DIE BRUDERSCHAFT DER SCHWARZEN KASSEN



Die Story beginnt natürlich damit, dass jemand aus ganz persönlichen Gründen irgendwann mal für sich oder seine Familie den Entschluss gefasst hat, Erspartes in ein vermeintlich sicheres Land zu verlagern. Bis dorthin ist das legal, die Steuerhinterziehung fängt ja erst dann an, wenn die daraus entstehenden Zinsen oder Gewinne nicht in der Steuererklärung enthalten sind. Dies ist dann der Nährboden für ein merkwürdiges
Beziehungsgeflecht.

Stufe 1:
Ein Bankangestellter stiehlt Daten seines Arbeitgebers, gebrannt auf eine CD. Der Dieb sondiert dann bei den zuständigen Finanzbehörden das Interesse an einem Kauf der Datei und liefert Probedaten. Er schließt einen Deal ab, über die Kaufsumme und die Modalitäten der Übergabe, ähnlich dem Rauschgifthandel in den Krimis.

Stufe 2:
Ein Denunziant aus dem Bereich Banken oder Justiz sucht Prominente auf der Liste der Steuersünder aus und gibt Ihnen gegen Geld einen Tipp zur strafbefreienden Selbstanzeige. Parallel oder anschließend verkauft
er Informationen über die Steuersünder an die Medien.

Stufe 3:
Aufgeschreckt durch Medienberichte nutzen weitere Schwarzgeldsünder die Chance, durch Selbstanzeige und nachträglicher Versteuerung die Sünde vergangener Tage zu bereinigen.

Stufe 4:
Verschiedene Finanzminister treten in den Medien auf und rühmen sich der Erfolge beim Steuereintreiben. „Experten“ aller Parteien fordern eine Verschärfung der Strafen oder die Abschaffung der Selbstanzeige. Häufiges Argument ist dann, dass die Kassiererin im Supermarkt wegen der Mitnahme eines Flaschenpfandbons bestraft würde, der Steuerhinterzieher strafbefreiend wegkommen kann. Da wird dann
gerne das Arbeitsrecht mit dem Strafrecht verwechselt. Die Mitnahme von Pfandbons war ein Kündigungsgrund, da das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zerstört war, bei der Steuernachzahlung per Selbstanzeige geht es um die legale Wiedergutmachung eines Fehlers VOR der Entdeckung.

Stufe 5:
Talkshows zu Steuerthemen und erwischten Promis boomen und die Presse steigert die Auflagen. Oberflächlich betrachtet gibt es bei dem ganzen Vorgang nur Gewinner, der Datendieb kassiert seine Millionen (schwarz), der Denunziant verdient gut mit, die Finanzminister verbuchen steigende Einnahmen, die Steuersünder sind ihr Problem los, die Medien haben ein gewinnträchtiges Thema und neidische Charaktere
werden mit der öffentlichen Hinrichtung der betreffenden Promis ruhig gestellt.

Also die perfekte Schwarzgeld-Connection aus Steuersündern, Bankern, Politikern, Gangstern und Medien? Ganz so rosig ist das doch nicht, denn der in unserer Rechtsordnung verbriefte Schutz des Steuergeheimnisses steht nur noch auf wertlosem Papier oder haben Sie schon mal Live-Bilder von der Verhaftung eines Finanzbeamten wegen der Weitergabe von Informationen an die Presse gesehen?

Quelle: www.reitender-bote.de/archiv

Bild: https://www.flickr.com/photos/keepthebyte/3300263285/, Cédric Hüsler, CC 2.0



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