Finanzkommunikation im Mittelstand: das Best-Practice-Beispiel der PFK Group GmbH



Finanzkommunikation gehört für Dax-Konzerne zur Routine. Im Mittelstand dagegen findet sie selten bis gar nicht statt. Dabei bietet ein Engagement auch für diese Unternehmen viele Vorteile, die jeder Unternehmer und Kaufmann für sich nutzen sollte – angefangen von einer positiven Beeinflussung des Bonitätsratings, einer verbesserten öffentlichen Darstellung der Potentiale des Unternehmens bis hin zu optimiertem Controlling und damit nachhaltigeren Bankengesprächen, auch im Vorfeld einer Krisensituation oder der neuen Bestimmungen durch Basel III.

Die PFK Group GmbH, ein mittelständisches Unternehmen mit rund 32 Mitarbeitern, ist seit gut fünf Jahren im Bereich Finanzkommunikation aktiv. 2011 wurde der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Streck dafür mit dem Preis für die beste Finanzkommunikation im Mittelstand ausgezeichnet. Im Gespräch erläutert Dr. Uwe Streck, warum er sich dafür einsetzt, gegenüber welchen Zielgruppen er aktiv kommuniziert und mit welchen Instrumenten er dies macht.

Warum betreibt die PFK Finanzkommunikation?

Ein Unternehmen kann nur nachhaltig erfolgreich sein, wenn es Werte wie Vertrauen, Zuverlässigkeit und Transparenz verfolgt. Eine proaktive Finanzkommunikation ist hier der konsequente Schritt, etwa durch die Veröffentlichung von Geschäftsberichten ein starkes Fundament des Vertrauens schaffen. Kunden und Geschäftspartner erhalten ein objektives Bild des Unternehmens. Geldgeber bekommen einen Einblick in die Entwicklungs- und Wachstumspläne, sehen die gemeinsamen Perspektiven. Und Mitarbeiter wissen genau, wie es um ihr Unternehmen steht.

Lassen sich konkrete Vorteile bei Banken erzielen?
Ja, denn wir unterstützen damit unsere Bonitätseinschätzung und Kreditwürdigkeit, um auch Finanzierungsmöglichkeiten auszubauen, wenn möglich zu verbilligen und die Reaktionszeit auf Anfragen zu verkürzen. Finanzkommunikation hat handfeste betriebswirtschaftliche Vorteile und ermöglicht auch Planungssicherheit. Das sollte jeder Unternehmer und Kaufmann für sich nutzen.

Wird Ihrer Ansicht nach das Thema Bonitätsrankings von Unternehmern unterschätzt?
Ja. Und das, obgleich dies immer wichtiger wird. Banken erstellen ja interne Bonitätsrankings ihrer Kunden, was sich proaktiv mit einer transparenten und fortlaufenden Kommunikation der relevanten Daten positiv beeinflussen lässt. Sucht ein Unternehmer zudem eine neue Bank auf, greift die auf die Bonitätsrankings der Auskunfteien zurück, um sich ein Bild zu verschaffen. Und der Unternehmer selbst nutzt dieses Instrument ja auch: Wenn er sich wiederum ein Bild seines neuen Geschäftspartners oder seiner Bestandskunden machen möchte. Gut 20 Mal pro Monat fragen wir zum Beispiel bei der Creditreform nach, wenn es um die Einschätzung unserer Kunden geht. Dabei bewerten wir einen Creditreform-Index von bis zu 250 als positiv. Ab Werten von 250 bis 280 wird von unserer Seite aus die Zusammenarbeit deutlich stärker abgewogen und bei einem Index über 280 wird die Geschäftsanfrage unter strikteren Konditionen durchgeführt, wie z.B. unter Vorauszahlung. Ein anderes Beispiel der PFK-Geschäftsbeziehungen untermauert die Bedeutung der Ratings: Manitou-Maschinen werden von uns verkauft und vermietet. Manitou selbst sichert sich hier durch die BNP Paribas factor ab, die Factoringbank des Baumaschinenherstellers. Die BNP hat für Manitou ein bestimmtes Kreditlimit gegenüber der PFK vorgegeben, dies auch auf Grundlage des PFK-Ratings. Innerhalb dieses Rahmens darf Manitou an uns ein versichertes Kontingent an Maschinen liefern.
Die Vorgehensweise und Risikoabsicherung der Kreditversicherer lässt sich auch auf die Vorgehensweise der übrigen Kreditinstitute übertragen. Damit sollte jedem Unternehmer klar sein, wie wichtig die Themen Bonitätseinstufung und Finanzkommunikation schon allein gegenüber den Banken und Versicherern ist. Laut dem KMU-Beraterverband nutzen übrigens Factoring- und Leasing-Institute auch den Creditreform-Index als ersten Filter zur Kundenbeurteilung und bewerten einen Index-Wert von 290 als kritisch. Unternehmen sollten demnach ihre Bonität kennen und bei schlechten Werten über den Weg der Finanzkommunikation verbessern.

Lassen sich denn die Bonitätsrankings der Kreditinstitute mit jenen etwa der Creditreform vergleichen?
Nein, denn die Kreditinstitute nutzen intern andere Bewertungsskalen: Die Commerzbank weist „Noten“ von 1 bis 4,8 aus, die Sparkassen Finanzgruppe nutzt zum Beispiel eine Skala von 1 bis 12, die Postbank oder die Deutsche Bank setzen auf AAA-BBB-Rankings (für beste Bewertungen), angelehnt an das System von Standard & Poor`s. Fakt ist aber, das die Kreditinstitute ihre Bonitätsrankings, was die Tendenz der Bewertung betrifft, in Beziehung zur Bewertung der Creditreform setzen. Sprich, fällt die Einstufung der Creditreform positiv aus, sollte das bankeninterne Ranking ähnlich gut sein.

Die PFK bietet angeschlossenen Banken auch ein Finanzportal mit weiterführenden Informationen an. Hat das den Dialog zusätzlich verbessert?
Nun, verbessert in jedem Fall! Weil wir den fortlaufenden Austausch einfordern und so fördern. Wir fragen bei Banken auch nach, in wie weit sie das Finanzportal nutzen, ob es bei der Bewertung des Unternehmens hilfreich ist und was sich optimieren lässt. Würden wir all das nicht forcieren, müsste man die Kommunikation mit einigen Banken allerdings als Einbahnstraße bezeichnen. Wir sind es, die offen den Austausch suchen und selten die Kreditinstitute. Hilfreich wäre es, wenn beide Seiten mit der gleichen Qualität handeln würden.

Was sind die Kernelemente der PFK- Finanzkommunikation?
Auf der website im Bereich Finanzkommunikation veröffentlichen wir regelmäßig unsere Geschäftsberichte inklusive der verkürzten Bilanz für das laufende Geschäftsjahr, der Gewinn- und Verlustrechnung bis hin zum Lagebericht und Strukturdaten. Banken können im Finanzportal weitere Daten zu Jahresabschluss, Umsatzentwicklungen der Geschäftsbereiche, BWAs auch im Vorjahresvergleich, etc. abrufen. Und wir publizieren unser Bonitätszertifikat und geben einen Ratingüberblick der Auskunfteien wie etwa Creditreform und Bürgel.

Was würden Sie anderen mittelständischen Unternehmern raten?
Jeder Mittelständler sollte sich mit den Instrumenten der Finanzkommunikation und der damit einhergehenden eigenen Bonitätsbeurteilung auseinandersetzen und auskennen. Und das Gespräch mit Auskunfteien und Banken insbesondere im Vorfeld von Krisen suchen. Denn dann hat sich der Unternehmer mit den Tatsachen befasst und führt den Austausch mit seinen Geldgebern auf Augenhöhe.

Herr Dr. Streck, danke für das Gespräch.

Mehr Informationen zur PFK und zum Thema Finanzkommunikation unter http://www.pfk.de/finanzkommunikation

Bildquelle/Bildrechte: PFK Group GmbH

Tipps:
Zehn Fragen zu den wichtigsten Themen der Unternehmensführung für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU). Ziel: Identifikation von Verbesserungsmöglichkeiten. Antworten auf die zehn Fragen zeigen den Unternehmen direkt klare Prioritäten für 2014. Wo? Im „Start-Check 2014“, im Internet kostenlos zum download unter www.startcheck.cd-sander.de

"Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln -
Praxisleitfaden zur Bankenkommunikation für Unternehmer und Berater"
Praxistipps für eine dauerhafte und erfolgreiche Unternehmensfinanzierung auf Basis guter Bankenkommunikation: Von Finanzierungsbedarf über Rating, Sicherheiten, Preise und Gesprächsführung bis zu Bankinterna.
Autor: Dipl.-Kaufmann Carl-Dietrich Sander
ISBN: 978-3-482-63691-2 - Preis: € 34,80
NWB-Verlag




Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen