Blogs / 2014 / Mai

Wenn Journalisten sich selbst nicht kaufen würden. Wie sich Medien und ihre Macher im Weg stehen



ResponseSource und Bitkom Research haben eine interessante Studie vorgestellt: "Medienmacher 2014 - Recherche, Qualitätsanspruch und Finanzierung im digitalen Alltag".

Die Studie räumt mit etlichen handfesten Vorurteilen auf. So leben die meisten Journalisten nicht davon, dass Leser ihre Texte kaufen. Mehr als zwei Drittel (71%) der befragten Journalisten arbeiten für werbefinanzierte Medien. Das heißt, sie können nur dann Geld verdienen, wenn das Medium nicht nur genügend Leser findet, sondern auch genügend Inserenten.

Dieses Modell hat Huffington Post hundertprozentig umgesetzt. Zahlende Leser kommen im Konzept nicht mehr vor. Bezahlte Schreiber daher auch nicht. Das Portal wird ausschließlich werbefinanziert. Und die Journalisten, die veröffentlichen dürfen, erhalten als Lohn kein Geld, sondern Bekanntheit und Publizität.

"Mit 96% gaben fast alle Journalisten an, dass das Medium, für das sie hauptsächlich tätig sind, journalistische Inhalte im Internet zur Verfügung stellt." berichtet Kress http://kress.de/mail/tagesdienst/detail/beitrag/126438-journalisten-studie-38-wuerden-nicht-fuer-eigenes-online-medium-bezahlen.html Nur bei weniger als einem Drittel der Medien kommen dabei auch kostenpflichtige Content-Modelle wie Freemium, Paywall, Light- und Kontingent- oder sogenannte "Metered"-Modelle zum Einsatz.

Was genau beweist das? Ganz einfach: Wenn im Gegensatz zu früher die Vervielfachung von Information rund um den Erdball in Sekunden möglich ist, dann wird das auch gemacht. Und wenn das gemacht wird, dann kann man mit der Information als solcher kein Geld mehr verdienen. Die Medien-Geschäftsmodelle der 80erJahre des letzten Jahrhundert sind vorbei. Vergessen. Erledigt.

Übrigens: 38 Prozent der befragten Journalisten gaben zu, dass sie als Leser für die Online-Ausgabe ihres eigenen Mediums kein Geld bezahlen würden.

Und diese Journalisten bezeichnen ihre Arbeit als Qualitätsarbeit? Das erinnert mich an einen Besuch von Kur Biedenkopf Ende 1990 bei einem sächsischen Automobilzulieferer, der das damalige Trabantwerk belieferte. "Wer von Ihnen hat dieses Jahr einen Trabant gekauft?" fragte er. Keiner meldete sich. Alle wollten West-Wagen. "Nun, dann müssen Sie sich nicht wundern, wenn auch niemand mehr Ihren Arbeitsplätz erhalten kann" machte Biedenkopf den Arbeitern plausibel.

Dasselbe Los steht Journalisten bevor, die ihre eigene Arbeit nicht wertschätzen, aber streiken, damit andere ihnen hohe und höhere Gehälter zahlen. So wird's nicht funktionieren. Das Modell Financial Times Deutschland, wo Journalisten jahrelang Millionen und Abermillionen Euro verbrennen konnten, bevor den Verlagseignern der Geduldsfaden riss, wird sich nicht wiederholen.

Und das Modell "Crowdfunding" wird nicht funktionieren. Wenn schon Journalisten ihre eigene Arbeit nicht kaufen würden, warum sollten das dann hunderttausende Leser tun?




Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen