Wann sind wir schon mal zufrieden? Eigentlich nie!



Wann sind wir schon mal zufrieden? Eigentlich nie!

Obwohl wir allen Grund hätten mal Zufriedenheit zu zeigen, neigen wir gerade zu ständig dazu, Unzufriedenheit zu verbreiten. War es früher die Bescheidenheit, die uns durch unsere Erziehung nicht nur durch unsere Eltern, sondern auch durch die Kirche, unseren Lehrern, Ausbildern usw. eingebläut wurde, so ist es heute der Druck, der auf uns lastet, immer besser zu sein als der Nachbar, sogar als der Freund. Kaum geboren, fängt heute dieser Druck an auf uns zu wirken. Wir werden von der eigenen Mutter noch im Vollbesitz der Mutterliebe mit den Säuglingen nebenan verglichen. Ist mein Kind auch kräftig genug, dem gesellschaftlichen Druck zu widerstehen? Wird er oder sie dem Ideal entsprechen, so dass er oder sie nicht im Abseits der Gesellschaft sein Leben tristen wird? Ist unser Kind gesund und bleibt es das auch? Wird eines unserer Kinder mal unser Lebenswerk weiterführen? Welche Erziehungsmethode muss ich anwenden, damit eines unserer Kinder mal das Angefangene weiterführt? Wird unser Kind uns lieben, auch wenn wir zum vermeintlichen Wohl unseres Kindes eine strenge Erziehungsmethode auswählen werden, um es auf das harte Leben in der Wirklichkeit vor zu bereiten? Viele Fragen und genau so viele Antworten. Aber werden wir auch die richtigen Antworten auf unsere Fragen finden?
Kaum stehen wir auf kleinen aber eigenen Füßen, werden wir von Erfahrungen der Erwachsenen beeinflusst. Du darfst dieses und jenes nicht und musst dieses und auch noch jenes tun, damit du … wenn du dieses oder jenes nicht tust, kannst du nicht mal dieses oder jenes werden… Wenn mein Kind früher läuft, früher spricht und auch früher lernt aufs Töpfchen zu gehen, wird es bestimmt größere Chancen in dieser Welt haben!
Den Kindergarten absolviert, möglichst schon Kontakt mit Fremdsprachen, Naturwissen-schaften im Anfangsstadium, Computertablet und Fernsehen als Erziehungsersatz, da kommen schon die ersten Zweifel. Darf mein Kind das schon sehen, wird es mein Kind in der Entwicklung negativ beeinflussen, hilft der Computerzugang mein Kind auf das technische Leben vorzubereiten? Und schon wieder viele Fragen und genau so viele Antworten. Nur welche Antwort ist die richtige?
Mein erster Schultag. Der Blick in die Menge nimmt mir die Luft zum Atmen. Die sind ja viel größer als ich! Die haben reiche Eltern und somit bessere Voraussetzungen als ich. Die sind bestimmt klüger als ich. So zeigt der auf uns lastende Druck die ersten Reaktionen auf uns. Wir fühlen uns minderwertig gegenüber der Konkurrenz. Die entscheidende Frage, die uns wahrscheinlich das ganze Leben lang begleiten wird, wird sein, müssen wir in Jedem einen Konkurrenten sehen und müssen wir um jeden Preis immer der Beste sein? Oder gibt es nicht auch ein Miteinander und ein Füreinander? Müssen wir uns immer in den Vordergrund spielen, damit wir interessanter wirken, als wir wirklich sind, damit die Entscheidung im Bedarfsfall auf uns und nicht auf den Nachbarn fällt?
Der Druck wird steigen. Heute bleibt nur ganz Wenigen noch Zeit, sich um die Belange der Kinder zu kümmern. Früherkennung, ist das das Zauberwort, bei dem Neigungen, Vorlieben und Stärken sichtbar und so gezielt gefördert werden? Ein Blick in die Vergangenheit kann das nicht immer bestätigen. Keiner hätte je daran geglaubt, dass aus so einem unscheinbaren mittelmäßigen Schüler, wie Albert Einstein, mal ein so großer Wissenschaftler wird.
Doch scheinbar liegen unsere jungen Jahre doch in einem kausalen Zusammenhang mit unserem späteren Werdegang. Irgendetwas hat uns inspiriert und unseren Ehrgeiz geweckt.
Ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert, kann ich diesbezüglich über meine eigenen Erfahrungen berichten. Bei mir war es die Ablehnung der Mutter meiner Freundin. Sie sagte ganz unverblümt, „Was willst du denn mit dem? Der ist nicht gut genug für dich!“ Den Beweis anzutreten, dass ich doch besser bin, als sie vermutet, ließ mich zur Höchstleistung auffahren. Schon das persönliche Vater-Sohn-Gespräch zu Beginn der 10. Realschulklasse hat tiefen Eindruck in mir hinterlassen. Mein Vater sagte, „Mein lieber Junge, ich habe über Vieles hinweg geschaut. Aber nun ist es an der Zeit, dass du erkennst, du lernst für dich und nicht für mich. Mit dem Abschlusszeugnis der Mittleren Reife wirst du dich ständig bewerben.“ Den vermeintlichen Sinn verstanden zu haben, machte ich mich auf, meinen Klassenkameraden gegenüber zu gestehen, dass ich nicht mehr für jeden Spaß zu haben bin und mich künftig mehr der persönlichen Bildung widmen werde. Ein großes Gelächter machte sich breit. Doch am Ende lachte keiner mehr. Denn ich hatte mich in manchen Fächern um bis zu drei Noten verbessert. Dennoch, die Mutter meiner Freundin meinte, ich wäre nicht gut genug. Also musste ich nunmehr in meiner Ausbildung zum Zimmerer richtig Gas geben. Gesagt, getan, war der Ehrgeiz grenzenlos. Und damit es auch keine Zweifel mehr gab, musste es ein Ergebnis mit 1,0 sein. Also, dann müsste sie doch eine andere Überzeugung haben, dachte ich. Nun, das Ziel war erreicht und ein Jahr früher, als es die Ausbildung vorsah. Aber die Meinung über mich änderte sich nicht. Also, was hatte es gebracht, einmal der Beste gewesen zu sein. Mir gar nichts! Und obwohl ich dann meine spätere Schwiegermutter jahrelang mit unserem hart verdienten Geld unterstützte und ich alles dafür tat, um die Herkunft des Geldes zu verschleiern, so dass sie niemals im Leben auf mich gekommen wäre, wollte ich nur eines: Sie sollte mich so nehmen und so lieben, wie ich bin und nicht, weil ich sie finanziell unterstützte. Aber noch über ihren eigenen Tod hinaus, hinterließ sie mir ihre Abneigung und schrieb in ihr Tagebuch mehrfach, wie sehr sie sich einen Schwiegersohn wünschte, der so sei wie ihr Sohn, von dem sie vermutete, dass von ihm diese finanzielle Unterstützung monatlich käme.
Obwohl jetzt gar kein Anreiz mehr für diesen übertriebenen Ehrgeiz vorhanden war, konnte ich durch mein fachliches Wissen, meiner Aufgeschlossenheit dem Neuen gegenüber, meinem Teamgeist, aber vor allen Dingen meinen inneren Verletzungen und wesentlich schlimmeren Erfahrungen, den Ehrgeiz nicht abschalten. Die Gründe dafür sind ganz banal. Ich wollte es mal allen, die mich als Schwächling und Taugenichts titulierten, denen wollte ich mal zeigen, was in mir steckt.
So legte ich eine traumhafte berufliche Karriere hin.
Ich ließ mich in einem Unternehmen nicht als Geselle, sondern als Facharbeiter einstellen. Ein viertel Jahr später war ich in diesem Unternehmen ein Vorarbeiter, schon ein Jahr später ein Polier, danach ein Bauführer und danach übernahm ich schon Bauleitertätigkeiten.
Aber auch hier, wo ich mich scheinbar richtig gut auskannte, musste ich mich ständig beweisen und ich beschloss, eine Ausbildung nach der anderen abzuschließen. Ein Maurermeister, ein Stahlbetonmeister, ein Sicherheitsmeister usw., usw. Vielleicht überzeugte das den einen oder anderen, mich hingegen machte es nachdenklich und ich beschloss, mein Leben zu verändern, der Gemeinschaft zu widmen. Mich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen, sondern mehr das Team zu stärken. So kündigte ich nach 20 Jahren dem Unter-nehmen, dem ich durch meinen Ideenreichtum, meine Zuverlässigkeit und vor allen Dingen meiner Loyalität und mein unternehmerisches Denken, viel Bleibendes hinterlassen habe.
Ich machte mich selbstständig als Handwerksunternehmen und parallel dazu versuchte ich ein Team um mich herum zu bilden, das in vielen Punkten meinen Vorstellungen zum Wohle der Gemeinschaft entsprach. Als Vorbild für den Teamgeist und im Bewusstsein, dass Mitbewerber nicht immer Konkurrenten sind, versuchte ich diese Erkenntnisse zu transportieren.
Es gelang mir nicht immer, jeden davon zu überzeugen und jedem die Vorteile eines Teams zu verdeutlichen. Aber in der Hälfte meines Lebens angekommen, denke ich, bleibt noch viel Zeit Gutes zu tun. Erfolg misst sich meiner Meinung nach nicht an meinem finanziellen und gesellschaftlichen Status, noch nicht einmal am Bekanntheitsgrad. Erfolg kann was ganz Persönliches sein. Es kann sich so wie bei mir ein Gefühl der Zufriedenheit einstellen. Nicht unbedingt auf das, was man bislang erreicht hat, vielmehr wie viele Mitmenschen man durch seine tägliche Arbeit glücklich und zufrieden gemacht hat. Wenn es einem gelingt, sich am Glück des anderen zu erfreuen, dann ist man zufrieden. Ja, dann hat man Erfolg.
So wünsche ich allen Teilnehmern Zufriedenheit und Erfolg!

Karl-Heinz Rosenkranz
(Leiter und Gründer des Innovationszentrum Dieburg)



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