Washington hat die Welt auf Kurs in den Krieg gestellt



Von Paul Craig Roberts

Warum ist Washington so sehr gegen die Selbstbestimmung der Krim? Die Antwort lautet, weil einer der wichtigsten Zwecke des Washingtoner Staatsstreichs in Kiew war, dass die neue Hampelregierung Russland aus seinem Schwarzmeer-Marinehafen auf der Krim hinauswirft. Washington kann die Regierung, die Washington in der Ukraine für diesen Zweck installiert hat, nicht dafür benutzen, wenn die Krim nicht mehr Teil der Ukraine ist.

Washington hat völlig offenkundig gemacht, dass „Selbstbestimmung” eine Waffe ist, die von Washington bei der Verfolgung seiner Agenda benutzt wird. Wenn Selbstbestimmung Washingtons Agenda befördert, dann ist Washington dafür. Wenn Selbstbestimmung Washingtons Plänen nicht entspricht, dann ist Washington dagegen.

Die von Washington eingebrachte Resolution des UNsicherheitsrats, gegen die dann Russland sein Veto einlegte, erklärt fälschlich, dass das Referendum auf der Krim, ein vom Volk gefordertes Referendum, „keine Gültigkeit haben und nicht die Grundlage für irgendeine Änderung des Status der Krim bilden kann; und fordert alle Staaten, internationale Organisationen und Behörden auf, keinerlei Änderung des Status der Krim auf der Grundlage dieses Referendums anzuerkennen und keinerlei Schritte zu unternehmen, die als Anerkennung eines dermaßen geänderten Status interpretiert werden könnten.“

Washington hätte nicht eindeutiger klarstellen können, dass Washington gegen die Selbstbestimmung der Bewohner der Krim ist.

Washington behauptet fälschlich, dass das Referendum keine Gültigkeit haben kann, wenn nicht die gesamte Bevölkerung der Ukraine abstimmt und der Entscheidung der Bewohner der Krim zustimmt. Beachten Sie – als Washington Kosovo von Serbien stahl, ließ Washington die Serben nicht abstimmen.

Aber lassen wir Washingtons stinkende Scheinheiligkeit und selbstsüchtige Doppelmoral. Sehen wir uns Washingtons Argument an, dass, um Gültigkeit zu erreichen, jede Änderung des Status der Krim eine Abstimmung der Bevölkerung des Landes erfordert, von dem sie sich trennt. Wenn das zutrifft, dann war die Krim nie ein Teil der Ukraine.

Nach Washingtons Interpretation des Internationalen Rechts ist die Ukraine noch immer ein Teil von Russland. Als Chrustschow die Krim (nicht aber Sevastopol, den Militärhafen am Schwarzen Meer) an die Ukraine angliederte, haben die Russen nicht darüber abgestimmt. Daher ist es gemäß der Logik Washingtons ungültig, die Krim als Teil der Ukraine zu betrachten. Das gilt auch für andere Teile Russlands, die Lenin an die Ukraine angliedert hat. Gemäß der Logik der UNO-Resolution Washingtons gehören große Teile der Ukraine nicht rechtmäßig zur Ukraine. Sie sind Teile Russlands geblieben, weil die Russen nicht über ihre Angliederung an die Ukraine abstimmen durften. Das Thema „Russland annektiert die Krim“ gibt es also gar nicht, da nach Washingtoner Logik die Krim noch immer ein Teil Russlands ist.

Brauchen Sie noch mehr Beweise dafür, dass die ukrainische Krise aus dünner Luft von Intriganten in Washington zusammengebraut wurde, die die gesamte Krise für einen Zweck schufen – um Russland militärisch zu schwächen.

Es hat niemanden überrascht, dass die New York Times am 14. März die kriegshetzerische Hasstirade publizierte, die die Neokonservativen für John McCain schrieben, der Washingtons Aggression gegen die Ukraine als Russlands Aggression hinstellte. The Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika stürzt eine demokratisch gewählte ukrainische Regierung und beschuldigt dann Russland, „in die Krim einzumarschieren und sie zu annektieren,“ um die Aufmerksamkeit von Washingtons Sturz der ukrainischen Demokratie abzulenken. In Kiew gibt es keine gewählte Regeriung. Die Handlanger, die in Kiew Regierung spielen, wurden von Washington eingesetzt. Wer sonst hat sie gewählt?

Überrascht hat einige, dass sich Rand Paul an der Hysterie beteiligt hat. Rand Paul schrieb seine Propagandatirade gegen Russland für Time. Rand Paul behauptet fälschlich, dass Putin in die Krim einmarschiert ist und dass das ein Affront für die „internationale Gemeinschaft“ ist. Zum ersten ist die Entscheidung der Krim, die Ukraine zu verlassen, eine Entscheidung der Bevölkerung der Krim und deren gewählter Regierung, und nicht eine Entscheidung Russlands. Aber lassen wir Rand Pauls Lüge als die Wahrheit gelten: Ist „Vladimir Putins Einmarsch in die Ukraine eine grobe Verletzung der Souveränität dieses Landes und ein Affront gegenüber der internationalen Gemeinschaft?“ wie Washingtons Einmärsche in den Irak oder Afghanistan, und die von Washington bezahlten Invasionen von Libyen und Syrien, und Washingtons fortgesetzte Tötung von Pakistanern und Jemeniten mit Drohnen, und Washingtons Verletzung der Souveränität des Iran durch illegale Sanktionen, und Washingtons Verletzung der ukrainischen Souveränität durch den Sturz der gewählten Regierung und die Einsetzung von Washingtons Handlangern?

Wenn Putin sich verhält, wie Rand Paul in seiner Ignoranz behauptet, dann folgt Putin den Beispielen, die Clinton in Serbien, Bush in Afghanistan und im Irak, und Obama in Afghanistan, Libyen, Syrien und Ukraine gesetzt haben. Washingtons Argument beschränkt sich auf: „Wir, die außergewöhnliche und unersetzliche Nation können uns auf diese Weise verhalten, aber kein anderes Land darf das.“

Da einige Amerikaner irrigerweise Hoffnungen in Rand Paul gesetzt haben, ist es ganz gut, dass er in Time enthüllt hat, dass er nur ein weiterer Esel ist, der sich für die neokonservativen Kriegstreiber und den Militär-/Sicherheitskomplex prostituiert. Wenn Rand Paul Amerikas Hoffnung ist, dann gibt es eindeutig keine Hoffnung für Amerika.

Ich habe schon geschrieben, dass die Propaganda und die Lügen aus Washington, seinen europäischen Hampelstaaten, New York Times, Time und der Gesamtheit der westlichen Medien sich wieder auf dem Pfad bewegen, der zum Ersten Weltkrieg geführt hat.

Das geschieht genau vor unseren Augen.

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erschienen am 16. März 2014 auf > Paul Craig Roberts Website und auf www.antikrieg.com

Der Autor

Prof. Dr. Paul Craig Roberts wurde am 3. April 1939 in Atlanta, Georgia geboren. Er hat an der Georgia Tech, der University of Virginia, der University of California in Berkeley und der Oxford University studiert, wo er Mitglied des Merton College war. Er wurde von Präsident Ronald Reagan zum Assistant Secretary of the US Treasury for Economic Policy berufen.

Er war Mitarbeiter des US-Kongresses, Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist bei Business Week, Scripps Howard News Service und Creators Syndicate sowie Senior Research Fellow der Hoover Institution und der Stanford University. Zudem hatte er den William E. Simon Chair in Political Economy am Center for Strategic and International Studies der Georgetown University inne.

Er ist Vorsitzender des Institute for Political Economy und Autor oder Koautor von zehn Büchern sowie zahlloser Artikel in wissenschaftlichen Journalen. Er hat vor dem US-Kongress in Kommissionen zu mehr als 30 Anlässen ausgesagt.

Prof. Roberts wurde mit dem Meritorious Service Award des US-Finanzministeriums für seine „herausragenden Beiträge zur Formulierung der Wirtschaftspolitik der USA“ und in Frankreich mit dem Legion of Honor als „Handwerker einer Erneuerung der Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftspolitik nach einem halben Jahrhundert Staatsinterventionismus“ ausgezeichnet.

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http://www.weltbuch.com/buch/sachbuch/amerikas-kriege/

Das Image der Vereinigten Staaten von Amerika als Kriegsverbrecher ist kein Propagandaimage, das von den Feinden des Westens geschaffen wurde, sondern das Bild, das der Westen von sich selbst gezeichnet hat. (Dr. Paul Craig Roberts, USA, 26.08.13)

Mit Amerikas Kriege[r] erscheint eine provokante und verstörende Sammlung von Kolumnen des US-amerikanischen Journalisten und Regierungsmitgliedes unter US-Präsident Ronald Reagan, Dr. Paul Craig Roberts.

Seit 2009 prangert Roberts die anhaltenden Kriegsverbrechen der US-amerikanischen Regierung und seiner Verbündeten an, die unersättliche Gier der Machthaber nach Profit und internationaler Hegemonie. Dabei reichen seine Betrachtungen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zurück und entlarven mit gut recherchierten Fakten die verlogene Scheinheiligkeit der offiziellen Propaganda seitens der westlichen Regierungen.

Amerikas Kriege[r] bringt die wichtigsten von Roberts’ Kolumnen von 2009 bis Mitte 2013 erstmals in deutscher Sprache in Buchform zusammen, sodass seine Ausführungen für jeden im deutschen Sprachraum zugänglich werden. Es mag beinahe ironisch erscheinen, dass mehrere von Roberts’ Kritikpunkten, die die US-amerikanische Regierung allesamt abstreiten würde, durch den gegenwärtigen NSA-Skandal bestätigt werden. In dieser Angelegenheit werden noch einige Überraschungen zutage treten. So liefert die USA einem ihrer größten Kritiker unfreiwillig einen perfekten Zeitpunkt für die Veröffentlichung eines Buches, das die Vereinigten Staaten – einst Symbol für Freiheit und Demokratie – als einen von einer korrupten, kriegstreiberischen, machthungrigen, profitgierigen Regierung zerrütteten Staat entlarvt.

Roberts lässt sich nicht als einen wirren Verschwörungstheoretiker abstempeln und kleinreden. Stattdessen klärt er dem Leser den Blick für die Wahrheit, die, einmal entdeckt, nicht mehr ignoriert werden kann.



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