Blogs / 2015 / Mai

"Spiegel" entdeckt "Unwucht im System"


Immer wieder macht der Spiegel mit Covern und Geschichten auf, die die Gerechtigkeitslücken in Deutschland aufs Korn nehmen. Er ist gewiss eher kein Verfechter einer unternehmerorientierten Leistungskultur.
Um so erstaunlicher, dass er diese Woche auf Seite 66 des Heftes 22/2015 unter der Überschrift „Unwucht im System“ plötzlich anerkennt, dass die Steuerlast schon seit vielen Jahren schneller wächst als die Wirtschaft. Vorsichtig formuliert der Spiegel „der Staat verteilt massiv zu seinen Gunsten um“. Der Artikel von Christian Reiermann macht mit einer "schönen" Graphik auf: 2014 wurde der Spitzensteuersatz schon beim 1,7-fachen Durchschnittseinkommen fällig, im Jahr 1960 erst beim 17,9fachen Durchschnittseinkommen.
Darauf wies ich hier im Portal schon vor ein paar Jahren hin http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/blogs/hilft-deutschland-eine-reichensteuer Doch im Gegensatz zum Spiegel spreche ich Klartext: „Alle Einkommen unterhalb des 20,65-fachen Durchschnittseinkommens (805.025 Euro) sind seit 1958 zulasten des unternehmerischen Eigenkapitals und des produktiven Kapitalstocks teilenteignet worden.
Der deutsche Staat behinderte in den letzten 50 Jahren immer mehr die Eigenkapitalbildung der Firmen. Man darf doch nicht vergessen, dass Firmen einen Kapitalstock zur Existenz brauchen wie der Körper Energie für den Grundumsatz braucht. Das vom Autor zitierte Bundesfinanzministerium hat dafür hier http://tinyurl.com/9z3gnue eine sechs Jahre alte Analyse veröffentlicht (warum wohl will niemand wissen, wie die Zahlen heute sind?). Man kann es drehen und wenden wie man will: Ein (sozialversicherungspflichtiger) Arbeitsplatz kostet im Durchschnitt >100.000 Euro. Wer 1 Million zusätzliche hochwertige Arbeitsplätze schaffen will, muss dafür also 100 Milliarden Euro Kapital einsetzen. Wenn dieses Kapital zuvor weggesteuert und verkonsumiert wird, steht es dafür nicht zur Verfügung. Wenn Gründer mit unausreichender Kapitalisierung gründen, erhöht sich das Risiko der Pleite. Hat davon die Gesellschaft irgendeinen Nutzen?“
Diese Berechnungen, diese Diskussionen diese Exkursionen sollten geführt werden, wenn die Erb-Steuer-Diskussion wieder hoch kocht. Jemand, der wie Julia Friedrichs mit einem Umverteilungs-Katechismus „Wir Erben“ einen Bestseller landet, obwohl sie weder Erbin ist noch  - von oberflächlichen Befragungen abgesehen – die Lebenswirklichkeit der (nicht DAX-, sondern Familien-) Unternehmen kennt, der sollte mehr kritische Bewertung erfahren und weniger Bewunderung.



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