Kultur – Zahlen – Zählen



Anfang 2013 gründeten die zwei Frankfurter Leonid Monastyrski und Julian Wolf stARTistics. Im Hinterkopf hatten die zwei Ökonomen den Gedanken, wie es in Wirtschaftsunternehmen schon Usus ist, Markt- und Besucherforschung in der Kulturlandschaft zu etablieren. Ihr Ziel war deswegen mit stARTistics, zwischen den sehr fernen Welten der Kunst und der Ökonomie eine geschäftsträchtige Verbindung zu bauen. Denn Museen, Theater und Oper sind heute nicht mehr bloße Kulturstätten, sondern wirtschaftliche Betriebe, in denen mehr als in anderen Branchen, die Meinung und Zufriedenheit des Konsumenten vordergründig erscheint.

„Man muss sich vom Gedanken verabschieden, dass die Besucher in erster Linie wegen
der Kunst oder Musik eine Kultureinrichtung besuchen“, erklärt Julian Wolf. Meist steckt eine aufwändig und langgeplante Öffentlichkeitsarbeit dahinter, die für das Programm und das Haus an sich wirbt und versucht, neben dem in vielen deutschen Städten üppigen Veranstaltungsprogramm, zu glänzen. Denn ein Besuch im Kino erscheint für das jugendliche Publikum oft naheliegender als Ort für eine Verabredung, als ein Museumsbesuch. Hier möchte stARTistics ansetzen und den Kulturstätten Antworten liefern, welche Bedürfnisse der Besucher hat, was sie anspricht, wie sie angereist gekommen sind und welche Marketingmaßnahmen gewirkt haben. Damit kann eine Marketingabteilung ihr Budget bewusster einsetzen und auf die Wünsche ihres Zielpublikums besser eingehen. „Vor allem in der Kulturbranche, wo häufig sparsam mit dem Budget umgegangen werden muss, ist es wichtig zu wissen, wie man am besten sein Publikum erreicht und mit welchen Werbemitteln. Letztlich dienen die gewonnenen Daten der Überprüfung von Marketingmaßnahmen und bieten eine Datengrundlage für die strategische und kostenoptimierende Planung des Marketings der betreffenden Kulturinstitution”, unterstreicht Wolf.

„Der erste Besuch in einer Kultureinrichtung entscheidet oft darüber, ob ein Besucher sich von ihrem Ambiente, Corporate Design und Angebot angesprochen fühlt. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie das Publikum diese Komponenten wahrnimmt und bewertet“, meint Herr Monastyrski. Der studierte Soziologe und Betriebswirt kann auf eine mehrjährige Erfahrung im Bereich der Besucherforschung zurückschauen und weiß, dass es „den Besuchern heute meistens nicht mehr nur um die Kunst geht, sondern vor allem um das Erlebnis. Erlebnis meint hier Schlagworte, wie ungewöhnlich, spektakulär und mit der Zeit korrelieren. Denn die heutigen Museums- und Bühnengäste besuchen im Kino 3D-Filme, hören mit ihren MP3-Playern mehrere tausende Lieder und lesen Romane auf dem Kindle. Damit hat der Besucher heute eine ganz andere Wahrnehmung, als noch vor 15 Jahren, was bei der Marketingplanung berücksichtigt werden muss.“

Konträr zu dieser Erscheinung passiert eine zunehmende Alterung der deutschen Bevölkerung. Hier sind die Institutionen mit einem Publikum konfrontiert, das oft große Wandtexte, eine ruhige Museums-atmosphäre und Flyer als Informationsquelle bevorzugt.

Um den Spagat zwischen einzelnen Zielgruppen zu erleichtern, versucht das junge Frankfurter Unternehmen durch gezieltes Befragen, Antworten auf die variierenden Bedürfnisse zu finden.
Inzwischen arbeitet das Frankfurter Unternehmen mit Kunstinstitutionen, wie der SCHIRN Kunsthalle und dem Städel Museum in Frankfurt, den Deichtorhallen in Hamburg, den Pinakotheken in München und Fondation Beyeler im schweizerischen Riehen zusammen. Museen, deren Erfolge nicht nur an außergewöhnlichen Ausstellungen zu messen sind, sondern zudem an einer weitgreifenden Öffentlichkeitsarbeit. Die sich nicht nur an den hohen Besucherzahlen zeigen, sondern auch an dem großen Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad. Komponenten, die jede Kultureinrichtung erreichen kann, wenn sie das Wissen hat, was bei ihren Besuchern für Bedürfnisse prioritär sind.

Damit wollen sie eine andere Herangehensweise an das Thema Statistiken generieren und aufzeigen, wie vielseitig das Thema Statistiken besonders im Kulturbereich ist. Belohnt für ihr Engagement wurden die zwei Jungunternehmer Monastyrski und Wolf im Mai 2013, als sie den Frankfurter Gründerpreis erhielten, der von der Stadt seit 2001 einmal jährlich, an innovative Startup-Firmen, verliehen wird.



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