Will Kasparow Putin wirklich "nicht friedlich" stürzen?



Garri Kasparow ist ein Vorzeigeoppositioneller. Er war Schachweltmeister. Einer der ganz großen. Dann begann er, Ende der 90er Jahre, in US-Zeitungen zahlreiche politische Kommentare zu veröffentlichen, in denen er die USA lobte, praktisch ohne Ausnahme, und sein Mütterchen Russland kritisierte, ebenfalls praktisch ohne Ausnahme. Vor allem der aktuelle Präsident Wladimir Putin führt seiner Ansicht nach eine "brutale Diktatur".

Das US-Magazin "Time" führte Kasparow 2007 in ihrer berühmten "Liste der 100 einflussreichsten Personen". Für den Herausgeber Richard Stengel war er ein Held, der einen „einsamen Kampf für mehr Demokratie in Russland“ führt. Im selben Jahr räumte Kasparow in Kopenhagen den neu gestifteten und mit 100.000 Kronen dotierten Pundik-Freiheitspreis ab. Und im Jahr 2013 wurde er von der Organisation UN Watch ausgezeichnet: Mit dem Morris B. Arbam Human Rights Award, für seinen "gewaltlosen Einsatz für die Menschenrechte in Russland".

Kasparow läuft Gefahr, die Auszeichnungen zurückgeben zu müssen oder später aberkannt zu bekommen. Gestern sagte er der Nachrichtenagentur "Reuters", dass er derzeit für Russland

nicht möglich sei, friedfertig

von der "brutalen Diktatur" des Präsidenten Wladimir Putin wegzukommen. "Mit der Ermordung des Putin-Kritikers Boris Nemzow schwindet nach den Worten des prominenten russischen Oppositionellen Garri Kasparow die Hoffnung auf einen friedlichen politischen Übergang in seiner Heimat." teasert die Onlinezeitung euroactiv.de einen Beitrag mit der Headline

Kasparow: "Russland kann Putin nicht friedlich stürzen"

Da fragt man sich doch, was das zu bedeuten hat. Will Kasparow Putin etwa gewaltsam stürzen? Sieht so sein Verständnis von Demokratie aus? Will er aus dem "Exil" heraus seine Landsleute in der Heimat zu einer revolutionären, gewaltsamen Erhebung motivieren?

Dann einfach noch mal eine kurze Nachhilfe für den Vorzeigeoppositionellen: Selbst wenn Kasparow recht hätte und Putin eine "brutale Diktatur" anführen würde - er wurde von einer Mehrheit seines Volkes in einer nach westlichen Maßstäben hinreichend demokratischen Wahl gewählt. Das haben jedenfalls westliche Beobachter festgestellt. Diese Wahlperiode geht 2018 zu Ende. Dann kann eine Mehrheit des Volkes sich einen anderen Präsidenten wählen, wenn mit dem jetzigen Präsidenten tatsächlich so viele unzufrieden sind, wie es aus westeuropäischer und amerikanischer Sicht scheint.

"Regime Change" nennen die Politikwissenschaftler den "Austausch" einer politischen Ordnung unter aktiver Beteiligung des Auslands. Schon die Oktoberrevolution 1917, die Initialzündung des kommunistischen Weltsystems im 20. Jahrhundert, wäre ohne finanzielle Hilfe der Berliner Reichsregierung nicht gelungen. Im jüngsten ef-magazin sieht Thomas Fasbender den "Tag nicht fern, an dem ein Moskauer Euromaidan entsteht".

Niemand sollte die Russen dazu aufstacheln, sich gewaltsam neue Führungen und staatliche Strukturen erzwingen zu wollen um den Preis zigtausendfachen Bruder- und Schwestermords. Nichts rechtfertigt solche Versuche nur drei Jahre vor der nächsten demokratischen Wahl.

Schon gar nicht sollte jemand aus dem beschaulichen "Exil" in den USA urteilen, der sich von Kräften bezahlen lässt, die Russland nun wahrlich nicht nur voller Liebe und Zuversicht begegnen.

Und erst recht nicht sollte das jemand versuchen, der für seinen "gewaltlosen Einsatz für die Menschenrechte in Russland" von einer Organisation der Vereinten Nationen ausgezeichnet wurde.

Diese Partie hat eine andere Eröffnung verdient, lieber Garri Kasparow. Und vor allem ein friedliches Ende.


Theobald Tiger
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Bild: Copyright 2007, S.M.S.I., Inc. - Owen Williams, The Kasparov Agency. - http://www.kasparovagent.com/photo_gallery.php CC BY-SA 3.0



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