Dem Spiegel-Verlag zu geflattert: Eine teure Zeitungsente



Ein Spiegel-Redakteur wollte von den Marseille-Kliniken AG wissen, wie Thomas Middelhoff seine Kaution zusammenkratzt. Dazu schickte er uns einen Katalog komplexer Fragen. Wir schickten ihm einen Kostenvorschlag für die Beantwortung. Der Redakteur empörte sich, lehnte ab und schrieb eine peinliche Zeitungsente.
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(Hamburg, 30.04.2015) - Die Fragen des Spiegel-Redakteurs erreichten die Marseille-Kliniken AG via Email am Mittwoch, 22. April 2015 um 14:09 Uhr. Das ist neu, denn als der Spiegel bis vor kurzem noch Samstags gedruckt wurde und Freitagabend Redaktionsschluss war, erreichten uns (sowie auch viele andere betroffene Unternehmen oder Unternehmer) solche redaktionellen Fragenkataloge mit schöner Regelmäßigkeit am Freitagvormittag mit dem Hinweis, man solle die Fragen bis zum frühen Nachmittag beantworten. Auf diese Weise bleibt einem Unternehmen in der Regel kaum ausreichend Zeit, Antworten auf die Fragen zu formulieren und diese vorher mit den Anwälten abzusprechen.

Das ist von den Redakteuren durchaus gewollt. Warum? Weil ihr Artikel bereits fertig geschrieben ist und Antworten, welche die These des Artikels womöglich zerschießen könnten, dann nicht gerne gesehen werden. Und noch etwas: Es geht auch darum, in einer eventuell sich daraus ergebenden medienrechtlichen Auseinandersetzung vor Gericht einen Beweis für „journalistische Fairness“ hochhalten zu können: „Seht her, wir können nachweisen, dass wir das Unternehmen kontaktiert haben. Es ist doch nicht unsere Schuld, wenn die nicht in der Lage sind, innerhalb weniger Stunden unsere Fragen zu beantworten.“

Nun, wie gesagt, diesmal erreichten uns die Fragen nicht am Freitagvormittag sondern am frühen Nachmittag eines Mittwochs. Der Spiegel hat seinen Erscheinungstag inzwischen auf den Samstag verlegt. Das E-Paper ist bereits Freitagabend zu erhalten. Die Antwortfrist des Spiegel-Redakteurs wurde mit den Fragen gleich mitgeliefert: Nächster Tag, also Donnerstag um 15 Uhr.

Was hat das mit uns zu tun?

Der Fragenkatalog umfasste insgesamt 9 Fragen. Sehr komplex und sehr aufwändig zu recherchieren und zu beantworten. Wir wären durchaus in der Lage gewesen, mittels eigener Recherchen Antworten auf die Fragen des Spiegel-Redakteurs zu finden. Doch halt! Warum sollten wir das eigentlich tun? Bei näherer Betrachtung hatten die Fragen nämlich wenig bis gar nichts mit der Marseille-Kliniken AG als Konzern und dessen Geschäftsfeld zu tun. Es ging einzig und alleine um die Privatperson Thomas Middelhoff und wie er versuchte, die Kaution für seine Freilassung zusammen zu kratzen.

Warum sollten wir als Unternehmen nun Recherchearbeit für ein anderes gewinnorientiertes Unternehmen, nämlich den Spiegel-Verlag leisten? Warum wird von uns erwartet, dass wir die von uns verlangte Rechercheleistung, die wie gesagt nichts mit den Marseille-Kliniken AG zu tun hat, an ein anderes Unternehmen, was uns in der Regel nicht sehr freundlich gesinnt ist, abgeben und das auch noch kostenlos? Bei der Bearbeitung entstehen uns Kosten, Rechercheaufwand, Personalkosten etc. etc. also alles Leistungen, die entlohnt werden müssen. Eine Geschäftsführung, in diesem Fall unser Vorstand, macht sich möglicherweise gegenüber den Aktionären aus dem Gesichtspunkt der Untreue schadensersatzpflichtig, wenn er Leistungen ohne Entlohnung herausgibt.

Angenommen, wir als Marseille-Kliniken AG würden den Spiegel-Verlag darum bitten, einen von uns formulierten Fragenkatalog zum Thema, sagen wir mal, „Deutscher Journalismus im 19. Jahrhundert und die Auswirkungen auf das Denken heutiger Redakteure“ abzuarbeiten, würde dann die vielgelobte Spiegel-Dokumentationsabteilung für uns kostenlos recherchieren und die Ergebnisse zusammenfassen? Wohl kaum.

Leistungen müssen berechnet werden

Für uns war damit klar: Der Spiegel bittet uns um eine Rechercheleistung zu einem Thema, das mit der Marseille-Kliniken AG nichts zu tun hat. Zwar ein verwunderliches Ansinnen, doch durchaus machbar. Wir haben Fachleute im Unternehmen die nach umfassenden Rechercheleistungen Antworten auf die Fragen des Redakteurs liefern könnten. Doch die kosten Geld. Jede einzelne Stunde, die sie arbeiten. Das haben wir kalkuliert und geprüft und dem Redakteur ein entsprechendes Kostenangebot unterbreitet. Es war sogar günstig kalkuliert, ein Schnäppchen sozusagen, für nur 199,20 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Wir formulierten ein entsprechendes Kostenangebot und ließen dies dem anfragenden Spiegel-Redakteur zukommen. Der fand ganz offensichtlich gar keinen Gefallen daran. Er zeigte sich empört und schimpfte, dass er schon 30 Jahre als Redakteur arbeite und ihm das noch nie untergekommen sei, dass ein Unternehmen Geld für etwas verlange, was bereits auf dem Tisch liege, er das nun an den Justiziar weiterleiten werden und wir noch von ihm hören werden. Ja, er drohte uns in seiner Wut und stellte in Aussicht, dass er dieses absolute Novum „thematisieren“ werde.

Die Wut des Redakteurs

Eieieiei – da ging aber einer durch die Decke. Es sollte tatsächlich auch nicht lange Dauern, bis wir Post von der Rechtsabteilung des Spiegel-Verlags erhielten. Wir zitieren daraus:

„Wenn Sie die Beantwortung von Fragen von der Zahlung einer "Gebühr" abhängig zu machen, so bleibt Ihnen dieses bemerkenswerte Vorgehen natürlich unbenommen. Es führt indes nicht dazu, dass wir unserer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen sind, sondern nur dazu, dass wir keine Antworten erhalten und diese nicht für eine mögliche Berichterstattung verwerten können. .... Die daraus eventuell resultierenden Nachteile gehen mithin allein zu Ihren Lasten.“

Noch eine mehr oder weniger gut versteckte „Drohung“, nach dem Motto: Leistet kostenlose Arbeit für uns oder ihr werdet bei Nichtleistung die entsprechenden Nachteile verspüren.“

Na da fühlten wir uns aber gehörig missverstanden und schrieben wir dem Spiegel-Justiziar zurück. Wir zitieren aus unserer Email:

„Journalistische Sorgfaltspflicht walten zu lassen, das Pressegesetz einzuhalten und andere Vorgaben, die u. a. vom deutschen Presserat herausgegeben werden, ist notwendig. Insoweit ist der Inhaber des Spiegelmagazins, nämlich der Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG ebenso für eine ordentliche Berichterstattung als auch eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit weitestgehend bekannt.Aus diesem Grunde produzieren Sie jährlich Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe. Sicher zu stellen, dass nichts Unwahres berichtet wird, ist die ureigene Pflicht Ihres Hauses. Dabei Hilfe zu leisten, ist nicht Aufgabe derer, über die Sie schreiben möchten. Das Unterbleiben solcher Hilfestellung entbindet Ihr Haus ebenso wenig von seiner Wahrheitspflicht wie das Angebot einer Unterstützung gegen Aufwandsentschädigung.
Hoheitliche Aufgaben sind es aber nicht, welche Sie wahrnehmen, sondern Ziel Ihres Unternehmens ist in erster Linie Gewinnerzielungsabsicht. Schließlich verkaufen Sie Nachrichten an Ihre Leser und je besser oder eindrucksvoller – gut recherchiert – diese sind, desto höher fallen Ihre Einnahmen aus.Für die Beschaffung dieses Materials haben Sie Aufwendungen: Auch Ihre freien Redakteure arbeiten nicht für Null und für Auskünfte bei der Creditreform müssen auch Sie zahlen.
Unser Unternehmen ist ja bereit, Ihnen die gewünschten Auskünfte zur Verfügung zu stellen, hat für die Erarbeitung und Zusammenstellung der Unterlagen und Informationen aber einen sachlichen Aufwand, wegen dessen Erstattung wir Ihnen das rechtsgeschäftliche Kostenangebot EK15042-47 fristgerecht erteilt haben.
Dabei handelt es sich keineswegs um „Gebühren“ wie Sie ausführen noch ist es zutreffend, dass Geld verlangt wird, „…für etwas, das bereits auf dem Tisch liegt…“ Aus welchem Gesichtspunkt sollte tatsächlicher Aufwand, den Sie an anderer Stelle sonst durch das Einschalten von Dritten Dienstleistern bezahlen müssten, kostenlos zur Verfügung gestellt werden?“

Ach, es schien vergebene Liebesmüh zu sein. Unser Werben für unternehmerisches Verständnis beim Spiegel-Verlag, ein durchaus erfolgreichen Unternehmen, fiel offensichtlich auf keinen fruchtbaren Boden.

Teure Falschmeldung

Schade eigentlich, denn wäre der Spiegel auf unser Angebot eingegangen, dann hätte er keine Falschmeldung produziert. Der Redakteur, der angesichts unserer Kostenangebotes mit einer enormen Empörung von seinem Schreibtischlein aufgesprungen war, der musste nun seine Meldung über Middelhoffs Versuche eine Kaution zusammenzubekommen ohne unsere Fachkompetenz publizieren. Er machte seine Drohung, das für ihn unsittliche Kostenangebot zu thematisieren, wahr und zwar im Anhang einer Meldung über die angebliche Hilfe von Marseille für die Middelhoffsche Kautionszahlung. Die Meldungerschien auf Spiegel-Online und im gedruckten Spiegel.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/thomas-middelhoff-ulrich-marseille-als-kautionsgeber-im-gespraech-a-1030465.html

Blöd nur, dass sie so nicht stimmte und richtig blöd nur, dass die Süddeutsche Zeitung in ihrer Montagsausgabe darüber berichtete, warum die Spiegel-Meldung nicht stimmte.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/2.220/middelhoff-die-not-mit-der-kaution-1.2452890

Middelhoff war einmal Aufsichtsratsvorsitzender der Marseille-Kliniken AG. Damals hatte er sich einmal von den Marseille-Kliniken AG Geld geliehen, zwei Darlehen über insgesamt 1,5 Mio. Euro. Doch das war vor einigen Jahren und zurückgezahlt hatte Middelhoff die Darlehen ebenfalls vor einiger Zeit. Ist also schon eine Weile her und hatte nichts, aber auch gar nichts mit der Kaution für Herrn Middelhoff zu tun. Das sind die Tatsachen, das ist Fakt.

So endete der Spiegel mit einer glatten Falschmeldung. eine klassische Zeitungs-Ente, eine äußerst peinliche wie reputationsschädigende Angelegenheit für die Elite des deutschen Journalismus.

Das hätte der Redakteur vermeiden können, hätte er doch nur das wirklich günstige (und im Lichte der reputationsschädigenden Falschmeldung eigentlich supergünstige) Kostenangebot angenommen. Wir hätten ihm für wenig Geld die richtigen Informationen geliefert.

Das Rudel heult mit

Was der falschen Spiegel-Meldung auch folgte waren die empörten Journalistenkollegen des Spiegel-Redakteurs und die Berufsempörer in den Sozialen Medien.

So schrieb der eigentlich sehr renommierte Medienjournalist Kai-Hinrich Renner im Handelsblatt, dass die Marseille-Kliniken AG vom Spiegel für die Beantwortung einer Presseanfrage Geld verlangen würde. Das ist sehr verkürzt dargestellt. Unzulässig verkürzt. Daraus drehte er dann auch gleich seine Beobachtung, dass sich nun ein PR-Desaster für Marseille-Kliniken entwickle. Der Branchendienst meedia.de, der ebenfalls zum gleichen Konzern wie das Handelsblatt gehört, zog gleich mit und so auch ein Rudel anderer empörter Journalisten und die üblichen berufsempörten Internetbewohner.

Die einzigen, die auch wirklich einmal nachgefragt hatten, was sich wirklich hinter dem Kostenangebot der Marseille-Kliniken AG verbarg, war BülendÜrük vom Branchendienst kress.de. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Marseille-Kliniken AGH, Ulrich Marseille stand ihm Rede und Antwort und klärte die Hintergründe auf.

http://kress.de/mail/alle/detail/beitrag/131358-unternehmer-ulrich-marseille-warum-wir-19920-euro-vom-spiegel-wollten.html

Wir zitieren aus dem Artikel:

"Warum sollen wir Fragen beantworten, die uns nicht betreffen, uns aber Arbeit machen? Und warum sollen wir das umsonst machen?", so Marseille. "Hätte der Spiegel 199,20 Euro bezahlt, hätte er eine Zeitungsente vermeiden können. Das ist doch ein guter Preis für wahre Berichterstattung", so Marseille, der sich darüber wundert, dass sich Autoren vom "Spiegel" wie "mit der Grandezza des Allwissenden, der letzten Instanz aufführen" würden. Marseille kritisiert dabei auch den "Ausschnittsjournalismus", den er beim "Spiegel" ausmacht: "Möglichst viele Fragen stellen, um die eigentliche Frage zu verschleiern."

Medienanfragen bleiben kostenlos

Vielleicht trägt dies alles nun zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung über die eigentlichen Aufgaben von Pressestellen bei. Sind wir wirklich verpflichtet, alle Pressefragen zu beantworten? Müssen wir unbedingt den Redaktionen die Arbeit abnehmen und für sie recherchieren, auch wenn das Thema nichts mit unserem Unternehmen zu tun hat? Die Zahl der positiven Reaktionen aus der aus der Wirtschaft, die bei uns eingegangen sind lassen uns auf eine notwendige Auseinandersetzung hoffen.

Und um es noch einmal klar und deutlich zu sagen: Natürlich beantworten wir in Zukunft auch weiterhin Anfragen der Medien. Möglichst prompt und fachlich einwandfrei. Vor allem aber: Kostenlos. Solange die Anfrage eben etwas mit unserem Konzern und seinem Geschäftsfeld zu tun hat.

Quelle: http://www.marseille-kliniken.de/presse/pressemitteilungen.html?pid=301
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Bild: Wikimedia, blu-news.org, CC-BY-SA-2.0



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