Dürre's Kollateral-Nutzen und die Nürnberger Schule



Auf http://if-blog.de/rd/vom-kollateral-schaden-zum-kollateral-nutzen/ schreibt Roland Dürre am 27. Mai 2014 über den Kollateralnutzen, eine Wortschöpfung von ihm.

Andreas Zeuch regte das zu folgender Wortmeldung an: http://crowdintuition.de/kollateralnutzen/

Der Originalartikel von Dürre:

Häufig spricht man von einem “Kollateralschaden”. Natürlich findet sich dieser Begriff unter dem Eintrag “Begleitschaden” auch in Wikipedia. Auf der Suche nach dem Begriff Kollateralnutzen finde ich im Internet nur eine mich nicht befriedigende Erklärung: Kollateralnutzen sei der “Spaßgegensatz zum Kollateralschaden”. Und in Wikipedia finde ich den Begriff “Begleitnutzen” auch nicht.

Das finde ich schade und falsch.

Es ist doch so: Man tut etwas Böses, Feindseliges oder einfach nur Falsches. Wie z.B. Krieg führen. Da will man jemanden schaden, nämlich dem Feind. Und richtet neben den beabsichtigten noch viel mehr massive Schäden an. Die dann heißen Begleit- oder Kollateralschäden. Umgekehrt kann man etwas Gutes, Menschenfreundliches oder auch einfach nur Richtiges tun. Und ich bin mir sicher, es wird dann auch einen zusätzlichen wenn auch nicht absehbaren Kollateralnutzen geben.

Vielleicht sollte man nur den Begriff des Begleit- oder Kollateralnutzens mehr in unsere Sprache integrieren und damit den Kollateralschaden verdrängen. Vielleicht würden die Menschen dann öfters erkennen, was gut und was schlecht ist und sich so auch öfters für das Richtige und gegen das Falsche entscheiden?

Also, bitte daran denken, wenn man Gutes tut, gibt es immer einen vielfältigen zusätzlichen Kollateralnutzen – also das Richtige tun!

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Quellen:
http://www.duerre.de/wordpress/?page_id=50
http://if-blog.de/rd/vom-kollateral-schaden-zum-kollateral-nutzen/

CC BY-NC-SA 2.0 DE http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/

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Ist denn der Kollateralnutzen von Dürre eigentlich nichts weiter als der der Teil von Vershofens Zusatznutzen, den man ursprünglich nicht beabsichtigte?

Der zu vergleichende Wikipedia-Artikel:

Nutzenschema der Nürnberger Schule
http://de.wikipedia.org/wiki/Nutzenschema_der_N%C3%BCrnberger_Schule

Ein in den Wirtschaftswissenschaften als klassisch zu bezeichnender Ansatz zur Beschreibung der Bedeutung von Konsumgütern für den Konsumenten ist das so genannte Nutzenschema der Nürnberger Schule nach Vershofen (1940). Zur Erklärung des Nutzens nimmt das Modell die basale Einteilung in Grundnutzen und Zusatznutzen vor.

Wilhelm Vershofen (1878–1960), der oft als „Vater“ der Marktforschung in Europa bezeichnet wird, war u. a. Professor an der Handelshochschule Nürnberg und Mitbegründer der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Er entwickelte eine Theorie, der zufolge Produkte einen bestimmten Nutzen für Konsumenten in sich bergen. Dieser Nutzen lässt sich seiner Meinung nach konzeptionell in verschiedene Anteile aufspalten (siehe Abbildung).

Auf der obersten Ebene unterscheidet Vershofen ‘stofflich-technischen Grundnutzen’ und ‘psychologischen Zusatznutzen’ voneinander. Den Zusatznutzen teilt er weiter auf in ‘Geltungsnutzen aus der Sozialsphäre’ und ‘Erbauungsnutzen aus der persönlichen Sphäre’. Erbauungsnutzen besteht nun wiederum aus ‘Schaffensfreude aus Leistung’ und ‘Zuversicht aus Wertung’, letztere setzt sich aus ‘Harmonie durch Ästhetik’ und ‘Ordnung durch Ethik’ zusammen.

Zwar bleibt Vershofen in der Beschreibung der einzelnen Nutzenkategorien auf sehr abstrakter Ebene, seine grundlegende Unterscheidung zwischen Grund- und Zusatznutzen fand aber dennoch großen Anklang in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und wird dort noch heute als gültig anerkannt. Sie wird deshalb im Folgenden kurz erläutert und am Beispiel eines Automobils veranschaulicht:

Laut Vershofen liegt der Nutzen von Konsumgütern auf der obersten Ebene zum einen in ihren stofflich-technischen, man könnte auch sagen „funktionalen“ Eigenschaften. Führt man sich diesen Grundnutzen eines Automobils vor Augen, so wäre damit die Möglichkeit gemeint, mit dessen Hilfe eine Distanz von A nach B zu bewältigen. Auf der anderen Seite bieten Güter aber auch psychologischen Zusatznutzen, der mit den weiter unten liegenden Verzweigungen des Nutzenschemas begründbar ist: als „Geltungsnutzen“ im sozialen Umfeld wäre bei einem Automobil etwa Prestige zu nennen, individueller „Erbauungsnutzen“ könnte im Sinne von „Schaffensfreude“ das Erleben eigener Kompetenz beim Fahren sein, als Nutzen aus „Zuversicht“ bzw. „Wertung“ ist unter „Harmonie“ die Ästhetik des Automobil-Äußeren, unter „Ordnung“ die Verwirklichung eines evtl. persönlich empfundenen Rechtes auf Mobilität denkbar.

Literatur: Vershofen, Wilhelm: Handbuch der Verbrauchsforschung. Berlin 1940
Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Lizenzbestimmungen_Commons_Attribution-ShareAlike_3.0_Unported



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