Bazillus Boss? – Wie Führungskräfte krank machen oder Sinn stiften



(Ansgar Lange) Die Chefs sind schuld. So sieht es zumindest der Spiegel http://www.spiegel.de. Wie das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, lassen psychische Leiden der Beschäftigten den Krankenstand in den Betrieben seit Jahren nach oben schnellen. Schuld daran sei nicht nur der gestiegene Leistungsdruck, sondern vor allem das Führungsverhalten der Vorgesetzten.

„Viele Chefs führen ihr Auto besser als ihre Mitarbeiter. Kein Wunder, dass eine haben sie gelernt, das andere nicht.“ Mit einem solchen lockeren Spruch bedient der Karriereberater Martin Wehrle die Vorurteile vieler Angestellter und Arbeiter. Doch bestehen solche Aussagen auch den Praxistest? „Natürlich hängt viel vom Führungsverhalten der Firmenchefs ab. Schweifen wir mal kurz ab in die Bundesliga: Erfolgreiche deutsche Teams wie Bayern München oder Borussia Dortmund sind auch deshalb so erfolgreich, weil sie mit Pep Guardiola und Jürgen Klopp zwei charismatische Führungspersönlichkeiten aufzubieten haben, die mehr als die üblichen 100 Prozent Leistung und Potenzial aus ihren Mannschaften kitzeln. So sollte es im Idealfall auch in der Wirtschaft sein. Doch wer realistisch an die Sache herangeht und nicht übertriebene Erwartungen an den eigenen Chef oder den Job hat, lebt meist gesünder und zufriedener und hat auch mehr Erfolg im Beruf. Wer allerdings die Erwartung hat, dass einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen und der Chef vor allem als Motivator da ist, der sollte die eigenen Ansprüche hinterfragen“, sagt der Personalexperte Michael Zondler.

Es sei wichtig, so der Geschäftsführer des Beratungsunternehmens centomo http://www.centomo.de, dass Beschäftigte selbst mehr unternehmerisches Denken an den Tag legten. „In einem Unternehmen besteht ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Die Führungskraft ist dazu da, Entscheidungen zu treffen, Ziele zu definieren oder auch mal den Kopf hinzuhalten. Doch der Erfolg hängt von loyalen Mitarbeitern haben, die mithelfen, die vorgegebenen unternehmerische Linie in der Praxis umzusetzen. So wie es in der Staatenwelt keine Freunde, sondern nur Partner mit ähnlichen Interessen gibt, so gibt es auch in einem funktionierenden Unternehmen Interessenspartnerschaften. Es gibt nicht das perfekte Unternehmen mit der perfekten Führungskraft. Das sollte sich jeder Beschäftigte klar machen und sich nicht zu sehr in eine ‚Opferrolle’ begeben. Und in der Regel machen auch nicht die Vorgesetzten krank, sondern die Diskrepanz zwischen den eigenen Vorstellungen und der Realität im Job.“

Ganz aus der Verantwortung lassen will Zondler die Chefs aber nicht. „Wertschätzung drückt sich nicht nur in der Gehaltsabrechnung aus. Motivierende Führungskräfte binden ihre Mitarbeiter ein und machen sie zu einem Teil eines Ganzen. Zermürbender und gefährlicher als positiver Stress ist das Gefühl von Sinnlosigkeit und Zynismus, welches manche befällt, denen sich der Sinn ihres Tuns nicht erschließt, weil Führungskräfte ihre Firmenstrategie nicht vermitteln können. Gemeinsame Ziele und Projekte schweißen Chefs und Angestellte mehr zusammen als ein Bier nach Feierabend oder ein netter Betriebsausflug. So wollten die Bayern in der letzten Saison unbedingt das Triple holen. Das hat Team und Trainer total zusammengeschweißt – sicher noch mehr als üppige Geldzahlungen als Belohnung.“

Das Zauberwort heißt Mitarbeiterbindung. „Menschen wollen sich als Teil einer größeren Sache fühlen“, sagt Heike Bruch von der Universität Sankt Gallen. Gegenüber dem Spiegel drückt sie das, was sie unter Leadership versteht, folgendermaßen aus: „Wenn man einem Mann, der Steine mit einem Hammer bearbeitet, fragt, was er da tue, wird er vielleicht sagen: ‚Ich hämmere 50 Steine und kriege dafür 30 Euro.’ Wenn er aber einen guten Chef hat, antwortet er: ‚Ich baue eine Kathedrale.’“



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