Staatlicher Leiter – was war denn das?



Für jene, welche mit Begriffen der Ex-DDR nicht so vertraut waren oder sind ist es schwer, die derzeit verwendeten Termini inhaltlich korrekt zu deuten. Das gilt gewiss auch für den Begriff „Staatlicher Leiter“. Was war denn das?

Als „Staatliche Leiter“ wurden im Sprachgebrauch der Ex-DDR jene Personen bezeichnet, welche in einem volkseigenen Betrieb bzw. Kombinat oder in einer staatlichen Institution bzw. Einrichtung mit einer Leitungstätigkeit betraut waren.

Der Begriff wurde dabei mit Blick auf unterschiedliche Leitungsebenen verwendet. So gehörten z. B. im VEB Robotron-Anlagenbau, meinem Arbeitgeber zu DDR-Zeiten, sowohl die Gruppen- und Abteilungsleiter als auch die Fachdirektoren und der Betriebsdirektor zu den Staatlichen Leitern.

Auf betrieblicher Ebene wurde von einem Staatlichen Leiter (z. B. Betriebsdirektor) erwartet, dass er – neben der fachlichen Arbeit – seine Leitungstätigkeit im Schulterschluss mit der SED-Betriebsparteileitung (BPO) und im Zusammenwirken mit der betrieblichen Gewerkschaftleitung (BGL) ausübt. Bei den Staatlichen Leitern unterer und mittlerer Ebenen (z. B. Gruppen- und Abteilungsleiter) waren derartige Erwartungen deutlich abgeschwächt, aber dennoch gegeben.

Wesentlich ist, dass die Tätigkeit eines Staatlichen Leiters – gleich welcher Ebene – an zwei Anforderungen gebunden war: Erstens an die Anforderungen, die aus der fachlichen Leitung der zu verantwortenden Arbeitsprozesse resultierten und zweitens an jene, welche der politischen Einflussnahme auf die unterstellten Mitarbeiter entsprachen.

Um die Dualität von fachlicher Leitung und politischer Einflussnahmen zu sichern und zu bewahren wurde gefordert, dass sich ein Staatlicher Leiter – zumindest in Grundzügen – „(DDR)System-loyal“ verhielt. Dieser Forderung wurde er am ehesten gerecht, wenn er, wie die Mehrheit der Staatlichen Leiter, Mitglied der SED war – so die Regel. Regelabweichungen wurden dann akzeptiert, wenn der Staatliche Leiter Mitglied einer Blockpartei (z. B. CDU) oder „Parteiloser Kommunist“ war. Diesen Begriff gab es tatsächlich. Er wurde verwendet für jene, welche sogar überzeugte Genossen politisch „links“ überholen wollten oder überholten.

Mehr: www.mut-zum-aufbruch.de



Ihre Sicherheit und Privatsphäre im Internet sind uns wichtig! Es werden mittels des Einsatzes von Cookies keinerlei persönliche Daten gespeichert oder mit Dritten getauscht. Dennoch verwendet diese Website Cookies zur Steigerung von Funktionalität und Leistungsfähigkeit. Falls Sie weiter lesen und unsere Website verwenden, stimmen Sie dem Gebrauch von Cookies zu.

Schließen