Zwei unterschiedliche Welten im gleichen Land



Gegenwärtig läuft die Ausschreibung zum 20. Wettbewerb "Großer Preis des Mittelstandes". Auch auf XING, Linkedin, Twitter, Facebook wird diskutiert und nominiert. Im Regelfall laufen wir mit dem Wettbewerb offene Türen ein. "Endlich kümmert sich mal jemand um den Mittelstand - und das ehrenamtlich!" ist ein häufige Reaktion.

Aber manchmal herrscht auch Unverständnis. Da antwortet ein investigativer Journalist aus Bonn "Ich kann mir auch kein Unternehmen vorstellen, das froh darüber wäre, von mir für was auch immer vorgeschlagen zu werden. Ich glaube, wir leben zwar im gleichen Land, aber in verschiedenen Welten und mit recht unterschiedlichen Wertvorstellungen. Ich persönlich werde mir (als Mitglied der Bundespressekonferenz ab einem gewissen Alter nicht unüblich) mit Sicherheit kein Bundesverdienstkreuz umhängen lassen."

Muss diese Härte sein? Was für bittere Erfahrungen mit Wirtschaft und Staat und Bundesverdienstkreuzen muss er gemacht haben, dass er so reagiert?

Er hatte jedenfalls recht. Ich war enttäuscht. Dieser Satz ließ mich nicht los: "Ich kann mir auch kein Unternehmen vorstellen, das froh darüber wäre, von mir für was auch immer vorgeschlagen zu werden."

"Meinen Sie das wirklich ernst?", fragte ich ihn. "Ich fände das schade. Sie müssen ein sehr schlechtes Bild vom "Unternehmen an sich" haben."

Wissen Sie, wir haben ein Familienunternehmen aus Baden-Württemberg ausgezeichnet, dass seit dem 14. Jahrhundert nachweislich an diesem Standort eine Mühle betreibt, und natürlich heute noch mehr macht, vom Backen bis zum Fitness. Oder ein bayerisches Unternehmen, dass in den 60er Jahren als Garagenbetrieb begann, und das heute weltweit 6.000 Mitarbeiter beschäftigt, und zwar in der Rechtsform einer klassischen KG, also mit voller persönlicher Haftung der Gesellschafter bis zum heutigen Tage, oder das Industriekesselunternehmen aus der sachsen-anhaltischen Provinz, dass durch sein Ost-Management über gescheiterte Treuhandprivatisierungen hinweg gerettet wurde und anschließend die "Mutter" in Duisburg übernahm und vorm Konkurs rettete.

Oder der sächsische Unternehmesgründer, der 1990 mit 66 Jahren ein Unternehmen aufbaute, das bis heute Dutzende Mitarbeiter beschäftigt. Oder der Schwede mit deutschen Wurzeln, der nach 1990 alle Brücken hinter sich abriß und zurück zu seinen Wurzeln in der Nähe von Chemnitz zog und ein Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen mit inzwischen mehreren tausend Mitarbeitern aufbaute, in einem sächsischen Probinz"nest".

Sind es nicht gerade diese Unternehmen, die nach 1945 den Westen und nach 1990 den Osten aufgebaut haben? 90 Prozent alles Gründungen scheitern nach ein paar Jahren, häufig unter Verlust des privaten Vermögens. Nur ganz wenige Gründer werden später "richtig groß". Alle neuen und alten, kleinen und großen Unternehmen zusammen sorgen für Wachstum, Sicherheit, Stabilität, Versorgung, Arbeitsplätze in Deutschland.

Gerade der Beitrag der kleineren und mittleren Unternehmen ist um ein Mehrfaches größer als der vermutet, der nur Titelseiten und Wirtschaftspresse kennt. "Ach geh" sagte mir ein hochdekorierter Wirtschaftsredakteur aus Frankfurt/M., "Mittelstand, damit brauche ich meiner Redaktionskonferenz nicht zu kommen. Unter DAX30 spielt sich da nichts ab."

Ich finde das sehr sehr schade. Jeder hat eben seinen blinden Fleck. Das gilt für Individuen wie auch für Gruppen. Jeder sieht, was er sehen will.

Der unternehmerische Mittelstand, die Hidden Champions dieser Welt, verdient mehr Achtung und Akzeptanz, Unterstützung und Respekt, als ihm in Medien und Öffentlichkeit häufig zuteil wird.
Deshalb gibt es die Oskar-Patzelt-Stiftung.
An diesem blinden Fleck der Gesellschaft setzen wir an.
Seit 20 Jahren.

(Bild: Wikimedia. Valerie st. Die neue Konzernzentrale der Deutschen Börse „The Cube“ in Eschborn. Mittelstand ist was anderes. Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported )



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