. Die bestehende Infrastruktur könnte so ohne Umwelteingriffe genutzt werden. Unter Beteiligung des Bergbauträgers RAG muss geklärt werden, inwieweit Bau und Betrieb wirtschaftlich möglich sind, um dann die Konzeption für eine Pilotanlage zu erstellen.
Wolfgang Clement und Christian Lindner
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Foto Christian Lindner (Wikimedia/Dirk Vorderstraße/CC-3.0) Foto Wolfgang Clement (Wikipedia, gemeinfrei)



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