DIE NEUE SOZIALE KÄLTE



Wer hätte das gedacht, gerade eine Koalition aus der sozial-christlichen Union und den Sozialdemokraten verüben den sozialen Kahlschlag. Dieser Anschlag auf die Portemonnaies und Zukunftschancen erfolgt geschickt getarnt aber mit System und Härte. Beispiele gewünscht?

Mindestlohn: Flächendeckend und gesetzlich, das hört sich doch erst mal gut an. Davon wird zugegebenermaßen ein größerer Teil der betroffenen Geringverdiener profitieren, sei denjenigen auch gegönnt. Die bisherigen Aufstocker, also diejenigen, die zu einem niedrigen Lohn einen Zuschlag aus der Sozialkasse erhielten, werden weitgehend das Gleiche beziehen, da die Aufstockung wegfällt. Dieser Zuschlag entstand mit der Agenda „Lieber Arbeit finanzieren als Arbeitslosigkeit“. Nachdem die SPD verbissen gegen Ausnahmen wie Bezirke mit hoher Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosen und Schulabbrechern, Ungelernten und einzugliedernden Migranten kämpft, werden genau diese Gruppen zu den Verlieren des Mindestlohns zählen.

Zusammengefasst, je schlechter es einem geht, desto weniger zählt er für die Sozialpolitik. Wirtschaftswissenschaftler schätzen unwidersprochen die Zahl derer, die Leidtragende des Mindestlohns werden, auf bis zu eine Million Menschen. Ab in die Tonne, interessiert uns nicht. Ganz krass sagt das Gewerkschaftschefin Michaela Rosenberger im Interview „Sollten durch die geplante Einführung des Mindestlohns Arbeitsplätze verloren gehen, müsste man das in Kauf nehmen“. Ein solch zynischer und menschenverachtender Satz, ausgesprochen von einem Wirtschaftsmann oder FDP-Politiker, würde einen gewaltigen Entrüstungssturm auslösen. Hans-Ulrich Jörges von der Chefredaktion des sonst eher politisch korrekten Stern schreibt „Wer 8,50 Euro nicht zahlen kann, spätestens 2017, der sollte seine Klitsche schließen“. Auch Apple, Daimler und SAP waren mal solche Klitschen, lieber Herr Jörges!

Da sogar DIE LINKE wegen der Mindestlohn-Ideologie mit den am schwersten Vermittelbaren kein Erbarmen kennt, hat diese soziale Gruppe keine Lobby, sie ist endgültig abgeschrieben und wird in die Registratur der Sozialkassen entsorgt. Und es geht weiter: Die gesetzlich vorgeschriebene Rentenbeitragssenkung findet nicht statt, also keine Entlastung für die Jungen und Beschäftigten, die kalte Progression bleibt, womit Einkommenssteigerungen, verursacht durch Tariferhöhungen, zusätzlicher Qualifizierung oder Aufstieg, größtenteils in die Staatskasse wandern. Nachdem die Kanzlerin Steuererhöhungen (erstmal) ausgeschlossen hat, werden die kreativen Taschendiebe in Bund, Ländern und Kommunen trickreich die Abgaben und Gebühren erhöhen.

Vor vier Monaten tourten die gleichen Politiker durch die Lande und schwadronierten von „sozialer Gerechtigkeit“. Leute, die gibt es nicht, genauso wenig wie einen humanen Krieg oder ein rundes Quadrat. Sind wir zornig und überrascht? Nein, „Et kütt, wie et kütt“sagt der Kölner (Es kommt, wie es kommt). Amen.

-gm



Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen