Warum die Zahl der Steuerberater schneller steigt als die der Ärzte



Die Zahl der Steuerberater und Steuerberatungsgesellschaften ist in Deutschland im Jahr 2014 um 1,7 Prozent auf 93.950 gestiegen. D.h., auf rund 39 Firmen mit durchschnittlich 7 Beschäftigten kommt ein Steuerberater. Im Vergleich dazu kommt nur ein Arzt auf 170 Einwohner.

Schon vor zahn Jahren hatte das deutsche Steuerrecht mit gut 200 Gesetzen und fast 100.000 Verordnungen byzantinische Ausmaße angenommen. Peter Hahne monierte damals in der WELT, dass es pro Jahr allein mindestens 15 Milliarden Euro kostet, die Steuern zu erheben. Inzwischen haben sich all diese Kennziffern weiter beschleunigt.

„Das kontinuierliche Wachsen des Berufsstandes ist ein Zeichen der anhaltend hohen Attraktivität des steuerberatenden Berufs“, freut sich Bundessteuerberaterkammer (BStBK)-Präsident Dr. Horst Vinken. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte lautet: Diese "Attraktivität" entsteht dadurch, weil in Deutschland eine solch unglaubliche Vorschriftenlast auf den Firmen und Steuerzahlern liegt, dass schon seit langem NIEMAND mehr fähig ist, seine Steuererklärung ohne die Hilfe eines Steuerberaters zu erstellen. Allein im Einkommensteuergesetz, das für 27 Millionen Steuerpflichtige maßgebend ist, wurden laut Rechnungshof bei jährlich rund zehn „Reformen“ zwischen 2006 und 2010 428 Bestimmungen durch 48 Gesetze geändert. Inzwischen hat das Tempo der Gesetzes"erneuerungen" das Tempo der Schul- und Brückensanierung bei weitem überholt.

In einem solchen Land gibt es kaum einen "zukunftssichereren" Beruf als den des Steuerberaters. Allerdings ergab eine forsa-Umfrage im Auftrag der BStBK ergab, dass Jugendliche zwar besonderen Wert auf eine zukunftssichere Ausbildung legen, den Beruf des Steuerfachangestellten aber kaum kennen. Der Steuer- und Wohlfahrtsstaat hat sein tatsächliches Dilemma offenbar erfolgreich vor den Jugendlichen "versteckt" statt diese wirklich auf das reale Leben vorzubereiten. „Keine Ahnung von Steuern, aber ich kann 'ne Gedichtanalyse schreiben“ beschwerte sich Naina (17) via Twitter über ihre mangelnde Schulbildung. Die BStBK begegnet der fehlenden Popularität daher mit einer eigenen Kampagne „Mehr als Du denkst“. Ob die Information "über die vielen Vorzüge des Berufs des Steuerfachangestellten, wie zum Beispiel der hohen Übernahmequote von Azubis von 80 Prozent" das ist, wonach Naina gefragt hat, darf allerdings bezweifelt werden.




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