Klarer Blick angebracht: Wenn's ums Geld geht ....



Fast ohne Ausnahme werden nicht die nationalen Marktführer, sondern die kleineren Regionalbanken, die Volks- und Raiffeisenbanken und die Sparkassen, im Wettbewerb "Großer Preis des Mittelstandes" von Kunden und Partnern nominiert und von den Juroren der Oskar-Patzelt-Stiftung häufig positiv bewertet und auch ausgezeichnet. 2014 wurde zum Beispiel die Sparkasse Göttingen ausgezeichnet http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/unternehmen/sparkasse-goettingen

Wissen Sie warum? "Durch innovative auf den Mittelstand orientierte Finanzierungsprogramme konnten in den letzten Jahren mehrere tausend Arbeitsplätze im Raum Göttingen erhalten und moderne Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Mit der Förderung innovativer Vorhaben im Raum Göttingen, der eigenverantwortlichen Initiierung innovativer Vorhaben in der Sparkasse mit jungen Mitarbeitern und dem Gewinnen und Entwickeln junger Menschen für das Unternehmen verfügt man in Göttingen über eine „Dreiklangstrategie", die im Sparkassensektor einmalig ist." So steht's in der Laudatio http://www.mittelstandspreis.com/uploads/media/2014_-_DUE-Sonderpreise.pdf. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

In Göttingen hat man diese Auszeichnung natürlich wahrgenommen, reflektiert, anerkannt. Aber in der (überregionalen) deutschen Öffentlichkeit, in Medien, Schulen und Talkshows, kommen Sparkassen kaum vor im breiten Themensalat um "deutsche Banken. Dabei wird manchmal durchaus sehr fein unterschieden: Ein Tilo Sarrazin mag vielleicht immer noch SPD-Mitglied sein - aber kein SPD-Mitglied möchte daran erinnert werden. Breite Diskussionen branden auf, wenn irgendwo versehentlich jemand eine Kritik an radikalen Islamisten so nachlässig formuliert, dass der integrierte und das Grundgesetz achtende Muslim sich angegriffen fühlen könnte.

In der überregionalen Öffentlichkeit sind aber die Leistungen der regionalen Banken und ihre besonderen Probleme häufig schlicht unbekannt. Dabei könnte nichts falscher sein als die unzulässige Identifizierung von Institutionen wie der Deutschen Bank mit Institutionen wie der Sparkasse Göttingen. Hier wäre eine Differenzierung und ein klarer Blick angebracht.

Die Süddeutsche Zeitung machte sich gestern über das Marketingproblem der Sparkassenorganisation lustig http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/marketing-der-sparkassen-wenns-ums-werbung-geht--1.2353521: "Wenn es um ihre Marke geht, verstehen die Sparkassen keinen Spaß. Das fängt mit dem roten Farbton an, im Druckerdeutsch HKS 13 genannt, um dessen Verwendung sie sich seit Jahren mit Konkurrenten vor Gericht streiten."

Da ist man geneigt zu fragen: Na klar doch! Wer eine Marke hat, muss die doch verteidigen, sonst verliert er ja das Recht auf die Markennutzung. Übrigens, darauf macht die SZ zu Recht aufmerksam, ist der Begriff Sparkasse nicht nur als Marke, sondern seit 1934 sogar durch das deutsche Kreditwesengesetz geschützt. Nur öffentlich-rechtliche Kreditinstitute dürfen sich nach § 40 Sparkasse nennen.

Doch dann muss die SZ stänkern: "Spätestens seit der Finanzkrise geben sich die kommunalen Institute obendrein gerne den Anschein, sie hätten mit den stinknormalen Banken und deren schlechtem Image rein gar nichts zu tun." In Wirklichkeit, setzt die SZ fort, würden die mehr als 400 deutschen Sparkassen unter denselben schweren Rahmenbedingungen wie andere Kreditinstitute leiden: Niedrigzinsen, Digitalisierung, teure Filialnetze, Vertrauensverlust der Kunden.

Damit hat die Süddeutsche nur teilweise Recht. Die glossenartig aufgemachte Kritik an der Frage, ob der seit 1963 bundesweit verwendete Ohrwurm-Claim "Wenn's um Geld geht - Sparkasse" weiterverwendet werden soll, verkennt den entscheidenden Unterschied. Auch wenn Verbandschef Georg Fahrenschon im März entscheiden will, ob ein zentraler Marktforschungsauftrag die Wirkung des Slogans erforschen soll. Auch wenn das typische Sparkassenrot HKS13 gefährdet ist, seit die spanische Bank Santander mit dem fast ähnlichen HKS 14 unterwegs ist. Auch wenn das bereits zu sachlich unergiebigem Markenstreit am Europäische Gerichtshof und wahrscheinlich noch ein paar Jahre am Bundesgerichtshof führte.

Unabhängig von diesen Themen täte es der überregionalen Süddeutschen Zeitung gut, ihren Lesern deutlich zu sagen: Gerade die deutschen Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken sind die Versicherung der Deutschen dafür, dass auch bei künftigen Weltfinanzkrisen die Wirtschaftskreisläufe in den Regionen nicht an fehlendem Geld austrocknen und die Spargroschen der Bürger nicht im globalen Casino verzockt werden. Die mittelständisch aufgestellten Sparkassen und VR-Banken kultivieren die Tradition der 100.000 Masterpläne http://www.pt-magazin.de/newsartikel/archive/2013/september/02/article/german-mittelstand.html:

"In Wirklichkeit folgt das „Wunder“ zwar keinem EINZELNEN Masterplan EINES Wirtschaftsministeriums. Doch es ist das Resultat TAUSENDER einzelner Masterpläne kleiner, mittlerer und größerer Unternehmer. Aus planwirtschaftlicher Perspektive erscheint ein Resultat als Zufall, das aus marktwirtschaftlicher Sicht zwangsläufig ist. Denn der marktwirtschaftliche Wettbewerb tausender Masterpläne mit persönlicher Verantwortung und privater Haftung schafft IMMER mehr Möglichkeiten und Nutzen und allgemeine Wohlfahrt als EIN von Beamten und Bürokraten gelenktes Ministerium oder Parteiorgan es beim besten Willen jemals könnte."

Eben.


Helfried Schmidt



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